OGM-Studie: Bevölkerung sieht ÖVP als Leistungsminimierer

Die Schuld am möglichen vertragslosen Zustand wird Rauch-Kallat zugeteilt - 50 Prozent würden weniger oft einen Arzt aufsuchen

Wien (OTS) - Die Wiener Bevölkerung hat sich ihre Meinung nach der zweimaligen Ablehnung des neuen Kassenvertrags gebildet: 50 Prozent der Befragten meinen, dass die ÖVP Leistungen einschränken will, 46 Prozent hingegen sehen in der SPÖ jene Partei, die die medizinische Versorgung in Wien sicherstellt. Die Schuld am drohenden vertragslosen Zustand sehen 24 Prozent der Wienerinnen und Wiener bei Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat. 19 Prozent meinen, die Schuld trage die Wiener Gebietskrankenkasse und 16 sehen im Hauptverband den Schuldigen. Das ergab eine von der Ärztekammer für Wien in Austrag gegebene und vom Meinungsforschungsinstitut OGM durchgeführte Befragung von 500 repräsentativ ausgewählten Personen in Wien.****

Mehr als drei Viertel der Wienerinnen und Wiener (78 Prozent) wissen, dass der ausverhandelte Kassenvertrag zwischen Wiener Gebietskrankenkasse und Ärztekammer vom Verwaltungsrat bereits zum zweiten Mal abgelehnt wurde. Weniger gut informiert fühlen sich die Wienerinnen und Wiener über die möglichen Folgen eines vertragslosen Zustands: 68 Prozent fühlen sich nicht ausreichend informiert. Allerdings: In einer früheren Untersuchung im Herbst 2003 waren es noch 80 Prozent, die über die Folgen eines vertragslosen Zustands nicht Bescheid wussten. Das Wissen um die Gefahr und Folgen eines vertragslosen Zustands bei der Bevölkerung ist als im Steigen.

Ärztekammerpräsident Walter Dorner interpretiert die Ergebnisse der neuen Studie folgendermaßen: "Die Bevölkerung weiß, wem sie den Sparkurs und das Chaos in der Gesundheitspolitik zu verdanken hat. Die Regierung wäre also gut beraten, endlich gute und nachhaltige Konzepte für eine wirkliche Gesundheitsreform zu präsentieren." Die bisherigen Bemühungen seien alle der Reihe nach gescheitert. Dorner:
"Die Bevölkerung hat das Recht, weiterhin auf höchstem Niveau behandelt zu werden. Die Aufgabe der Regierung ist es nun, die Versorgung langfristig sicherzustellen."

Trotz geringer Rückerstattung der Kasse weiterhin zum Arzt

Auf die Frage, wie viel von der bezahlten Rechnung von der Krankenkasse rückerstattet werde, schätzen 35 Prozent, dass sie drei Viertel zurückerhalten. 22 Prozent glauben, dass sie zwei Drittel zurückbekommen und 16 Prozent meinen, die Rückerstattung betrage weniger als die Hälfte.

Bei konkreten Kostenbeispielen zeigt sich das genaue Verhalten der Wienerinnen und Wiener. Bei einer Grippe wären 20 Euro beim Arzt zu bezahlen, 11 Euro bekäme man von der Kasse zurück. 74 Prozent der Befragten halten das für nicht akzeptabel. Trotzdem würden 60 Prozent im Falle eines vertragslosen Zustands weiterhin bei einer Grippe zum Arzt gehen. Der Anteil aller Patienten, die auf einen Arztbesuch verzichten würden, liegt bei 27 Prozent.

Ein weiteres Beispiel: Eine Mammographie kostet im kassenfreien Raum 92 Euro, 61 Euro werden rückerstattet. 68 Prozent halten das für nicht akzeptabel. Trotzdem würden 76 Prozent der Patientinnen diese Untersuchung auch im Falle eines vertragslosen Zustands durchführen lassen, aber immerhin jede zehnte Frau (12 Prozent) würde auf diese wichtige Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs verzichten.

Ob die Wienerinnen und Wiener im kassenfreien Raum weniger zum Arzt gehen würden, scheint relativ ausgeglichen: 49 Prozent würden so oft wie früher beziehungsweise bei allen Anlässen zum Arzt gehen. 50 Prozent würden weniger oft, also nur bei gröberen Beschwerden, eine Ordination aufsuchen. 38 Prozent der Wienerinnen und Wiener würden im Fall eines vertragslosen Zustands in eine Spitalsambulanz ausweichen, in der sie dann nicht bezahlen müssten.

91 Prozent sehen Überforderung der Krankenkasse bei vertragslosen Zustand

Wolfgang Bachmayer, Geschäftsführer von OGM: "Im Laufe der Diskussion um den abgelehnten Kassenvertrag wurde in den Medien immer wieder über die administrativen Schwierigkeiten der Kasse bei der Rückerstattung berichtet. Dies hat nun Auswirkungen bei der Meinung der Bevölkerung. 91 Prozent der Befragten meinen, dass die Wiener Gebietskrankenkasse mit der Abwicklung der Rückerstattung große Probleme hätte."

Interessant ist für Bachmayer auch die Tatsache, dass 82 Prozent der Befragten jede Rechnung, also auch kleinere Beträge, bei der Krankenkasse einreichen würden. Nur 14 Prozent würden diesen Aufwand ausschließlich bei größeren Arztrechnungen auf sich nehmen. (bb)

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