Geringe Dynamik der Nachfrage

Wien (WIFO) - Umfragen unter den Industrieunternehmen zeigen in Österreich wie im Euro-Raum seit Ende 2003 keine signifikante Verbesserung des Konjunkturklimas. Den positiven Impulsen durch den Boom in Asien und Nordamerika stehen die dämpfenden Einflüsse der Stärke des Euro, der hohen Rohstoffpreise und der ausgeprägten Schwäche der Inlandsnachfrage im Euro-Raum gegenüber. Im heimischen Tiefbau melden die Unternehmen eine weiterhin günstige Auftragslage, im Hochbau zeichnet sich eine Abschwächung ab. Verbrauchervertrauen und Umsätze im Einzelhandel zeigten sich zu Jahresbeginn zurückhaltend. Die Zahl der Arbeitslosen steigt weiter.

Die Ergebnisse des WIFO-Konjunkturtests deuten darauf hin, dass die Produktion in der österreichischen Sachgütererzeugung in den ersten vier Monaten des Jahres verhalten gestiegen ist, ein dynamischer Aufschwung ist nicht zu erkennen. Die befragten Unternehmen erwarteten im April mit einer Mehrheit von 8 Prozentpunkten einen Anstieg der Produktion. Der Überhang war damit etwas größer als im März, die Konjunkturerholung, die von Mitte bis Ende 2003 zu beobachten gewesen war, setzte sich allerdings nicht dynamisch fort. Kräftiger nach unten korrigiert wurden zuletzt die Erwartungen bezüglich der längerfristigen Geschäftslage. Die Industrieunternehmen leiden weiterhin unter einem Mangel an Nachfrage.

Die Außenhandelsstatistik zeigt keine Belebung (Export nominell gegenüber dem Vorjahr: IV. Quartal +2%, Jänner -1,5%). Überdurchschnittlich stieg die Ausfuhr in die USA - die Mengeneffekte des Nachfragebooms übertrafen die negativen Wechselkurseffekte - und nach Südosteuropa. Der Export in die neuen EU-Länder und nach Deutschland nahm ebenfalls zu: Österreich profitierte von der relativ günstigen Entwicklung der deutschen Exportindustrie und ist von der anhaltenden Schwäche in Bauwirtschaft und Einzelhandel weniger betroffen. Sehr schwach entwickelte sich hingegen die Ausfuhr nach Italien und in andere Länder des Euro-Raumes. Trotz der günstigen Rahmenbedingungen einer starken Expansion der Weltwirtschaft wächst die Nachfrage im Euro-Raum sehr mäßig, weil Impulse der Binnenkonjunktur fehlen.

Gute Schneelage und eine erfolgreiche Qualitätsstrategie verhalfen dem heimischen Tourismus trotz stagnierender Einkommen in vielen Herkunftsländern und der Stärke des Euro zu einer guten Wintersaison. Die Reiseverkehrsumsätze stiegen laut vorläufiger Berechnung im Zeitraum November 2003 bis März 2004 mit +3,6% gegenüber dem Vorjahr deutlich rascher als die Zahl der Nächtigungen (+1,7%). Aus der Bauwirtschaft kommen unterschiedliche Signale: Die Unternehmen des Tiefbaus profitieren von der guten Auftragslage im Straßen- und Schienenbau. Hingegen zeigen sich die Hochbaubetriebe angesichts schwächerer Aufträge im Industriebau, steigender Leerstandsraten im Bürobau und eines Rückgangs der Zahl der Bewilligungen im geförderten Wohnbau vorsichtiger.

Der Handel war zu Jahresbeginn 2004 von schlechter Nachfrage geprägt. Großhandel und Kfz-Handel verzeichneten einen deutlichen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr. Im Einzelhandel war der Umsatz nominell um 1/2% höher als im Vorjahr, real dürfte er stagniert haben. Die Bankenstatistik weist ein kräftiges Wachstum der Spareinlagen aus.

Abbildung 1: Produktionserwartungen der Industrie im WIFO-Konjunkturtest - auf der WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/presse)

Getrieben von der boomenden Nachfrage in Asien, vor allem in China, verstärkt sich die Hausse auf den internationalen Rohstoffmärkten. Auf Dollarbasis waren die Preise zuletzt um 35% höher als vor einem Jahr. Trotz der Stärke des Euro wird die Verteuerung von Industrierohstoffen und Erdöl nun auch im Euro-Raum deutlich spürbar, zudem treten Lieferengpässe auf. Auf die Verbraucherebene schlug der Preisanstieg bislang nicht durch, die Steigerung der Kosten von Wohnen und Verkehr blieb im I. Quartal unter dem Durchschnitt. Hingegen stiegen die Preise von Nahrungsmitteln und Getränken, vor allem in Restaurants, kräftig. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex lag im I. Quartal aber um nur 1,4% über dem Vorjahreswert.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist weiterhin sehr ungünstig. Im April 2004 lag die saisonbereinigte Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen mit 248.000 um 12.000 über dem Niveau des Vorjahres und um 62.000 über dem Tiefstand vom Jänner 2001. Die Zahl der aktiv Beschäftigten war etwas höher als im Vorjahr, der Anstieg reicht aber wegen des kräftigen Zustroms an ausländischen Arbeitskräften in das Arbeitskräfteangebot nicht aus, um einen Rückgang der Arbeitslosigkeit zu bewirken.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 5/2004!

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Dr. Markus Marterbauer
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