ÖAMTC-Tunnel-Test 2004: 27 europäische Röhren aus neun Ländern im Sicherheits-Check (Teil 1)

Lob und Tadel bei den sechs getesteten österreichischen Tunnels

Wien (ÖAMTC-Presse) - Europas Tunnels werden sicherer. Von 27 getesteten europäischen Tunnels aus neun Ländern wurden drei als 'sehr bedenklich' und einer als 'bedenklich' bewertet. Jeweils neun Tunnels schnitten mit 'sehr gut' und 'gut' ab. Fünf Tunnels kamen auf ein 'ausreichend'. Für die österreichischen Tunnels gab es Lob und Tadel: Die neuen Tunnels Noitzmühle und Steinhaus der Welser Westspange auf der Innkreis Autobahn (A 8) zählen zu den besten Europas. "Großes Verbesserungspotenzial gibt es allerdings beim Roppener und Lermooser Tunnel", sagt ÖAMTC-Tunnelexperte Willy Matzke zu den Ergebnissen des Tunnel-Tests 2004.

Ein unabhängiges Team von Experten hat eine Checkliste mit objektiven Bewertungskriterien entwickelt. Unter anderem wurden das Tunnelsystem, die Verkehrsüberwachung und auch die Fluchtmöglichkeiten sowie Brandschutzeinrichtungen überprüft. Die wichtigsten Kriterien sind: Zweiröhrige Tunnels und damit kein Gegenverkehr im Tunnel, ein durchgehender Seitenstreifen und Gehweg, Pannenbuchten alle 500 Meter, Umkehrmöglichkeiten und Notrufnischen.

Bei den beiden Tunnels Noitzmühle und Steinhaus auf der Innkreis Autobahn (A 8) gab es trotz der Note "sehr gut" nicht ausschließlich Positives: Die Tunnel-Tester attestierten den Flucht- und Rettungswegen, dem Brandschutz und dem Notfallmanagement ausgezeichnete Werte. Verbesserungswürdig ist allerdings noch die Verkehrsüberwachung, weil es keinerlei Einschränkung für Gefahrguttransporte gibt.

Ein "gut" gab es für den Amberg Tunnel auf der Rheintal Autobahn (A 14). Bewertet wurde aber nur die eine neue Röhre ohne Gegenverkehr. Die Tester lobten die sehr gute Beleuchtung des Tunnels und die Lüftung im Brandfall. Lediglich die Verkehrsüberwachung wurde mit einem "ausreichend" bedacht. Beim Test waren nämlich die Notruftelefone nicht voll funktionsfähig. Ein elektronischer Fehler bei der sogenannten "Voice over IP" (Telefonieren über das Internet) hat in der Umstellungsphase für einen kurzzeitigen Ausfall der Notruftelefone im Tunnel geführt. "Der Amberg Tunnel wird nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten der gesperrten alten Röhre im Spätherbst in die Spitzengruppe vorstoßen", ist sich der ÖAMTC-Tunnelexperte sicher.

Ebenfalls die Note "gut" gab es für den nur einröhrigen Felbertauern Tunnel. Der Tunnel rangierte beim ÖAMTC-Tunnel-Test aus dem Jahr 1999 noch auf den hinteren Plätzen. Jetzt verfügt der Felbertauern Tunnel über einen Rettungsstollen, eine eigene Tunnelfeuerwehr, modernste Videoüberwachung und ein neues Belüftungssystem. Was dringend nachgerüstet werden muss, sind die LED-beleuchteten Fahrbahnränder, diese sind gleichzeitig Fluchtwegmarkierungen.

Lediglich ein "ausreichend" vergaben die Tunnel-Tester für den Lermooser Tunnel an der Fernpass Bundesstraße (B 179). Der Tunnel wurde zwar technisch maximal aufgerüstet, wegen nicht vorhandener Rettungsstollen und einer fehlenden zweiten Röhre gab es Punkteabzüge.

Beim ÖAMTC-Tunnel-Test 2004 hat der einröhrige Roppener Tunnel auf der Inntal Autobahn (A 12) nicht voll bestanden. Obwohl er nach dem gleichen Sicherheitskonzept der ASFINAG aufgerüstet worden ist wie der Lermooser Tunnel, existieren entscheidende Mängel. Es fehlen Rettungsstollen, die Abstände zwischen den Pannenbuchten mit 1.272 Metern und den Notrufnischen mit 424 Metern sind zu groß und entsprechen auch nicht der EU-Tunnel-Richtlinie. Diese schreibt Notruftelefone mindestens alle 250 Meter vor, Fluchtwege müssen mindestens alle 500 Meter vorhanden sein. Normalerweise betragen die Abstände in Österreich bei den Notrufnischen lediglich 212 Meter und bei den Pannenbuchten 1.000 Meter. Außerdem wird das Einfahren mit einem Fahrzeug in eine Pannenbucht im Roppener Tunnel nicht automatisch per Videokamera erfasst, wie das in anderen Tunnels schon längst Standard ist. Die automatische Abstandskontrolle ist noch unausgereift und zu kompliziert angelegt. Darüber hinaus gibt es zu wenig Plätze, um Verkehrssünder sofort anzuhalten.

Vor Jahren waren viele Tunnels in Österreich sehr gefährlich, vieles hat sich nun gebessert. Positiv bewertet Matzke, dass bei einröhrigen Tunnels neue Lichtsignal-Anlagen den Gegenverkehrsbetrieb anzeigen. "Bisher waren die meisten Tunnels rechts und links mit Grünlicht versehen. Egal, ob es sich um Richtungsverkehr oder Gegenverkehr handelt. Jetzt gibt es Grünlicht nur noch rechts oder über der jeweiligen Fahrbahn", erklärt Matzke.

Gibt es in Österreich den idealen Tunnel?

"Der ideale Tunnel ist derzeit bereits im Bau. Alle neuen Tunnelanlagen im Großraum Wien werden erstmals über einen durchgehenden rechten Seitenstreifen wie im Freiland verfügen. Das betrifft die Außenring Schnellstraße (S 1), wo allein zwischen Vösendorf und Schwechat derzeit sieben Tunnels errichtet werden sowie die Nord Autobahn (A 5), wo bei Eibesbrunn sogar ein zweimal dreistreifiger Umwelttunnel so errichtet wird. Sicherheit braucht Platz. Damit lassen sich viele Unfälle verhindern, die meisten Unfälle passieren nämlich als Auffahrkollision wegen liegengebliebener Fahrzeuge", weiß Matzke.

Tunnels im benachbarten Ausland: Gutes Zeugnis für Deutschland, schwache Bilanz in Kroatien

Die getesteten Thuobic Tunnel (A 6) und Ucka Tunnel (A 8) in Kroatien bei Rijeka sind beim ÖAMTC-Tunnel-Test komplett durchgefallen. Beide erhielten ein "mangelhaft" wegen fehlender Flucht- und Rettungswege. Darüber hinaus ist der Rauchgas-Abzug im Brandfall mangelhaft. Es gibt kein eigenes Lüftungsprogramm und die Ventilatoren sind nicht hitzebeständig. Der Jasovnik Tunnel an der (A 1) in Slowenien bei Ljubljana erhielt von den Tunnelexperten ein "gut". Besonders wurden das Notfallmanagement und die Beleuchtung gelobt. Bei den Tunnels in Deutschland ist drei Mal ein "sehr gut" für den Rennsteig Tunnel bei Erfurt, Berg Bock Tunnel bei Erfuhrt und Weser Tunnel bei Bremen vergeben worden. Der Bad Godesberg Tunnel bei Bonn erhielt ein "gut". Der Wattkopf Tunnel bei Karlsruhe war der einzige Ausreißer bei den in Deutschland getesteten Tunnels. Dieser erhielt als Note ein "mangelhaft" wegen schlechter Beleuchtung, mangelhafter Fluchtwege und schlechtem Rauchgas-Abzug im Brandfall.

Die detaillierten Ergebnisse des großen ÖAMTC-Tunnel-Tests 2004 und alle bisherigen Tunnel-Tests findet man auf der Homepage des Clubs unter http://www.oeamtc.at/tests/.

Aviso an die Redaktionen:
Eine Grafikübersicht aller getesteten Tunnels und die Europa-Karte mit den getesteten Tunnels sowie Fotos sind im ÖAMTC-Foto-Service unter http://www.oeamtc.at/presse/ abrufbar.

Aviso an die Hörfunk-Redaktionen:
Ein Audio-Beitrag mit ÖAMTC-Tunnel-Experten Willy Matzke ist auf der APA-Audio-Plattform verfügbar.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Michael Holzinger

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