Internationale Wiener Festwochen

Wien (OTS) - International wie nie zuvor präsentieren sich die Wiener Festwochen, die heuer vom 7. Mai bis 20. Juni ein künstlerisches Panorama des zeitgenössischen Theaters aus insgesamt 19 Ländern, mit Schwerpunktsetzung in Mittel- und Osteuropa präsentieren. Kulturstadtrat Dr. Andreass Mailath-Pokorny verwies in diesem Zusammenhang bei der Pressepräsentation des Programms mit Luc Bondy und dem Festwochenteam auf die zahlreichen anderssprachigen Produktionen als wesentlichen Faktor des Festwochenprogramms, das damit auch für die Internationalität Wiens stehe. Gerade im Zeichen der EU-Erweiterung sei das als Signal zu sehen, das die Festwochen "im Jahr 1" als reines Wiener Festival ohne finanzielle Beteiligung des Bundes setzen. Mailath-Pokorny sprach auch dem scheidenden Musikdirektor der Festwochen, Hans Landesmann, seinen Dank für die langjährige Arbeit für das Festival und die konzeptuellen Arbeiten für die Wiener Musiklandschaft aus.

Insgesamt sind bei dem Festival, das unter dem Motto "Endlich leben" am 7. Mai auf dem Rathausplatz eröffnet wird, 53 Produktionen mit 223 Vorstellungen, darunter 11 Uraufführungen und Auftragswerke zu sehen. Rund 80.000 Karten sind - ohne das Musikfest im Musikverein - für das Programm aufgelegt. Musik des 20. Jahrhunderts von Debussy bis Boulez und den jungen Opernkomponisten Johannes Maria Staud, ein Ibsen-Schwerpunkt mit zwei Ostermeier-Inszenierungen ("Nora" aus Berlin und "Baumeister Solness" in Kooperation mit der Burg) und Zadeks "Per Gynt, Inszenierungen von Luc Bondy und Petar Sellars, aufrüttelnde Theaterproduktionen aus Polen, Russland und anderen Ländern, Sonderprojekte wie "zeit_zone" und "forumfestwochen", ein "Feldforschungsprogramm" zum Jahr 1934, das Musikfest im Musikverein, Ausstellungen im Jüdischen Museum und im Schönberg-Center und die Filmretrospektive "Infame Bilder" im Filmmuseum stehen für das hochkarätige Programm des Festivals.

Der "physische" Kartenvorverkauf beginnt am Samstag, 24. April an der Tageskasse der Wiener Festwochen,6., Lehargasse 3 (Samstag bis Mittwoch 10 bis 18 Uhr, Donnerstag, Freitag 10 bis 19 Uhr), Tel 589 33-456 und bei Wien-Ticket im Salettl bei der Staatsoper (Montag bis Samstag 10 bis 18 Uhr). Nur am 24. April steht auch das Foyer des Theaters an der Wien von 10 bis 18 Uhr für Kartenkäufer zur Verfügung.****

Pierre Boulez zu Gast bei den Festwochen

Pierre Boulez ist mit zwei Produktionen bei den Wiener Festwochen zu Gast: im Theater an der Wien vom 13. bis 15. Mai mit einem Gastspiel aus Aix-en-Provence, zur Aufführung kommen in einem musiktheatralischen "Tryptichon" "El Retablo de Maese Pedro" von Manuel de Falla, "Renard" von Igor Strawinsky und "Pierrot lunaire" von Arnold Schönberg. Sein eigenes Werk "Répons" dirigiert Boulez am 8. und 9. Mai in der Halle E im Museumsquartier. Debussy's "Pelléas et Mélisande" (Regie Jossi Wieler), ein Gastspiel der Staatsoper Hannover, zeigen die Festwochen im Theater an der Wien (27., 29., 31. Mai). Gemeinsam mit der Münchener Biennale produzieren die Festwochen "Berenice", eine Oper von Johannes Maria Staud nach Edgar Allan Poe. Stefan Asbury leitete das Klangforum Wien, Aufführungen am 22. und 23. Mai im Ronacher. Ein weiterer Schwerpunkt des Musikprogramms ist, zum 150. Geburtstag, Leos Janacek mit dem "Klavieristischen Tagebuch" im Konzerthaus (2. Juni) und einem Schubert-Janacek- Programm am 4. Juni gewidmet. Am 5. und 6. Juni findet im Konzerthaus ein "Anton von Webern-Fest" mit dem Gesamtwerk des Komponisten statt. In der Halle E im Museumsquartier ist am 10. und 11. Juni das Staatstheater Darmstadt mit der Oper "Der Rattenfänger" von Friedrich Cerha zu Gast. "Molière stirbt", "Eine Komödie / Ein Ballett" von Robert Quitta mit der wiederaufgefundenen Musik von Marc-Antoine Charpentier ist in einer Aufführungsreihe vom 8. bis 15. Juni im Jugendstiltheater zu sehen. Das Musikfest der Wiener Festwochen im Musikverein legt einen Schwerpunkt auf die Kompositionen von Antonin Dvorák und präsentiert dabei Dirigenten, Orchester und Solisten von Weltrang.

Schauspiel-Auftakt mit Heiner Müller

Mit Heiner Müllers "Der Auftrag", einer Koproduktion mit Berlin in der Regie von Ulrich Mühe, starten die Festwochen bereits am 30. April und 1. Mai in der Halle E im Museumsquartier das Schauspielprogramm. In Zusammenarbeit mit dem Rabenhoftheater ist Franz Molnar's "Familienidyll mit Chorgesang" "Harmonie", Regie Georg Staudacher, zu sehen (5. bis 15. Mai). Aus Warschau kommt die "Intellektuelle Gesellschaftskomödie" "Klaras Verhältnisse" (polnisch mit deutschen Übertiteln, 8. bis 11. Mai, Halle G im Museumsquartier). Thomas Ostermeier's preisgekrönte "Nora" von der Schaubühne am Lehniner Platz ist vom 13. bis 15. Mai in der Halle E im Museumsquartier zu sehen. Weitere Aufführungen im Rahmen des Ibsen-Schwerpunktes sind "Peer Gynt" in der Regie von Peter Zadek aus Berlin (Theater an der Wien, 5. bis 8. Juni) und "Baumeister Solness" in einer Neuinszenierung von Thomas Ostermeier am Akademietheater (Start am 10. Juni). Peter Sellars inszeniert "The Children of Herakles" nach Euripides in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Das Gastspiel der RuhrTriennale wird vom 19. bis 22. Mai im Historischen Sitzungssaal des Parlaments gezeigt. Als Auftragswerk der Wiener Festwochen hat Martin Crimp "Cruel and Tender" nach "Die Frauen von Trachis" von Sophokles geschrieben. Luc Bondy inszeniert selbst, die Aufführungsserie in der Halle E im Museumsquartier reicht vom 23. Mai bis 4. Juni. Das Rotterdamer "ro theater" ist mit einer dreiteiligen Produktion von Proust's "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" vom 15. bis 20. Juni in der Halle E im Museumsquartier zu Gast. Im Schauspielhaus ist vom 13. Juni bis 4. Juli die Uraufführung von Gesine Danckwart's "Heißes Wasser für alle" zu sehen. Weiters gibt es Gastspiele aus Australien, Ungarn und Großbritannien bei den Festwochen, als besondere Empfehlung von Luc Bondy ist im Ronacher vom 26. bis 31. Mai "La Veillée des Abysses" von James Thiérée, einem Enkel von Charlie Chaplin, zu sehen, eine surrealistisch-poetische Zirkusinszenierung, die Jung und Alt verzaubert.

Februar 1934 - Das Wörterbuch des Schweigens

Mit dem Bürgerkriegsmonat Februar 1934 setzen sich die Festwochen im Rahmen von "theatralischen Skizzen" auseinander. Beiträge zum "Wörterbuch des Schweigens" leistet das Grazer Theater im Bahnhof im Rabenhof mit "Wallisch Wandern", einem Stück über den Arbeiterführer Koloman Wallisch, weiters gibt es ein Projekt "Von Wien nach Moskau" rund um die Kinder von 1934 getöteten und verhafteten Schutzbundkämpfern, die nach Russland geschleust wurden, sowie ein Theaterprojekt von zwei Wiener Gymnasien aus unterschiedlichen sozialen Milieus und "Ein Fundstück" von Jewgenij Grischkowez "Onkel Otto ist krank" mit Bezug zu Otto Bauer.

Ungewöhnliche Theaterentwürfe und ästhetische Experimente stehen im Zentrum von "forumfestwochenff" mit Arbeiten aus Deutschland, den Niederlanden, Russland - darunter "Kislorod" (Sauerstoff) aus dem Moskauer theatre.doc. im KosmosTheater und "Terrorismus" des Moskauer Akademischen Künstlertheaters in der Halle D im MuseumsQuartier - der Schweiz, Serbien/Montenegro und der Ukraine.

"zeit_zone" in der Programmkonzeption von Markus Hinterhäuser entwickelt "Eine Zone wundersamer musikalischer Verwandlungen und Wiedergeburten jenseits tradierter Genregrenzen": So transformiert DJ Spooky D.W. Griffith's monumentalen Spielfilm "Birth of a Nation" aus dem Jahr 1915 zu einem großen Hip-Hop-Kino, Rupert Huber kreiert eine Partitur aus Hausmusik-Konzerten in den 23 Wiener Bezirken, die übers Internet zu einem kompositorischen Kaleidoskop zusammenwachsen.

"Die Welt der Tante Jolesch"

"Die Welt der Tante Jolesch" beschwört die Ausstellung "Wien, Stadt der Juden", die das Jüdische Museum Wien vom 19. Mai bis 31. Oktober 2004 in Zusammenarbeit mit den Wiener Festwochen zeigt. Die Ausstellung "Arnold Schönberg's Schachzüge. Dodekaphonie und Spielekonstruktionen" ist vom 7. Mai bis 13. September im Arnold Schönberg Center Wien zu sehen. Das Österreichische Filmmuseum zeigt gemeinsam mit den Festwochen die Retrospektive "Infame Bilder", die sich mit dem "Kino der Kontrollgesellschaft", der zusehends in den privaten Raum übergehenden Überwachung des Menschen auseinandersetzt sowie eine Peter Lorre-Retrospektive.

Weitere Informationen: http://www.festwochen.at/ .(Schluss) gab

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