WKÖ: Slowakei - enormer Aufholprozess am Weg nach Europa

Veranstaltungsschwerpunkt EU-Erweiterung - Seminarreihe und Podiumsdiskussion zu slowakisch-österreichischen Wirtschaftsbeziehungen

Wien (PWK256) - Die bevorstehende EU-Erweiterung ist Anlass für
die Außenwirtschaft Österreich (AWO) der WKÖ, heimische Unternehmen auf die Möglichkeiten in den künftigen EU-Mitgliedsländern aufmerksam zu machen. Sozusagen eine "Schlussoffensive" für Unternehmen, die ihre Chance in diesen Ländern nützen wollen. Den Auftakt der Veranstaltungsreihe, die alle Beitrittsländer aus Mittel- und Osteuropa umfassen wird, machte Polen, gefolgt von der Tschechischen Republik und Ungarn. Gestern, Donnerstag, fand die Veranstaltungsreihe ihre erfolgreiche Fortsetzung mit einem Slowakei-Tag.

Die österreichische Wirtschaft hat sich schon bisher in der Slowakei als drittgrößter Investor mit 1700 vor Ort präsenten Betrieben und 46,3 Milliarden slowakischen Kronen, das sind 14,1% der Gesamtinvestitionen, extrem stark positioniert. Der Standort Slowakei trägt über Zulieferungen auch wesentlich zur Konkurrenzfähigkeit österreichischer Produkte bei. Die österreichischen Exporte in die Slowakei legten im vergangenen Jahr um 11,4% auf 1,2 Mrd Euro, die Importe um 18,5% auf 1,4 Mrd Euro zu.

Bei der gestrigen Veranstaltung wurde in Fachseminaren das Thema "Die Slowakei - Star unter den Beitrittskandidaten" analysiert. Im zweiten Teil mit dem Titel "Horizonte - Export verbindet Welten" wurde in einer prominent besetzten Podiumsdiskussionen über das Thema "Slowakei - Steuerparadies mit Reformdruck in der EU? Konkurrent oder Partner für Österreich?" debattiert.

Diskussionsteilnehmer waren unter der Leitung von Engelbert Washietl (Mitglied der WirtschaftsBlatt-Chefredaktion), Branislav Durajka (Generaldirektor der Sektion Steuer- und Zollpolitik im slowakischen Finanzministerium), Christian Mandl (Gründer von SkyEurope Airlines) und Peter Hawlik (Deputy Director and Senior Economist am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche WIIW).

Richard Schenz, Vizepräsident der WKÖ, betonte in seiner Eröffnungsrede, dass "die Slowakei noch vor fünf Jahren für mich kein Beitrittskandidat war. Sie hat es aber in einem unglaublichen Aufholprozess geschafft, die Bedingungen für den Beitritt zu erfüllen." Schenz ist davon überzeugt, dass die beiden Hauptstädte Wien und Bratislava, die, einmalig auf dem Globus, so nah nebeneinander liegen, zur zentralen Drehscheibe für eine neue europäische Wirtschaftszone werden können. Diese "Europaregion Mitte" könnte mit den Städten Wien, Bratislava, Brünn, St.Pölten und Györ zu einem ähnlichen wirtschaftlichem Schmelztiegel werden wie die Ballungsräume an der deutsch-französischen Grenze. "Der Wermutstropfen an der Sache ist aber die katastrophale Verkehrsverbindung zwischen Wien und Bratislava", betont Schenz. "Die Politik hat dabei 14 Jahre seit dem Fall des Eisernen Vorhangs verschlafen. Es kann doch nicht sein, dass man heute mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Wien nach Bratislava länger braucht als zu Zeiten der k.u.k. Monarchie."

Die anschließende Podiumsdiskussion stand ganz im Zeichen der heuer in der Slowakei eingeführten Flat Tax. Mit 1.1.2004 wurde eine Flat Tax von 19% als Teil einer Steuerreform beschlossen, die von einem Abbau der Bürokratie, dem Zurückdrängen der Schattenwirtschaft begleitet wird und zu einer Erhöhung der Investitionen sowie der privaten Konsumausgaben und damit zu wesentlichen Mehreinnahmen des Staates führen soll. Branislav Durajka zitierte in diesem Zusammenhang Steve Forbes, der meinte, dass "die Slowakei dank der Steuerreform der Welt nächstes Hongkong oder Irland werden könnte." Durajka gestand aber ein, dass etwa durch die Senkung der KöSt andere Steuersätze, etwa die MwSt erhöht werden mussten. Diese Maßnahmen waren unpopulär und mit ein Grund für die aktuelle Regierungskrise in Bratislava. Durajka: "Andererseits haben wir ein mehr als investitionsfreundliches Klima geschaffen. Dadurch stehen natürlich auch die anderen neuen EU-Staaten etwas unter Druck und werden nicht umhin kommen ebensolche Steuerreformschritte durchzuführen." Peter Hawlik merkte dazu an, dass "es für Unternehmen aber nicht nur von Bedeutung sei, wie hoch die Steuern sind, sondern vor allem wie effektiv das Steuersystem ist, denn ein modernes Steuersystem hat auch andere Funktionen zu erfüllen, etwa soziale im Sinne von Umverteilung. Und eine Flat Tax birgt die Gefahr von sozialen und politischen Problemen, die ein Land für Unternehmer wieder weniger attraktiv machen können." Abschließend lobte Christian Mandl den pragmatischen Zugang slowakischer Politiker zu Problemen, die vor allem Unternehmen betreffen, "weil diesbezüglich oft schnelle und einfache Lösungen angeboten werden." (BS)

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