"trend": Michael Häupl kritisiert in der Causa Broukal SPÖ-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer

Wiens SPÖ-Chef im Interview: "Wenn man sich einen Pavarotti holt, darf man ihn nicht als Chorsänger einsetzen"

Wien (OTS) - "Der Bundesparteivorsitzende hat Pepi Broukal geholt, um das Kommunikationssystem der Sozialdemokratie zu verbessern. Und ein bisschen hab ich schon das Problem: Wenn man sich einen Pavarotti holt, darf man ihn nicht als Chorsänger einsetzen", sagt Wiens Bürgermeister und SPÖ-Landesobmann Michael Häupl in einem Interview des am Dienstag erscheinenden Wirtschaftsmagazins "trend". Häupl bestätigt auch die tiefe persönliche Kluft, die zwischen Broukal und Gusenbauer existiert: "Ich habe mich wahnsinnig bemüht, die beiden starken Persönlichkeiten zusammen zu bringen, auszusöhnen, wie immer. Aber so wie es Sacharbeit gibt, gibt es auch die persönlichen Beziehungen. In Wien ist Broukal jedenfalls immer herzlich willkommen" ergänzt Häupl, der im Herbst sein zehnjähriges Amtsjubiläum als Bürgermeister der Bundeshauptstadt feiert.

Zum Thema ORF sagt Häupl: "Ich habe nie Medienschelte betrieben. Aber zweifelsfrei habe ich den Eindruck, dass es insbesondere im Bereich des Herrn Chefredakteurs Mück eine deutliche Bevorzugung der Regierungsparteien gibt. Es findet eine Pro-Regierungsberichterstattung statt." Dieses Phänomen, so Häupl, sei "vor allem zur prime-time bemerkbar." Auf die Frage, was dagegen zu tun sei, sagt der Bürgermeister, man habe sich damit "kreativ auseinanderzusetzen. Es wird zweifelsfrei den Aktionismus der SPÖ fördern."

Angesprochen auf die stark steigende Arbeitslosigkeit in der Bundeshauptstadt, gibt Häupl den Ball an die Bundesregierung weiter. Auf die Frage nach möglichen eigenen Versäumnissen sagt das Stadtoberhaupt: "Arbeitsmarktpolitik war bis zum Jahr 2000 immer Bundesangelegenheit, und jetzt soll es plötzlich Angelegenheit der Länder und Gemeinden sein? Das akzeptiere ich nicht. Arbeitsminister Bartenstein hat zugegeben, dass das Wiener Arbeitsmarktservice personell und finanziell unterdotiert ist. Man versucht auch, künstlich Arbeitslosigkeit zu erzeugen, damit man Wien am Zeug flicken kann."

Im Gespräch werden auch die Gerüchte angesprochen, er, Häupl, könnte in nächster Zeit den SPÖ-Bundesvorsitzenden beerben. Gefragt, was er täte, wenn Gusenbauer selbst ihn bitten würde, das Amt zu übernehmen, sagt Häupl: "Da würde ich überrascht sein. Ihm ein Glas Rotwein anbieten und ihn emotionell wieder auf die Reihe bringen."

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