Basel II: Experten ziehen optimistische Zwischenbilanz

"Hausaufgaben sind allerdings noch zu machen" - Hochkarätig besetzte Diskussionsrunde im "Club Basel II" der Wirtschaftskammer Österreich

Wien (PWK 273) - Eine überwiegend positive Zwischenbilanz der Vorbereitungen zur Umsetzung der "Basel II"-Vorschriften über die Kreditvergabe zogen hochrangige Finanzexperten Mittwoch abend bei einer Podiumsdiskussion im Haus der Wirtschaft.

"Es läuft ähnlich wie bei der Euro-Einführung. Dank intensiver Aufklärung und Beratung konnte Österreich damals eine der besten Bilanzen aller Länder vorlegen", erklärte WKÖ-Vizepräsident Dr. René Alfons Haiden. "Eine Bonitätsbeurteilung hat`s immer schon gegeben, sie wird nur jetzt ausgebaut und verfeinert. Die Stärken- und Schwächenanalyse wird wichtiger denn je. Wer seine Schwächen in den Griff bekommt, bekommt mit Sicherheit keine Schwierigkeiten", unterstrich Haiden. Weitere Teilnehmer an der vom "Club Basel II" der Wirtschaftskammer Österreich veranstalteten Diskussionrunde waren Finanzstaatssekretär Alfred Finz, der Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung in der WKÖ, Dr. Herbert Pichler, das Direktoriumsmitglied der Österreichischen Nationalbank, Doz. Josef Christl, der Gruppenleiter im Finanzministerium Mag. Alfred Lejsek sowie der "Basel II"-Berater und Herausgeber eines Rating-Handbuches, Mag. Peter Ostermann.

Haiden verwies auf die umfangreiche Informationstätigkeit der WKÖ zu "Basel II". Nachdem bereits im Vorjahr ein Informationsfolder aufgelegt wurde, ist vor kurzem die praxisorientierte Broschüre "Unternehmen - Finanzierung - Rating" erschienen, in welcher Ratschläge zur Ratingvorbereitung gegeben werden.

"Das Zwischenergebnis kann sich sehen lassen", betonte Staatssekretär Finz: "Unser Land wird so wie bei der Euro-Einführung eine sehr gute Position einnehmen". Derzeit würden Studien laufen, um - analog zur damaligen Währungsumstellung - allen möglichen Risiken begegnen zu können. Allerdings, räumte Finz ein, sei es notwendig, "noch so manche Hausaufgabe" zu machen.

"Basel II macht bewusst, was im Prinzip schon bisher gegolten hat. Nämlich: die Konditionen richten sich nach der Rückzahlungsfähigkeit", stellte Banken-Syndikus Pichler fest. Nur komme jetzt eben "ein gewaltiges Regelwerk" und verstärkte Kontrolle dazu. Mit zusätzlichen Regeln seien naturgemäß zusätzliche Kosten verbunden.

Durch frühes Engagement sei es der Interessenvertretung allerdings gelungen, einige wesentliche Verbesserungen zu erreichen. Vizepräsident Haiden verwies in diesem Zusammenhang auf die für Klein- und Mittelbetriebe erzielten Erleichterungen im künftigen Bankrecht, so vor allem auf die Einordnung von Kreditvolumina bis zu einer Million Euro als Privatkundenkredite.

Trotz der Fortschritte bestehe, so Pichler, immer noch beachtlicher Handlungsbedarf: "Die Hausaufgaben dürfen nicht in den Hintergrund treten". Sachliche Information sei jetzt wichtig, nicht Verunsicherung. Es sei jedenfalls nicht angebracht, Basel II als "Schreckgespenst" darzustellen.

Einhellig wiesen die Experten darauf hin, dass sich jeder Unternehmer intensiv mit dem Thema Rating beschäftigen sollte. Auch die genannte Erleichterung für KMU bedeute keine Ausnahme von Basel II. "Wir bemühen uns um Planungssicherheit. Dies ist notwendig, weil das System sehr aufwendig ist", fasste Pichler zusammen.

Konsens herrschte am Podium darüber, dass angesichts der Fremdkapitallastigkeit der Betriebe Alternativen zum Kredit (Beteiligungsfinanzierung, Venture Finanzierung und eine Finanzierung über die Börse) forciert werden müssen. Auch wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass es sinnvoll sein kann, zur Ratingvorbereitung die Unterstützung kompetenter Berater in Anspruch zu nehmen. (Der Fachverband Unternehmensberatung in der Wirtschaftskammer Österreich hat eine spezielle Akkreditierung für Basel II-kundige Unternehmensberater geschaffen, die WIFIs bieten geförderte Basel II-Beratungen an). (hp)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich,
Abteilung für Finanz- und Handelspolitik
Mag. Erich Kühnelt
Tel: +43 (0)5 90 900 3739

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0003