"Kleine Zeitung" Kommentar: "Benitas Wahlanalyse: Zwischen Männerstammtisch und Mundl" (Von Hubert Patterer) Ausgabe vom 28.4.2004

Graz (OTS) - Die törichte Schuldzuweisung der VP-Kandidatin an
die "linken Emanzen".

Man kennt das: Manchmal sagt man in der Enttäuschung
Dinge, die man in einem ausgependelten Gemütszustand nie sagen würde. Das heißt freilich nicht, dass das im Affekt Gesagte nicht gilt, im Gegenteil: Es ist ein Stück Echtheit, weil es ungefiltert und unredigiert aus dem Inneren kommt.

Benita Ferrero-Waldner hat den "linken Emanzen" Mitschuld an ihrem Scheitern gegeben. Sie hätten durch ihr Querstehen die historische Chance, erstmals eine Frau an die Spitze des Staates zu wählen, sabotiert und damit quasi Hochverrat am eigenen Geschlecht begangen.

Die Diplomatin in ihr weiß es: Das hätte Ferrero-Waldner nicht sagen dürfen. Es war undiplomatisch, vorgestrig und töricht, und es bestätigt nachträglich die leise Skepsis gegen ihre Person, die immer in der Luft lag. So argumentiert man einfach nicht als moderne, auf der Höhe der Zeit stehende Frau. Was Ferrero-Waldner sagte, riecht nach Männerstammtisch, nach Mundl. "Linke Emanze", das sind zwei ranzige Vorurteile in zwei Worten: Kampfvokabular der 70er.

Wählt mich, weil ich eine Frau bin! Das war die Botschaft der Kandidatin, ihr größter strategischer Fehler. So feurig der Loyalitätssappell auch klang: Es war eine Manifestation defensiver Hilflosigkeit. Übersetzt bedeutete der Aufruf nichts anderes als:
Wählt mich für etwas, wofür ich nichts kann für mein Frausein.

Hielt man ihr vor, Frausein allein reiche nicht, reagierte sie ungehalten: Das sei "frauenfeindlich". Was für ein Irrglaube! Es gibt keinen frauenfeindlicheren Satz als: Wählt mich, weil ich eine Frau bin. Alles hätte sie mit Fug und Recht proklamieren können:
Wählt mich, weil ich gut bin! Weil ich polyglott bin! Weil ich es geschafft habe, was immer. Aber niemals: Wählt mich, weil ich eine Frau bin! Niemals hätte das Margaret Thatcher, männlicher als ein Mann, gesagt. Und niemals Waltraud Klasnic, mütterlicher als jede Mutter. Beide wurden ohne Frauen-Klubzwang gewählt, und wie!

Es lassen sich machofreie Gründe finden, warum Ferrero-Waldner scheiterte. Für Frauen im nicht-urbanen Raum wirkte sie zu salondamenhaft, zu großbürgerlich und grell, die Lebenswelten: zu unterschiedlich. Und für die intellektuell geschulten Frauen, nennen wir sie städtisch-liberal, war sie zu unpolitisch. Und dann gab es noch die VP-Patriarchen, die sich nur ein "Mannsbild" im hohen Amt vorzustellen vermochten. Und zwischen diesen Fronten, den "grechten" Männern und den "linken" Frauen, fiel Ferrero-Waldner durch, achtbar durch.

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