ÖGB-Verzetnitsch: Die Jugend hat ein Recht auf Ausbildung

Lücke zwischen Ausbildungsangebot und Lehrstellensuchenden so groß wie noch nie seit den 60-er Jahren

Wien (ÖGB) - "Derzeit suchen 13.500 Jugendliche eine Lehrstelle -und diese Lücke nimmt weiter zu: Auch diesen Herbst wird die Hälfte der PflichtschulabgängerInnen ins duale Ausbildungssystem eintreten wollen ", sagt ÖGB-Präsident Verzetnitsch und verlangt ein umfassendes Maßnahmenbündel zur Bekämpfung der Lehrlingsmisere. In den vergangenen vier Jahren ist die Zahl der Lehrstellensuchenden um fast 30 Prozent gestiegen. "Die Wirtschaft und vor allem die Politik soll ihr Versprechen, jedem Lehrstellensuchenden einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen, ernst nehmen und mit uns gemeinsam umsetzen." Verzetnitsch fordert ein Auffangnetz und -angesichts des Rückganges der von der Wirtschaft freiwillig angebotenen Lehrplätze - einen Ausbildungsfonds, über den auch die nicht ausbildenden Unternehmer einen finanziellen Beitrag zur Ausbildung leisten.++++

Auffangnetz

Gefordert sei ein "echtes Auffangnetz", so der ÖGB-Präsident. Den derzeit angebotenen Plätzen steht eine Lehrstellenlücke von 11.000 Plätzen gegenüber. Die Ausbildungsplätze im Auffangnetz müssen eine Berufsausbildung bis zur Lehrabschlussprüfung ermöglichen, ein Umstieg in die duale Ausbildung in Wirtschaft und Berufsschule muss jederzeit möglich sein, denn "wir wollen die Lehrlingsausbildung nicht verschulen und nicht 'verstaatlichen'", betont Verzetnitsch.

Ausbildungsfonds

Weil die Zahl der von der Wirtschaft angebotenen Lehrstellen seit 1980 um mehr als ein Drittel zurückgegangen ist, müsse über neue Formen der Ausbildungsfinanzierung nachgedacht werden, verlangt Verzetnitsch. Er empfiehlt einen Ausbildungsfonds, über den alle Betriebe einen Beitrag zugunsten der ausbildenden Unternehmen leisten sollen. "Derzeit bilden einige Firmen über den eigenen Bedarf aus, alle anderen profitieren davon. Investitionen in die Lehrlingsausbildung sind Investitionen in die Zukunft Österreichs", so der ÖGB-Präsident. Die Qualifikation der Fachkräfte sei ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil, auf den das Land nicht verzichten kann - und somit ein Weg, zukünftige Arbeitslosigkeit zu verhindern.

Da bisher kein Lehrlingsfonds auf freiwilliger Basis zustande gekommen sei, müsse auch an eine verpflichtende Lösung gedacht werden, verlangt Verzetnitsch. Mit dem Vorurteil, dass die Lehrlingsausbildung zu teuer sei, räumte er auf: "Es war noch nie so günstig, einen Lehrling auszubilden wie heute." Die Unternehmen erhalten massive Förderungen für ihre Ausbildungsleistung - im Jahr 2004 voraussichtlich mehr als 121 Millionen Euro.(fk)

ÖGB, 21. April
2004
Nr. 265

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