"Die Presse" Kommentar: "Oldies but Goldies" (von Wolfgang Böhm)

Ausgabe vom 29. 4.

Wien (OTS) - Besonders originell ist die Auswahl der Partei-Listen für die Europawahl ja nicht. Bisher wurde von Swoboda über Stenzel bis Voggenhuber fast ausschließlich auf die schon etwas lahmen Zugpferde gesetzt. Europa wird für sie langsam zum Ausgedinge. Schafft es auch noch Hans-Peter Martin mit einer eigenen Liste, dann könnte tatsächlich fast alles beim Alten bleiben. Die EU-Wahl wird so etwas wie die Golden-Girls-Show - nur leider ohne Humor. Deshalb wird wohl auch kaum jemand hingehen.
Die bisherige Mannschaft in Straßburg ist freilich nicht die schlechteste. Von Karas, Rack und Voggenhuber bis Swoboda, Bösch und Berger sind es mittlerweile profilierte Europaabgeordnete, die sich in dieser politischen Parallelwelt einen guten Namen gemacht haben -doch leider nicht in ihrer Heimat. Die Kommunikation zwischen ihnen und den Parteizentralen funktioniert nicht. Sie haben andere Werte entwickelt und verstehen ihre Kollegen daheim nicht mehr. Und umgekehrt.
Da ihre Parteien bis auf wenige Ausnahmen zu keinem Austausch bereit sind, wird sich daran auch nichts ändern. Nach den Erfahrungen mit Hans-Peter Martin hat offenbar keine der Parteien mehr den Mut, neue Gesichter zu präsentieren. Dabei müssten es ja nicht Quereinsteiger sein. Warum gibt es keine profilierten Politiker, die Lust auf eine internationale Tätigkeit haben? Vielleicht aus Provinzialität, weil Europa für sie nur ein Nebenschauplatz ist?

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