"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Endlich ist Wahltag" (Von Claus Reitan)

Ausgabe vom 24. April 2004

Innsbruck (OTS) - Politik ist nicht nur Taktik, sprich eine Frage der Kampfweise. Doch der Wettlauf um das Amt in der Hofburg wurde darauf beschränkt. Kaum Inhalte, kaum eine Debatte über den Wandel der Welt. Dafür wurden zwei Fragen, jene nach Jörg Haider und jene nach der Neutralität, hundertmal gestellt. Eine ermüdende Wiederholung. Hunderte andere Fragen, etwa nach der Zukunft Europas und Österreichs Rolle, unterblieben jedoch. Das Große kam zu kurz. Die Angst, mit Festlegungen Wähler zu verschrecken, überwog gegenüber der Hoffnung, mit Aussagen zu überzeugen. Die Parteien ließen ihre Kandidaten Benita Ferrero-Waldner und Heinz Fischer an der kurzen Leine laufen. Nur keine Unsicherheit über die Sicherheitspolitik. Haider hingegen wurde unter journalistischer Mitwirkung zum Bezugspunkt, anstatt ihn rechts liegen zu lassen. Die FPÖ schwebte wie ein Gespenst über dem Spielfeld Hofburg, auf dem sie keine Läufer stellt. Die Grünen gaben am Rande Kommentare ab, um ebenfalls irgendwie dabei zu sein. Beiden mangelte es an Kandidaten und Konzepten. Andererseits wurden Kekse zum Kriterium der Fairness. Bescheidenheit in den Wohnverhältnissen war plötzlich Kategorie. Der Wahlkampf war schauerlich, so sehr sich die Kandidaten redlich und intensiv bemühten, als Persönlichkeiten zu überzeugen.
Dabei hätte es, stimmt schon, schlimmer kommen können. Wenn nämlich die SPÖ-Taktik aufgegangen wäre, in Endlos-Konfrontationen sämtliche Querelen der Innenpolitik nochmals durchzugehen. Als gäbe es dafür nicht schon die Regierungs- und die Oppositionsparteien samt Anhang sowie das Parlament und die Höchstgerichte. Das Staatsoberhaupt ist übrigens nicht der Schiedsrichter der Innenpolitik sondern der höchste Repräsentant der Republik Österreich.
Ferrero-Waldner und Fischer haben sich um einen Wahlkampf der Persönlichkeiten bemüht. Ob die Entscheidung über das Staatsoberhaupt doch eine Wahl der politischen Lager ist, wird der Sonntag zeigen. Vermutlich schon. Wer den Posten in der Hofburg innehat, kann dank der Volkswahl auf die stärkste Legitimation unter allen politischen Mandataren verweisen. Doch das Amt ist, was die jeweiligen Inhaber daraus machen. Der Wahltag ist überfällig.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion - Tel.: 05 04 03/ DW 601

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001