WirtschaftsBlatt-Kommentar Höchste Zeit für ein Machtwort

von Leo Himmelbauer

Wien (OTS) - Heute werden der neue Vorstandsboss und der neue Finanzchef der VA Tech nominiert. Wenn's wahr ist. Denn ob sich die Aufsichtsräte des grössten österreichischen Technologiekonzerns in ihrer Sondersitzung vor der Hauptversammlung zu einer vernünftigen Lösung durchringen können, darf durchaus bezweifelt werden.

Die VA Tech ist schon seit Monaten ein Spielball für Spekulanten. Schuld daran sind die Eigentümer, sprich die beiden Grossaktionäre. Sie unternehmen nichts, um dem unseligen Brodeln in der Gerüchteküche Einhalt zu gebieten.

Mirko Kovats ist seit einem Jahr bei VA Tech investiert. 24 Euro kostete die Aktie bei seinem Einstieg. Mehr als 43 Euro ist sie heute wert. Der Industrielle würde bei einem Ausstieg einen satten Gewinn einstreifen. Das beschäftigt die Fantasie der Neidgenossen, zumal Kovats mit seinem Aktienbesitz eine Zickzack-Strategie fährt, die nur mit Mühe nachvollziehbar ist: Er hat seine Anteile erst abgeschichtet, dann wieder aufgestockt, und zwischendurch, so wird behauptet, an einer Totalübernahme des Konzerns gebastelt, die schliesslich zu teuer wurde. Öffentlich beteuert er allerdings, ausschliesslich langfristige Interessen bei VA Tech zu verfolgen.

Genau das glauben ihm die wenigsten. Auch das ist schlimm. Denn kaum jemand, der lauthals Zweifel an Kovats anmeldet, hat sich ernsthaft mit ihm auseinander gesetzt. Die Zwischenrufe (von Claus Raidl bis ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis) sind deshalb entbehrlich. Es ist beinahe eine Ironie, dass ausgerechnet der scheidende VA Tech-General Erich Becker bei der Bilanzpressekonferenz vor ein paar Wochen die passenden Worte zu Kovats gefunden hat: Ein paar Monate reichen nicht aus, um die Frage zu klären, ob jemand ein langfristig interessierter Investor sei.

Die ÖIAG hat bis heute kein Konzept für ihren 15-Prozent-Anteil erkennen lassen. Sie will ihn loswerden, weiss aber nicht, wie. Schon gar nicht weiss sie, ob sie bei der anstehenden Kapitalerhöhung für den Konzern mitziehen soll. Dabei hätte sie Zeit genug gehabt, darüber nachzudenken.

Was die VA Tech dringend braucht, sind Kernaktionäre und Aufsichtsräte mit Weitblick und Verantwortungsgefühl für den Konzern und seine mehr als 17.000 Mitarbeiter. Es wird die erste Aufgabe des neuen Vorstandsvorsitzenden werden, seinen Eigentümern das zu erklären, auch wenn das allen Gepflogenheiten zuwiderläuft.

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