OeNB - Kongress "Advising Clients in an Expanded Europe"

~ Gouverneur Liebscher: Die EU-Erweiterung und die damit verbundene wirtschafts- und währungspolitische Integration der neuen EU-Mitgliedstaaten wird die Rolle der Europäischen Union als "Global Player" langfristig stärken. ~

Wien (OTS) - Mit der EU-Erweiterung um zehn neue Mitgliedstaaten
am 1. Mai 2004 verlasse Österreich - geografisch gesehen - die Randlage der Europäischen Union, betonte Dr. Klaus Liebscher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank und EZB-Ratsmitglied, am 29. April 2004 im Rahmen eines in Wien tagenden Kongresses, der vom Fachmagazin "The European Lawyer" gemeinsam mit der "International Bar Association" veranstaltet wird.

Gouverneur Liebscher rechnet mit belebenden Impulsen für Österreich, nicht nur aufgrund seiner traditionell guten Beziehungen zu vielen der neuen EU-Mitgliedstaaten, sondern auch wegen der günstigen Wachstumsaussichten in dieser Region. So sind die zehn beitretenden Länder selbst im für die Weltwirtschaft schwierigen Jahr 2003 um durchschnittlich 3,6% - und damit deutlich rascher als der Euroraum - gewachsen. Gemäß Frühjahrsprognose der EU-Kommission werde das durchschnittliche Wirtschaftswachstum der zehn neuen EU-Mitgliedstaaten auch mit 4,0% im heurigen Jahr bzw. mit 4,2% im Jahr 2005 annähernd doppelt so hoch ausfallen wie jenes im Euroraum. Gewinner der EU-Erweiterung werden demnach nicht nur die neuen, sondern auch die bisherigen EU-Mitglieder sein.

Schon jetzt habe der Raum "Mittel- und Osteuropa" eine sehr große wirtschaftliche Bedeutung für Österreich. So gehen bereits rund 13% der österreichischen Güterexporte in diese Region. Österreichische Banken halten in diesen Ländern inzwischen einen Marktanteil von über 25% und mehr als die Hälfte der Gewinne der größten österreichischen Banken stammt aus diesen Märkten.
Mit 1. Mai 2004 werden die neuen Mitgliedstaaten auch Mitglieder der Wirtschafts- und Währungsunion, wenngleich sie den Euro erst zu einem späteren Zeitpunkt einführen. Sie werden jedoch an der Koordination der Wirtschaftspolitiken und an der gemeinsamen fiskalischen Überwachung teilnehmen. Außerdem werden ihre Zentralbanken im Erweiterten Rat der EZB vertreten sein.

Um den Euro einzuführen, müssen die neuen EU-Mitglieder einen mehrstufigen Integrationsprozess durchlaufen, der mit dem EU-Beitritt beginne und nach einer erfolgreichen Teilnahme am Wechselkursmechanismus WKM II für zumindest zwei Jahre mit der nachhaltigen Erfüllung der ökonomischen und rechtlichen Konvergenz ende. Diese Rahmenbedingungen gewährleisten ein auf nationale Gegebenheiten und Unterschiede abgestimmtes Anpassungstempo. Gouverneur Liebscher betonte, dass durch diese stufenweise Heranführung der neuen EU-Mitgliedstaaten an die Währungsunion sicher gestellt sei, dass der Euro eine stabile Weltwährung bleibe.

Gouverneur Liebscher erinnerte schließlich, dass die europäische Integrationspolitik weit über das Wirtschaftliche hinaus reiche: Sie stelle vor allem einen nachhaltigen Beitrag zu Frieden, Sicherheit, Stabilität und damit Wohlstand in Europa dar.

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