Bartenstein: Handel mit Emissionszertifikaten wird konkret

Enquete im Wirtschaftsministerium - Österreich hat Zuteilungsplan bei der EU fristgerecht abgegeben - Ausschreibung der Registerstelle geplant

Wien (BMWA-OTS) - "Die Grundlagen für den Handel mit Emissionszertifikaten sind festgelegt, Österreich hat als einer von nur fünf EU-Staaten den nationalen Zuteilungsplan fristgerecht der Europäischen Kommission übergeben. Jetzt geht es darum, das genaue Procedere festzulegen, wie dieser neu entstehende Markt für Umweltrechte gestaltet werden soll", erklärte Wirtschafts- und Arbeitsminister Dr. Martin Bartenstein heute bei einer Pressekonferenz zum Auftakt der Enquete "Emissionshandel konkret" im Wirtschaftsministerium. Fest steht bereits, dass im Mai die Registerstelle für die Zuteilung und Verwaltung der Zertifikate ausgeschrieben wird. ****

Nach Auswahl des Bestbieters aus konkurrenzierenden Angeboten wird diese Registerstelle vom Umweltminister im Einvernehmen mit Wirtschafts- und Finanzministerium ernannt und bis zum 1. September an die EU gemeldet. Mit Oktober soll dann eine Testphase beginnen, ehe mit 1.1.2005 der Emissionshandel startet. Die 128 österreichischen Unternehmen, die mit insgesamt 205 Anlagen vom Emissionszertifikategesetz betroffen sind, müssen bis dahin bei der Registerstelle ein Zertifikatekonto eröffnen und den An- und Verkauf von Zertifikaten melden. Bis zum 30. April jedes Jahres müssen die Unternehmen die den geprüften Gesamtemissionen des vorhergehenden Kalenderjahres entsprechenden Zertifikate abgeben. Hat das Unternehmen weniger am Konto, als tatsächlich emittiert wurde, muss das Unternehmen die fehlenden Emissionsrechte nachkaufen und zusätzlich einen Betrag im Ausmaß von 40 Euro pro Tonne in der Handelsperiode 2005 bis 2007 bezahlen. In der zweiten Handelsperiode (2008-2012) wird dieser Betrag auf 100 Euro pro Tonne erhöht.

Um zeitgerecht Zertifikate erwerben zu können und so der Strafzahlung zu entgehen, wird es zu einem laufenden Handel mit Zertifikaten kommen. Bartenstein sieht dafür einerseits die Möglichkeit eines Börsehandels - die Strombörse EXXA plant hier einzusteigen -, andererseits den "bilateralen" Handel zwischen einzelnen Unternehmen und drittens einen Handel mit den Leadern in der jeweiligen Branche. Als vierte Möglichkeit kommt die Vollversorgung durch Energie- und Rohstoffhändler in Frage, die beides liefern, Energie und die benötigten Zertifikate.

Als Preis für ein Zertifikat für den Ausstoß von einer Tonne Kohlendioxid erwartet Bartenstein sieben bis acht Euro. Zum Vergleich: Um durch die Erzeugung von Ökostrom eine Tonne CO2 einzusparen, fallen Kosten in der Höhe von 100 bis 200 Euro an.

Erfahrungen aus den USA

Prof. Dr. Richard Sandor, Direktor der Chicago Climate Exchange (CCX), vermittelte in einem Statement erste Erfahrungen vom Zertifikatehandel in Chicago. Die CCX ist ein freiwilliger Zusammenschluss von 28 nordamerikanischen Unternehmen, die Treibhausgase ausstoßen. Sie versteht sich als eine Plattform für Handel mit allen umweltrelevanten Gasen und hat das Ziel, diese Emissionen kosteneffizient zu senken. Die Börse hat im vergangenen Dezember den Handel aufgenommen, wobei als Kurswert für eine Tonne CO2 ein Preis von rund 90 US-Cent entstand.

Emissionsreduktion öffnet der Wirtschaft neue Chancen

Dr. Erich Becker, Präsident des Austrian Business Council for Sustainable Development und VA-Tech Vorstandsvorsitzender, sieht die Kostenpflicht für CO2-Emissionen als Chance für die Industrie: "Für exportorientierte österreichische Unternehmen, die über innovative und nachhaltige Technologien verfügen (Umwelttechnologien, Prozesstechnologien) kann man von einem Chancenpotenzial sprechen, das es zu nutzen gilt." Als konkretes Beispiel nannte er sein Unternehmen, das als Engineering- und Anlagenbauunternehmen über das technologische Potenzial in allen Unternehmensbereichen verfüge, um zur Erreichung der Klimaschutzziele beizutragen. Becker: "Es geht darum Energie effizient einzusetzen und dadurch eine Reduktion der CO2 Emissionen zu erzielen." Im Durchschnitt der letzten Jahre konnte ein Einsparungspotential von 50 Millionen Tonnen CO2 ermöglicht werden. "Die Mechanismen des Kyoto-Protokolls - wie etwa im Rahmen der Errichtung des Wasserkraftwerkes Tsankov Kamak in Bulgarien -sind ein wichtiger Beitrag zur Unterstützung der österreichischen Klimastrategie" so Dr Becker weiter. Auch erlauben es neue Technologien, heute Stahlwerke zu errichten, die im Vergleich zu früheren nur mehr 10% an CO2 ausstoßen. Besondere Nachfrage dafür bestehe in Südafrika, Indien und China.

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