"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Szenen der Politik" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 21. April 2004

Innsbruck (OTS) - Überzeugen und mitreißen wollen Politiker allemal. Tatsache bleibt freilich auch, dass das politische Tagesgeschäft mitunter äußerst mühsam ist und über lange Strecken nicht zum gewünschten Erfolg führt. In der Durststrecke magerer Ergebnisse bemüht sich die politische Regie immer wieder um gesteigerte Aufmerksamkeit oder vermeintlich originelle Farbtupfer. Finanzminister Grasser hatte es sich bekanntlich zum Ziel gesetzt, seine Landsleute stolz auf das Nulldefizit zu machen. Er lachte immer wieder herzlich und warf Schaubilder an die Wand. Bei der Mehrheit staute sich indes Grimm über die höchste Steuerbelastung, dann kam auch bei Grasser das Nulldefizit notgedrungen aus der Mode.
Vor Jahren machte Maria Rauch-Kallat tüchtig beim Heuen in der Sommerhitze mit. Zuletzt präsentierte sie als Ministerin Hanteln schwingend Daten und Fakten aus dem Gesundheitsbericht. Die kundgemachten Ergebnisse lagen in der Bandbreite des Bekannten, nebst der bitteren Pille, dass es trotz hehrer Vorsätze der Politik nicht gelungen ist, das Ausmaß der Spitalsaufenthalte einzudämmen. Wie Herr und Frau Österreicher so sind, werden sie weiterhin im Westen ein wenig mehr, im Osten etwas weniger mit Sportlichkeit tun, um die Gesundheitskosten nicht noch weiter explodieren zu lassen.
Der Ministerin mag der Auftritt dort und da ein Bild gesichert haben, zur mitreißenden Nummer, die das Land vollends auf den Gesundheitspfad bringt, wird der Auftritt nicht werden. Und zum großen Schritt aus dem beachtlichen Wust von Problemen im Gesundheitsbereich taugt er erst recht nicht. Ein Großteil der Menschen, die die Ministerin vermutlich ansprechen und aufmuntern wollte, hat andere Sorgen: Teurere Rezeptgebühren, mehr Selbstbehalte usw. Statt locker-lächelnd durchhanteln, wäre wahrscheinlich das Eingeständnis ehrlicher, dass Politik schwierig ist und vor allem gute Konzepte braucht.

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