WirtschaftsBlatt-Kommentar Verblasene Förderung

von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Sobald die Natur ins Spiel kommt, ist es wie mit der Esoterik: Erstaunlich, wie viel Geld man den Leuten aus der Tasche locken kann. Die Windenergie ist so eine esoterische Sache. Hätte die EU nicht eine transparente Aufschlüsselung der Stromrechnungen für Kunden durchgesetzt, wüssten die österreichischen Strombezieher bis heute nicht, wie viel sie zusätzlich pro Jahr für Windräder ausgeben müssen, wenn sie Strom beziehen wollen.

Sympathie für sanfte Energie aus dem Flügelschlag eines Windrades kann - lassen wir einmal die getöteten Vögel auf dem Boden liegen -ökonomisch Sinn machen. Wir müssen investieren, damit neue, hoffentlich bessere Formen der Energiegewinnung entwickelt und zur Marktreife gebracht werden.

Problematisch wird es dann, wenn sich Innovationsaufwand in eine Zwangsabgabe verwandelt, die nicht dem Fortschritt, sondern den Profiten anderer dient. Windenergiebetreiber dürfen mit Renditen von bis zu 14 Prozent rechnen - nicht etwa, weil der Markt diesen Wertzuwachs einspielt, sondern weil mit Garantie gefördert wird.

Bei Abschluss der jüngsten Ökostrom-Verordnung bezifferte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein die Kosten der Windenergie, die unter allen Ökostrom-Modellen die höchsten Subventionen verschlingt, auf 80 Millionen Euro pro Jahr. Und verspricht, dass bei der nächsten Gesetzesnovelle auf "Energie-Effizienz" geachtet würde.

Erst bei der nächsten? In Österreich werden bereits mehr als 300 Windräder betrieben. Und wenn heuer 200 oder noch mehr dazukommen, dann werden die Zuschüsse laut Arbeiterkammer-Experte Ditmar Wenty auf jährlich 214 Millionen Euro schnellen, und aus Gründen der Investitionssicherheit bleiben die Förderer 13 Jahre im Wort. Also sind Milliarden im Spiel, und wenn die Normal-Strombezieher, also typische Haushalte, nachrechnen, werden sie bald 20 Prozent des Verbrauchsstrompreises zusätzlich für Ökostrom bezahlen.

Ökostrom ist vor allem Windkraft, denn Windräder sind schneller ins Feld zu stellen als eine Biomasse-Anlage oder als ein Kleinwasserkraftwerk gebaut werden kann. Und: Für die Stunden und Tage, in denen der Wind partout nicht wehen will, müssen herkömmliche Kraftwerke die Versorgungssicherheit aufrechterhalten. Für diese zahlen Stromkunden noch einmal.
Venebelte Naturideologie kostet also ganz schön viel. Die Effizienz der Windräder wird durch Förderung nicht besser.

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