AK verlangt wirksame Unternehmenskontrolle in der Europäischen AG

Nach den Plänen des Justizministers soll der Verwaltungsrat in der Europäischen Aktiengesellschaft auf die Geschäftsführung reduziert werden können

Wien (AK) - Umgehungsmöglichkeiten für eine funktionierende Unternehmenskontrolle bei nicht börsennotierten Aktiengesellschaften ortet die AK im Gesetzesentwurf des Justizministers für die Europäische AG. In dieser neu ab Oktober 2004 möglichen Europäischen AG können Kontrolle und Geschäftsführung, wie in Österreich üblich, von Aufsichtsrat und Vorstand übernommen werden oder, nach anglosächsischem Vorbild, im so genannten Verwaltungsrat zusammengefasst sein. Dieser Verwaltungsrat hat dann eine wichtige Doppelfunktion - Unternehmensführung und Kontrolle. Der Gesetzesentwurf des Justizministers ermöglicht es nicht börsennotierten Europäischen Aktiengesellschaften durch Satzungsbestimmungen auf die Kontrollfunktion des Verwaltungsrates zu verzichten. "Das ist ein klarer Rückschritt in der Unternehmenskontrolle", sagt Maria Kubitschek, Leiterin des AK Wirtschaftsbereichs, "die Europäische AG wäre dann eine GmbH ohne Aufsichtsrat. Die einzige Kontrolle wäre die Hauptversammlung, die einmal im Jahr für ein paar Stunden tagt." Die AK fordert daher vom Justizminister, dass er in der Europäischen AG für eine funktionierende Unternehmenskontrolle sorgt. ****

Ab Oktober 2004 können international tätige Unternehmen die Europäische Aktiengesellschaft gründen. Dabei kann als Organisationsmodell das in Österreich übliche dualistische System der getrennten Organe von Aufsichtsrat und Vorstand gewählt werden, oder das vorwiegend im anglosächsischen Ländern angewandte Boardsystem, in welchem die Kontrolle und Geschäftsführung in einem Organ (Board oder Verwaltungsrat) zusammengefasst wird. Der Verwaltungsrat ist dann für beides zuständig - für Geschäftsführung und Kontrolle. "Eine klare Abgrenzung der Verantwortungsbereiche Kontrolle und Geschäftsführung ist dafür die Grundvoraussetzung", sagt Kubitschek. Der Gesetzesentwurf des Justizministers zur Europäischen AG ermöglicht es nicht börsennotierten Unternehmen durch eine entsprechende Satzungsbestimmung den Verwaltungsrat auf die Geschäftsführung zu reduzieren. "Das ist ein klarer Widerspruch zur Corporate Governance und macht alle Bemühungen zur Stärkung der Kontrolle im Unternehmen zunichte", kritisiert Kubitschek.

Ohne die verpflichtende Trennung von geschäftsführenden Verwaltungsratsmitgliedern, die für das laufende Geschäft verantwortlich sind, und von nicht geschäftsführenden Verwaltungsratsmitgliedern, die hauptsächlich für die Kontrolle zuständig sind, gleicht eine Europäische AG mit Verwaltungsrat einer GmbH ohne Aufsichtsrat. Die Präventivkontrolle in wesentlichen Geschäftsführungsfragen würde ebenso wie die Prüfung des Jahresabschlusses wegfallen, wenn alle Mitglieder des Verwaltungsrats aus der Geschäftsführung kommen. Die AK fordert daher vom Justizminister eine funktionierende Unternehmenskontrolle auch in der Europäischen AG.

Rückfragen & Kontakt:

Christian Spitaler
AK Wien Kommunikation
Tel.: (+ 43-1) 501 65-2152
mobil: (+ 43) 664 45 43 43 6
akpresse@akwien.or.at
http://www.akwien.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKW0002