WirtschaftsBlatt-Kommentar Wer nicht forscht, der nicht gewinnt...

von Daniela Friedinger

Wien (OTS) - Vielleicht werden nicht alle in die Geschichte eingehen, wie es der Österreicher Josef Ressel seinerzeit mit der Erfindung der Schiffsschraube tat. Innovative Köpfe haben Österreichs KMU aber allemal. Vor allem der Flaute wussten sie mit Neuerungen zu begegnen, erkannten die Notwendigkeit, der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein. Die Krise machte sogar so erfinderisch, dass im Vorjahr um acht Prozent mehr Patente angemeldet wurden, immerhin 2141 an der Zahl. Wenn nun auch die Regierung das Forschungsthema ernster nimmt, ist das zwar löblich - der Wirtschaft und vor allem den innovativen skandinavischen Ländern hechelt die Politik dennoch gehörig hinterher.

Die erfreuliche Entwicklung der Patente reicht schliesslich nicht aus, vom europäischen Mittelfeld in die Oberliga zu gelangen. Ein bisschen drehen bei den Forschungsfreibeträgen, wie beim Konjunkturpaket geschehen, ebensowenig. Vielmehr gehören auf so wichtige Zukunftsinvestitionen wie Forschung und Entwicklung sämtliche Kräfte gelenkt.

Wie weit nach hinten aber die Regierung das Thema reiht, zeigt ein einfaches Beispiel: Um das Jahr mit Paukenschlag einzuläuten, wurde gleich in den ersten Jänner-Tagen die Steuerreform präsentiert, die KöSt-Senkung noch lange danach mit lauter Marketingmaschinerie begleitet. Die Vorstellung des so genannten Hauses der Forschung, also der künftigen Forschungsförderungs-GmbH, folgte diesen Donnerstag. Und das Aufgreifen eines Zukunftsthemas ging damit, just am Tag des TV-Duells, im Wahlkampf-Endspurt um die Hofburg unter.

Natürlich mögen Steuersenkungen den einen oder anderen Investor reizen. Doch gewinnen wird man den Steuer- und Kostenwettlauf gegen die neuen EU-Mitglieder vermutlich nie. Die skandinavischen Länder haben sich daher erst gar nicht auf das Rennen eingelassen. Stattdessen konzentrierten sich Schweden und Finnland auf ihre Stärken - sie sind der übrigen EU in Sachen Forschung nun meilenweit voraus. Bezeichnend dabei: Auch beim Wirtschaftswachstum liegen beide Staaten seit Jahren besser als der EU-Schnitt. Wer forscht, scheint also zu gewinnen.

Damit auch Österreich auf der Siegerstrasse fährt, reicht das Bündeln von Forschungseinrichtungen in einem Haus aber nicht. Es gehört noch mehr innovatives Potenzial, das in den KMU schlummert, wachgeküsst. Und das sollte der Regierung ähnlich viel Geld wie die KöSt-Senkung wert sein - und die Veranstaltung eines ebensolchen Tamtams.

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