LH Haider will Kärnten zur Stabsstelle für Lehrlingsausbildung machen

Probezeit soll auf ein Jahr ausgeweitet werden - LH Haider für vernünftigere Lehrabschlussprüfung - Robert Rogner jun. stellt Qualifizierungsprogramm für Gesundheitstourismus vor

Klagenfurt (LPD) - Das Land Kärnten soll zu einer Stabsstelle für die Lehrlingsausbildung werden. Das kündigte heute, Donnerstag, Landeshauptmann Jörg Haider bei einer Pressekonferenz in der Klagenfurter Berufsschule 2 an. Durch die Ausweitung der Probezeit auf ein Jahr, die kostenlose Berufsreifeprüfung für Lehrlinge, die Neugestaltung der Lehrabschlussprüfung, das Kärntner Berufsschulkonzept und einen Lehrlings-Ausbildungsfonds will man mehr Lehrlinge in den Betrieben unterbringen sowie die allgemeine Bildungsbereitschaft fördern. Als weiteres Projekt wurde vom Wellness-Experten Robert Rogner jun. ein Qualifizierungsprogramm im Bereich des Spa- und Gesundheitstourismus vorgestellt, das ab Herbst d.J. in Kärnten starten soll.

Das Land wolle künftig die Verantwortung für die Lehrlingsausbildung generell übernehmen, erklärte Haider. Kooperieren soll diese Lehrlingskoordinationsstelle mit der Wirtschaftskammer, der Arbeiterkammer und dem Arbeitsmarktservice. Als wichtiges Vorhaben nannte der Landeshauptmann die Ausweitung der derzeit dreimonatigen Probezeit für Lehrlinge auf ein Jahr. Soll sich ein Lehrling innerhalb dieser Zeit als ungeeignet für die jeweilige Ausbildung erweisen, werde ein Schiedsgericht aus Land und Sozialpartnern abklären, ob eine Zusatzausbildung bzw. die Übernahme des Lehrlings in eine vom Land mitfinanzierte Ausbildungsstelle gerechtfertigt sei. Die Betriebe könnten dadurch flexibler werden und würden dazu animiert, mehr Lehrlinge einzustellen, erklärte Haider. Um die Vermittlung der betroffenen Lehrlinge an einen neuen Ausbildungsplatz soll sich ebenfalls die Koordinationsstelle kümmern. Unterstützt werde die Umsetzung dieser Idee auch seitens der Kärntner Wirtschaftskammer, so Haider.

Ebenfalls einsetzen will sich der Landeshauptmann für eine "vernünftigere Regelung" bei der Lehrabschlussprüfung. So sollte es künftig eine Diplomprüfung, bestehend aus einer theoretischen schriftlichen Abhandlung und einer praktischen Arbeit, geben. Erfolgen sollte die Prüfung unter Vorsitz eines unabhängigen Fachmannes und unter Betreuung durch einen Berufsschullehrer sowie einen Vertreter des Ausbildungsbetriebes. Beim derzeitigen System würden viele Lehrlinge bei der Prüfung durchfallen, obwohl sie in der Berufsschule gut wären, kritisierte Haider. In Verhandlungen mit Wirtschaftsminister Martin Bartenstein wollen die Kärntner Vertreter daher ebenso "Lobbying" für die nötige Gesetzesänderung betreiben, wie in den Nationalratsclubs, meinte der Landeshauptmann.

Konkretisiert wird laut Haider außerdem die kostenlose Berufsreifeprüfung. Diese Kombination aus Lehre und Matura solle die Bildungsbereitschaft der Lehrlinge sowie die Attraktivität der Lehre heben. Überlegt werde, auch Ausgelernten bis zu einem Alter von 22 oder 25 Jahren ein kostenloses Nachholen der Berufsreifeprüfung zu ermöglichen. Die Lehre solle nicht als "Sackgasse" gelten, sagte dazu Landesberufsschulinspektor Herbert Torta, für den die Möglichkeiten der Lehrlinge verbreitert sowie die allgemeine Wertschätzung gegenüber der Lehre erhöht werden soll.

Zur Umsetzung des Kärntner Berufsschulstandortekonzeptes meinte Torta, dass dieses bereits zu 80 Prozent abgeschlossen sei. Die neuen Kompetenzzentren würden auch bei Betrieben, Lehrern und Schülern auf positive Rückmeldungen stoßen. In Angriff genommen habe man nunmehr die Adaptierung der Berufsschule Spittal/Drau sowie den Neubau der Tourismusberufsschule Oberwollanig. In Spittal sei ein Kompetenzzentrum für Sanitär- und Klimatechniker, den Bereich der alternativen und erneuerbaren Energie sowie den Dachfachbereich (Zimmerer, Spengler, Dachdecker) vorgesehen. Für die Tourismusschule bietet sich laut Torta der Standort Warmbad Villach an, wo in einem Alpen-Adria-Tourismus-Ausbildungszentrum auch Kooperationen mit Italien und Slowenien genützt werden sollen. Der endgültige Abschluss des Berufsschulkonzeptes wurde vom Inspektor mit 2007/08 angegeben. Ebenfalls forcieren wolle man die Verbesserung der Lehrlingsunterbringung bzw. Sanierung der Berufsschülerheime.

Einen Lehrlings-Ausbildungsfonds stellte der Vizepräsident der Kärntner Wirtschaftskammer, Albert Gunzer, vor. Dieser solle einen finanziellen Ausgleich des Ungleichgewichtes zwischen lehrlingsausbildenden Betrieben und Betrieben, die keine Lehrlinge ausbilden, schaffen. Das Land brauche gut ausgebildete Facharbeiter, unterstrich Gunzer, der seitens der Wirtschaft die Verpflichtung sieht, genügend Arbeitsplätze anzubieten und Aufstiegschancen für die Jugend zu schaffen.

Ebenfalls präsentiert wurde ein Qualifizierungsprogramm für Lehrlinge aus den Bereichen Koch, Kellner, Hotel- und Gastgewerbeassistent, Kosmetik und Masseur, die sich im Spa- und Gesundheitstourismus weiterbilden wollen. Umsetzen wolle man das Projekt in Kärnten bereits im Herbst d.J., wie Robert Rogner jun., der Geschäftsführer der Rogner Academy, erklärte. Mit Unterstützung des Landes sollen pro Jahr 30 Lehrlinge diese Seminare besuchen, die als begleitende Qualifizierungsmaßnahmen neben der Berufsschule und Lehre angeboten werden. In mehrmals jährlichen zweitägigen Kursen sollen die Lehrlinge in u.a. die Bereiche Fitness, Ernährung und Persönlichkeitsentwicklung schnuppern. Rogner sieht darin große Chancen für die Auszubildenden und ihre Betriebe, da Wellness ein Zukunftstrend im Tourismus sei.
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