WirtschaftsBlatt-Kommentar Bonzen im Kontroll-Tower

von Robert Lechner

Wien (OTS) - Eine herbe Enttäuschung erleben Kleinanleger dieser Tage mit dem Flughafen Wien. Der Airport in Schwechat hat sich mit der jüngsten Hauptversammlung als Biotop für Bonzen und Politgünstlinge nach grosskoalitonärem Muster etabliert.

Der Anteil von 20 Prozent, den die Bundesländer Wien und Niederösterreich jeweils halten, darf kein Persilschein für beliebige Durchgriffsrechte sein. Schon gar nicht in Zeiten, in denen Kapitalmarktsäuberer und Corporate Governance-Prediger erste Teilerfolge im Sinne der Anleger feiern.
Auf dem Markt ist zumindest bisher kein Schaden erkennbar. Seit Jahresbeginn legte die Airport-Aktie 33 Prozent zu und stieg damit deutlich stärker als der Leitindex ATX.

Dass Landeshauptleute einen Finanzvorstand aus politischen Gründen aus der Führung hinaus schiessen, obwohl dieser ein Rekordergebnis nach dem anderen liefert, haben die Börsianer offenbar verziehen.

Negative Konsequenzen hat das Strippenziehen aus Wien und St. Pölten trotzdem. Als Beispiel dafür gilt der Ausgang des Gebührenstreits zwischen Austrian Airlines und dem Flughafen. Nicht zuletzt auf Grund von politischen Interventionen entgehen dem Airport in den kommenden Jahren 30 Millionen Euro Umsatz.

Den Managern der AUA ist es nämlich gelungen, sowohl den Wiener als auch den niederösterreichischen Landesfürsten für die eigene Sache zu gewinnen. Diese warfen den Flughafenbetreibern existenzbedrohend hohe Landegebühren vor. Als Folge davon mussten die Airport-Freunderl nachgeben. Unabhängige Manager hätten es wohl darauf ankommen lassen, denn welche Alternative hat die AUA schon zum Drehkreuz Wien-Schwechat. Den Regional-Flughafen in Bratislava ohne Autobahn- und Zuganbindung wohl kaum.

Das grosse Glück aller politisch Beteiligten ist die Gelassenheit, mit der Grossanleger wie Silchester und Bleichroeder das Fiasko ertragen. Solange die Dividende hoch bleibt, werden sich die internationalen Investmenthäuser mit Kritik zurückhalten. Immerhin erhalten die Briten und Amerikaner vier beziehungsweise zwei Millionen Euro an Dividende pro Jahr.

Sobald sich daran etwas ändert, ist Vorsicht geboten. Das könnte dann passieren, wenn der Flughafen seine Gewinne nicht mehr im selben hohen Ausmass ausschütten kann, sondern sie für das bereits beschlossene Investitionsprogramm benötigt.
Es ist also an der Zeit, die sauren Wiesen trocken zu legen.

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