George Tabori kommt nach Wien zurück

Wien (OTS) - George Tabori, der 1999 mit Claus Peymann das Burgtheater verlassen hat und ans Berliner Ensemble ging, kehrt nach Wien zurück. Das bestätigt der Regisseur und Autor von Weltrang, der am 24. Mai Neunzig wird, in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe.

Tabori wird am 14. und 15. Juni an einem Akademietheater-Gastspiel seiner Meisterinszenierung der Lessing’schen "Juden" teilnehmen. Der Regisseur tritt in dieser Produktion selbst auf. Den Aufenthalt in Wien will Tabori nutzen, um "die beiden letzten Wünsche meines Lebens" auf den Weg zu bringen: Sein Stück "Die Hinrichtung" mit Gert Voss und Ignaz Kirchner, für die es geschrieben ist, am Akademietheater. "Und das andere ist mein Lieblingsstück ,König Lear’. Das will ich in Wien mit dem Voss machen."

Tabori weiter: "Wien fehlt mir sehr. Es fehlt mir jeden Tag. Hier war ich nahe bei meiner Kindheit in Budapest, hier habe ich mich zum ersten Mal in meinem Leben zu Hause gefühlt. Jetzt will ich noch einmal wiederkommen. So viel Zeit habe ich nicht mehr. Ich bin der dienstälteste Theatermacher. Sophokles war achtzig, als er den ,Ödipus’ geschrieben hat."

Tabori über den bevorstehenden Jubeltermin: "Es ist nicht so schwer, neunzig zu sein. Ich habe einen Assistenten, der begleitet mich die fünf Minuten von der Wohnung ins Theater. Ich fühle mich wunderbar. Joggen kann ich nicht, und schwimmen geh ich auch nicht, und mit den Frauen ist es auch nicht mehr, was es einmal war. Jedes Alter hat seine Segnungen. Wenn man neunzig ist, regt man sich über Dinge, die früher wichtig waren, nur sehr selten auf. Wenn eine Probe falsch läuft und Peymann kommt und randaliert, hat mich das früher viel mehr interessiert. Jetzt denke ich mir: Er ist halt aufgeregt." Und weiter: "Das ewige Leben spürt man nicht. Man ist bereit, es zu beenden. Wenn es mir nicht so gut geht, lege ich mich hin und sage:
Ich habe am längsten von meiner Familie gelebt. Mein Vater ist umgebracht worden, meine Mutter lang tot. Ich habe fünfzig Theaterstücke gemacht, manche gut, manche nicht so gut, wie alle. Ich sehe die Dinge etwas objektiver. Ich rege mich nicht über Fehler anderer auf. Ich denke an meine früheren Aufführungen, wie ich an meine früheren Frauen denke."

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