Hannes Bauer: Werthaltungen der Jugend im Grenzland am Vorabend der EU-Erweiterung

Wien (SK) Anlässlich der Präsentation erster Ergebnisse der Wertestudie "Jugend im Grenzland" am Mittwoch analysiert SPÖ-Abgeordneter Hannes Bauer, Vorsitzender des Zukunftsforum Österreich, die Daten, die im Rahmen eines Jubiläumsfondsprojektes der OeNB unter Jugendlichen im Alter von 15-25 im Weinviertel, in Südmähren und in der Westslowakei erhoben worden sind. Rund jeweils 400 Jugendliche repräsentativ für die Regionen sind befragt worden. Die Ergebnisse sind äußerst interessant vor allem vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Sozialisierungsbedingungen in der Grenzregion. ****

"Die Jugend aus der Region Weinviertel-Südmähren-Westslowakei bezeichnet sich als glücklich. Die meisten sehr glücklichen Jugendlichen gibt es im Weinviertel. Gerade bei der Wichtigkeit einzelner Lebensbereiche für Lebensglück zeigen sich Unterschiede bei den Jugendlichen in den drei Regionen. Während die WeinviertlerInnen den sicheren Arbeitsplatz, Freiheit, viel Geld und Partnerschaft/fixe Beziehung für das Lebensglück als sehr wichtig erachten, halten die meisten Jugendlichen aus Südmähren Partnerschaft/fixe Beziehung, eigene Familie/Kinder und erst an dritter Stelle den sicheren Arbeitsplatz für sehr wichtig. Bei den jungen WeinviertlerInnen zeigen sich bei der Beurteilung der Wichtigkeit der Bereiche für Lebensglück Unterschiede bei den Geschlechtern; zum Beispiel ist viel Geld für Männer wichtiger als für Frauen, Partnerschaft/fixe Beziehung, Familie/Kinder und eine schöne Wohnung/schönes Haus sind für Frauen wichtiger als für Männer", führt Bauer aus.

Hinsichtlich der Bedeutung der Familie hebt Bauer hervor: "Es zeigt sich, dass in Südmähren und in der Westslowakei Familie für die Jugend eine größere Bedeutung hat als im Weinviertel. Politik wird generell als nur bedingt wichtig erachtet und hier noch deutlich stärker von der Jugend im Weinviertel. Die unterschiedlich Bedeutung von Familie in den drei Regionen zeigt sich auch darin, dass nur etwa die Hälfte der Jugendlichen im Weinviertel jede Woche oder fast jede Woche Zeit mit der Familie verbringt; in Südmähren und in der Westslowakei sind es über 80 Prozent der Jugendlichen."

Die Studie hat auch nach wichtigen Erziehungszielen in den Regionen Weinviertel, Südmähren und Westslowakei gefragt. "In der Region Weinviertel im Vergleich zu Südmähren und der Westslowakei konnten sehr unterschiedliche Erziehungsziele festgestellt werden. Ist im Weinviertel Ehrlichkeit das wichtige Erziehungsziel, das von den meisten angegeben wurde, sind es in Südmähren und der Westslowakei gute Manieren. Verantwortungsgefühl wird in allen drei Regionen für gleich wichtig erachtet. In der Westslowakei und in Südmähren sind Erziehungsziele wie Autorität, Gehorsam sowie Mitsprache erst nach harter Arbeit unter der Jugend stärker verbreitet als im Weinviertel," so Bauer.

Zur Frage, welche Ängste die Jugendlichen in der Grenzregion plagen, stellt Bauer fest, dass im Weinviertel in der Angsthierarchie der soziale Abstieg (Arbeitslosigkeit, Armut und soziale Notlage) und die Isolation ganz oben stehen, während in Südmähren und in der Westslowakei, Krankheit, Behinderung und Tod die Rangreihe anführen.

Betreffend der Bedeutung im Berufsleben ist sich die Jugend in allen drei Regionen - unabhängig vom Geschlecht - einig, dass ein sicherer Arbeitsplatz sehr wichtig ist.

"Die höchste Bereitschaft, in einem anderen EU-Land ein Jahr oder länger zu arbeiten, haben die WestslowakInnen. Bei den WeinviertlerInnen zeigt sich eine höhere Pendelbereitschaft. Die Weinviertler Jugendlichen haben im höheren Maße die Bedeutung des "Lebenslangen Lernen" erfasst," resümiert Bauer. Im Fall der Knappheit von Arbeitsplätzen sind die Weinviertler Jugendlichen deutlich sozialer und toleranter gegenüber AusländerInnen, Älteren und Behinderten eingestellt als die jungen Menschen aus Südmähren und der Westslowakei.

In Bezug auf das politische Engagement geht aus der Studie hervor, dass das Interesse der Jugendlichen an Politik und an der politischen Diskussion in allen drei Regionen relativ gering ist, wenn auch die Jugend aus dem Weinviertel das deutlich höhere Interesse zeigt.

Die Bereitschaft, sich an öffentlichen und politischen Aktionen zu beteiligen, ist hingegen in Südmähren und der Westslowakei höher als im Weinviertel. Das Vertrauen in öffentliche Institutionen ist im Weinviertel deutlich höher ausgeprägt als bei der Jugend in Südmähren und in der Westslowakei. Das mangelnde Vertrauen kann auch gegenüber anderen Menschen geortet werden. Hinsichtlich der Identität der Jugendlichen lässt sich feststellen, dass in allen drei Regionen sich die Jugend in erster Linie als BürgerIn der jeweiligen Nation fühlt. Eigener Wohnort, Heimatbezirk und Europa kommt weit weniger Bedeutung zu," schloss Bauer. (Schluss) ah/mp

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