"Kleine Zeitung" Kommentar: "Mann gegen Frau, noch immer eine quotenträchtige Paarung" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 17.04.2004

Graz (OTS) - Ein Fest der Fadesse war angesagt, aber dann wurde
es doch eine überraschend feurige Begegnung: Eineinhalb Millionen haben Donnerstagabend beim TV-Duell zwischen Benita Ferrero-Waldner und Heinz Fischer zugeschaut: Diese Quote, nah dran an der Hahnenkamm-Marke, ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass die Gegenspieler als bemühte Langeweiler galten und Interesse nur weckten durch das Ausmaß der Selbstinfantilisierung, ausgelöst durch den Fairness-Kitsch.

Die hohe Einschaltziffer ist zum einen auf das propagandistische Trommelfeuer zurückzuführen, das der ORF in bewährter Bescheidenheit im Vorfeld entfachte; zum anderen hat sie wohl auch damit zu tun, dass dem Zuschauer zur besten Sendezeit quasi der Archetypus einer spannungsreichen zwischenmenschlichen Beziehung serviert wurde: Mann gegen Frau. Und dazwischen ein mit Syntax und Äquidistanz ringender Brummbär, bei dem Bart und Masse offenbar ausreichen, um als Fragesteller ein Mythos zu sein.

Der Abend bot solides politisches Entertainment: Man musste nicht auf die (sattsam bekannten) Inhalte oder den abgespulten Formelvorrat achten, sondern auf Florettführung, Minenspiel oder Textil-Symbolik (Ferreros Freundschaftsband!). Beide Kontrahenten zielten auf die verwundbaren Stellen des Gegenüber, landeten mit Salonlächeln hübsche Treffer, schwächelten bisweilen, aber keiner ging zugerichtet zu Boden.

So konnten anderntags beide Lager samt dazugehörigen Meinungsforschungsinstituten ihre jeweiligen Siegerthesen vollmundig ins Volk schmettern, wissend, dass derjenige das Medienereignis für sich entscheidet, der das Nachspiel, das Rezeptionsmatch, gewinnt. Hier scheint Ferrero-Waldner leicht im Vorteil; nicht, weil sie in der Auseinandersetzung souveräner gewesen wäre, sondern weil ihr Mithaltenkönnen mit dem Routinier, das Nicht-deklassiertwerden schon als Erfolg wahrgenommen wird.

Wer von beiden ist besser für das Land? Die Frage ist an den Wähler zu delegieren, zumal sich eine objektive Antwort auch nach dem Fernsehabend nicht formulieren lässt. Gewiss ist: Beide Kandidaten wären untadelige Repräsentanten nach außen. Nach innen ist die Macht ohnedies begrenzt. In Wahrheit hat ein Bundespräsident die Macht der Sprache und die ist gekoppelt an Ansehen und intellektuelle Potenz. Wenn Richard von Weizsäcker in Deutschland ans Rednerpult trat, war das ein Ereignis. So einen haben wir nicht und kriegen wir nicht. So oder so nicht. ****

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