"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Kuenringer haben es den anderen wieder einmal gezeigt" (Von Hans Winkler)

Ausgabe vom 29.04.2004

Graz (OTS) - Das braucht Erwin Pröll von Zeit zu Zeit: vorführen, wer er ist.

Der Bauer schickt den Jockel aus heißt ein
bekanntes Kinderspiel. Nach dem für die ÖVP traurigen Wahlsonntag ließ der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll zunächst seine Unterläufel von der Leine:

Der ÖVP-Landesgeschäftsführer musste die Wahlkampfführung von Benita Ferrero-Waldner und die Wiener ÖVP (verdientermaßen) für ihre lamentable Darbietung kritisieren. Ein niederösterreichischer Minister reichte die Meinung herum, die eigentliche Ursache für die Niederlage Ferreros sei die Unterstützung durch Jörg Haider gewesen.

Es ist zu klar, um was es dabei ging: Nicht etwa um eine Analyse der verlorenen Präsidentschaftswahlen das ist vergossene Milch. Die missglückte Unternehmung "Benita" war für Pröll nur der Anlass, wieder einmal indirekt Wolfgang Schüssel eines am Zeug zu flicken.

Verräterisch hat Christoph Leitl gemeint, er sehe keinen Grund für personelle Änderungen im Generalsekretariat. Also muss es auch um die Person von Reinhold Lopatka gegangen sein. Pröll schlägt den Sack, meint aber den Esel.

Den Kanzler direkt kann Pröll nicht angreifen. Dessen Stellung in der Partei ist nach wie vor unangefochten und sie ist es in schwierigen Zeiten, wie in diesem für die ÖVP schlechten Jahr 2004, erst recht. "Wer, wenn nicht er?" sollte jetzt eine Idee haben, wie es weitergehen könnte.

Was kann Pröll also wollen? Sich an die Stelle von Schüssel setzen? Sicher nicht zumindest jetzt nicht. Aber nach der Wahl in zwei Jahren könnte die Lage anders ausschauen. Pröll zusammen mit dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl als Chefs einer großen Koalition (wie fürchterlich altmodisch das seinerzeit so geläufige Wort heute wirkt!) das könnte ihm schon gefallen. Für das Land käme das allerdings einer gefährlichen Drohung gleich, wenn man sich vorstellt, dass eine solche Regierung auch noch die Gnade des Wiener Medienverbundes hätte.

Vorläufig dürfte es Pröll genügt haben, den Eindruck zu erwecken, er sei eigentlich der Mann, der in der ÖVP das Sagen und "Schüssel den Weg gewiesen" habe, wie die Kronen Zeitung in solchen Fällen formuliert. Die Kuenringer so hört sich die niederösterreichische ÖVP nach dem Namen eines mittelalterlichen Raubrittergeschlechts nicht ungern genannt sind ausgezogen und haben es den anderen wieder einmal gezeigt.

Vielleicht ist die Erklärung für die Vorgänge in der ÖVP während der letzten Tage so einfach.

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