WER HAT SCHULD BEI UNFÄLLEN MIT KINDERN?

Trotz aktuellem OGH-Urteil bleibt hohe Lenker-Verantwortung gegenüber Kindern bestehen

Wien (OTS) - Kinder sind besonders schützenswerte Verkehrsteilnehmer. Und es kann schon einmal vorkommen, dass ein Schulkind die Straßenverkehrsordnung nicht abrufbar im Kopf parat hat. Deswegen sind die Kleinen auch aus dem Vertrauensgrundsatz ausgenommen und für jedes Kind gilt der "unsichtbare Zebrastreifen". Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) appelliert immer wieder an Autofahrer, gerade in Gegenden wo Kinder in der Nähe sein könnten, besonders bremsbereit und rücksichtsvoll zu fahren.

Kaltenegger: "OGH-Urteil ändert nichts an der Verantwortung der Autofahrer"

Ein Pkw-Lenker fuhr mit vorgeschriebener Geschwindigkeit im Ortsgebiet, als hinter einem Betonmischwagen - für den Lenker unsichtbar - ein sechsjähriges Kind auf die Fahrbahn lief. Im dazu geführten OGH-Prozess wurde der Lenker vom Obersten Gerichtshof (OGH) entlastet und von Schadenersatzansprüchen enthoben, da der Unfall durch den Autolenker nicht vermeidbar gewesen ist. Das ist eine Vorgehensweise, die immer schon judiziert wurde. Mag. Armin Kaltenegger, Leiter der Rechtsabteilung des KfV, zeigt sich etwas verwundert ob der jüngsten Diskussion: "Bereits bisher war es die Regel, dass Autofahrer ohne Verschulden, Regelwidrigkeit oder Rücksichtslosigkeit weder bestraft noch schadenersatzpflichtig wurden. Das jüngste OGH-Urteil löst einen Einzelfall, der keine neuen Grundsätze oder Wertungen aufgestellt hat!" Kaltenegger weist entschieden darauf hin, dass die Sorgfaltspflicht gegenüber Kindern in keinster Weise aufgehoben ist: "Wir Autofahrer haben den Schutz der Jüngsten mit aller zu Gebote stehenden Aufmerksamkeit, Sorgfalt und Rücksicht wahrzunehmen."

48% mehr getötete Kinder im Straßenverkehr

Autofahrer müssen - sobald sie ein Kind wahrnehmen - sich auch auf ein eventuell unvernünftiges Verhalten von Kindern einstellen und ihre Geschwindigkeit so reduzieren, dass sofort angehalten werden kann. Dort wo ganz grundsätzlich mit Kindern gerechnet werden muss (zB vor Schulen, Kindergärten, Spielplätzen, beim Gefahrenzeichen "Kinder") gilt diese Sorgfaltspflicht sogar schon bevor der Autofahrer Kinder sieht! Leider passieren gerade mit den Jüngsten immer wieder zu viele tragische Unfälle. Laut Unfallbilanz 2003 starben 37 Kinder auf Österreichs Straßen! Das ist mehr als eine ganze Schulklasse. Die Anzahl der getöteten Kinder hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 48 Prozent erhöht! "Gerade angesichts solcher Umstände darf ein Urteil, das auf einen Einzelfall beruht, nicht missinterpretiert werden. Als oberste Maxime muss der Schutz der Kinder stehen!", betont Kaltenegger.

Österreich trauriges Schlusslicht bei Kindersicherheit

Österreich steht international bei Kinderunfällen ausnehmend schlecht da. EU-weit fiel Österreich vom 7. Platz des Jahres 2002 erstmals weit unter den EU-Durchschnitt, auf den 12. Platz. Und zeichnet somit im deutschsprachigen Raum für die weit abgeschlagene Position in Sachen Kinderverkehrsunfällen verantwortlich.

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Kuratorium für Verkehrssicherheit
Mag. Gabriele Hinterkörner
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