"Am Schauplatz nachgefragt" am 27. April im ORF

Zwei Männer, eine Hochzeit, zwei Babys

Wien (OTS) - Schauplatz San Francisco - die Welthauptstadt der Schwulen. 7.000 Ehen wurden hier innerhalb weniger Wochen geschlossen, als der liberale Bürgermeister Gavin Newsom vor zwei Monaten anordnete, dass auch homosexuelle Paare Trauscheine erhalten sollen. Auch Michael und Wayne haben sich getraut. Jahre zuvor - 1996 - sind sie bereits eine "Domestic Partnership" vor einer Friedensrichterin eingegangen. Seither hat sich einiges getan: Wayne, seit zwölf Jahren HIV-positiv, hat den Kampf gegen seine Krankheit nicht verloren, ein Haus mit Garten nahe von San Francisco wurde angeschafft - und dann gibt es da noch eine kleine Veränderung: zwei entzückende Kinder. ORF-Redakteur Lorenz Gallmetzer hat für "Am Schauplatz" - zu sehen am Dienstag, dem 27. April 2004, um 22.30 Uhr in ORF 2 - nachgefragt.

Vater "Onkel" Micky

"Auswandern, um so sein zu können, wie man ist", so Lorenz Gallmetzer über Michael Ehrenzweig. Michael, Absolvent der Wiener Filmakademie, Produzent (u. a. "§ 175") und Organisator zahlreicher Filmfestivals, konnte sich als Homosexueller in Österreich nicht identifizieren. Der gebürtige Wiener mit kalifonischem Wohnsitz ist nicht nur homosexuell, sondern auch Jude. Das wiederum war für Julie, die mit Ehefrau Jenny zusammenwohnt, der Grund, ihn als biologischen Vater auszuwählen - aus einer Liste jüdischer Männer. Ein ungewöhnliches Angebot für Michael, der sich niemals vorstellen konnte, Vater zu werden. Wayne überredete ihn. Zwei kleine Töchter - fünf und zwei Jahre alt - sind die Folge. "Onkel Micky" - so nennt ihn seine ältere Tochter - und Ehemann Wayne besuchen die Kinder regelmäßig. Für die Erziehung und den Alltag sind allerdings Julie und Jenny zuständig.

Wie der Fall der Berliner Mauer

Lorenz Gallmetzer hat Michael und Wayne 1996 zum ersten Mal in San Francisco besucht und für "Am Schauplatz" porträtiert. Wayne hatte damals Angst, bald zu sterben. "Am Schauplatz nachgefragt" erzählt er jetzt, wie Michaels Kinder auch seinem Leben eine unerwartete Wendung gegeben haben. Von Krankheit und Tod ist jetzt nur mehr wenig die Rede, eher von Lebensfreude und Zukunftsplänen.

"Für mich war es wie der Fall der Berliner Mauer", so Wayne über die Möglichkeit der Eheschließung zwischen Homosexuellen. "Ich war acht, als Schwarze und Weiße in Amerika das erste Mal heiraten durften."

Gallmetzer: Sozialpolitische Anliegen im Vordergrund

"Die Genderdiskussion, was es heißt, Mann bzw. Frau sein, Geschlechtsumwandlungen etc., hat sich mittlerweile auf die wirklichen Rechte der Homosexuellen in der Gesellschaft verlagert. Heute geht es um sozialpolitische Themen, ums Heiraten und Kinderkriegen. Es geht um die Anerkennung in der Gesellschaft", so Lorenz Gallmetzer. Ein "Sodom und Gomorrha", also ein ausschweifendes Sexualleben der Homosexuellen, konnte Gallmetzer bei seinem San-Francisco-Aufenthalt in den neunziger Jahren nicht feststellen. Die Aids-Gefahr war zu präsent. Das sieht der ORF-Redakteur heute anders: "Das Aids-Problem wird heute, vor allem von jungen Menschen, wieder eher auf die leichte Schulter genommen."

Die Homo-Ehe in Kalifornien wurde jedenfalls wieder verboten. Betroffene haben geklagt. "Hier könnten die Gerichte Geschichte schreiben, ob sie wollen oder nicht", so Gallmetzer. Eine Änderung der Verfassung ist jedenfalls Wahlkampfthema in Amerika.

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