Stahlmarkt: Konjunkturbremse für Österreich und Europa zu erwarten

Umfrage zeigt hohe Betroffenheit heimischer Firmen - FV hoffen auf partnerschaftliche Lösungen und prüfen rechtliche Möglichkeiten bei Vertragsauflösungen

Wien (PWK313) - Von einer "globalen Stahlkrise", die seit Jahresbeginn extreme Probleme bei der Beschaffung und der Preissituation mit sich bringe, sprach heute, Mittwoch, der Obmann des Fachverbandes der Metallwarenindustrie, Wolfgang Welser, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Geschäftsführer der Fachverbände Maschinen und Metallwaren, Berndt-Thomas Krafft. Viele Mitgliedsfirmen seien mit der Situation konfrontiert, Vormaterial nicht beschaffen zu können oder wenn, dann nur zu exorbitant hohen Preisen. Das bringe sie an den Rand der Insolvenz, da Verträge über Liefertermine natürlich weiterbestünden. Pönale-Forderungen und enorme Ergebniseinbußen seien die Folge, so Welser. "Ob wir angesichts dieser Situation das prognostizierte Wirtschaftswachstum von 1,6 bis 1,8 Prozent halten können, ist zu bezweifeln." Und das bedeute einen Verlust von Arbeitsplätzen und Marktanteilen.

In einer Umfrage der Fachverbände (1043 Betriebe angeschrieben, Rücklauf: 25 Prozent), die Betriebe mit rund einem Viertel der Industriebeschäftigten erreichte, zeigte sich eine starke Betroffenheit der Firmen. 21 Prozent seien "ganz massiv betroffen", so Krafft, und sehen den Fortbestand des Unternehmen bei einem Anhalten der Situation gefährdet. Die Folgen: Ab Juni müsse die Produktion reduziert werden, eventuelle zeitweilige Betriebsstilllegungen, teilweises Einsparen von Schichten und eine Reduktion der Produktion sowie eine Einführung von Kurzarbeit. Von diesen 21 Prozent hätten bereits jetzt neun Prozent ihre Produktion reduziert und Schichten eingespart und zeitweilig kam es zu Betriebsstillständen. Lob hätte es für die Voest gegeben, die sich aus Sicht vieler Betriebe sehr partnerschaftlich verhalten habe. Ein Wunsch der Betriebe, so der Geschäftsführer, sei aus Umfrage darüber hinaus noch ersichtlich: Auf europäischer Ebene sollten die Verantwortlichen aktiv werden.

Hintergrund der Entwicklungen sei, dass rund 15 Mio. Tonnen Stahl, die in den vergangenen 2 Jahren in die EU geliefert wurde, nun nach China, Indien und in die USA gingen. Zudem verschärfe die Knappheit an Koks, Schrott und Erz die Situation. Für das kommende Quartal, so Welser, sei jedenfalls mit einer weiteren Preissteigerung zu rechnen. Die Voest habe sich bis dato bemüht, die Versorgung aufrecht zu erhalten, trotzdem gebe es Engpässe "und die Spitze ist noch nicht erreicht", unterstreicht der FV-Obmann, der damit rechnet, dass eine Beruhigung frühestens Ende des Jahres zu erwarten ist. Dann könnte der Stahlpreis schnell fallen, er glaube aber nicht daran.

Eine Lösung der jetzigen Situation liege in einem partnerschaftlichen Vorgehen zwischen Lieferanten und Kunden, um die Preisprobleme zu lösen. "Keine Lieferanten könnten es sich erlauben, Kunden zu verlieren und die österreichische Wirtschaft kann es sich nicht erlauben, Betriebe zu verlieren", stellte Welser klar. Zudem prüfe der Fachverband rechtliche Schritte in Hinblick auf mögliche Vertragsauflösungen. Obwohl viele Unternehmen quartalsweise oder halbjährlich Korrekturen der Preise vornehmen könnten, würden etwa beim konstruktiven Stahlbau oder im anderen Bereichen, wie der Automobilzulieferindustrie, längere Zeiträume zwischen Ausschreibung und Auftrag vergehen oder mehrjährige Verträge mit den deutschen Autobauern bestehen die den Betrieben nun zum Verhängnis werden können. Die öffentliche Hand habe auf diese angespannte Situation bereits reagiert und nach einem Anrufen der Schiedskommission durch die Fachverbände entschieden, dass Preiserhöhungen bei öffentlichen Aufträgen weitergegeben werden können. (us)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
FV der Metallwarenindustrie
Mag. Manuela Steinbrucker-Murri
Tel.: (++43-1) 0590 900-3477
http://wko.at/Presse

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0006