"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Geschwächelt" (Von Johannes Huber)

Ausgabe vom 16. April 2004

Wien (OTS) - Endlich hatten die Österreicherinnen und Österreicher die Möglichkeit, die Präsidentschaftskandidaten einem direkten Vergleich zu unterziehen. Nachdem Ferrero-Waldner nur für ein einziges Mal zur Verfügung stehen wollte, war das schon etwas. So gesehen war das TV-Duell mit Sicherheit gewinnbringend.
Aber sonst? Sowohl Ferrero-Waldner als auch Heinz Fischer zeigten Schwächen. Fischer gleich zu Beginn, als er etwa oberlehrerhaft betonte, dass er "hier" nicht fragen wolle, wie Verfassungsartikel 80 laute (Ferrero-Waldner wusste, dass es sich um den Oberbefehl über das Bundesheer handelt). Im Laufe der Debatte ließ Ferrero-Waldner dann allerdings Fischer immer wieder punkten. Ein Beispiel: Sie unterstellte ihm, zu Sanktionszeiten nicht "patriotisch" gewesen zu sein. Da musste er nur den ehemaligen ÖVP-Klubobmann Andreas Khol zitieren, der ihm "staatsmännisches" Verhalten attestiert hatte. Wie auch immer: Wer von den beiden ist denn nun besser geeignet, das höchste Amt zu bekleiden bzw. zumindest eine moralische Instanz darzustellen, die zu wesentlichen Fragen eine richtungweisende Aussage tätigen kann? In dieser Hinsicht wussten die Präsidentschaftskandidaten zumindest im gestrigen TV-Duell wohl nur wenige Unentschlossene zu überzeugen; das zu demonstrieren, schien ihnen bei all den Auseinandersetzungen kein besonderes Anliegen zu sein.

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