Futtermittel-Kennzeichnung für gentechnisch veränderte Organismen ab 18. April 2004

Einhaltung des Schwellenwertes nur zu erschwerten Bedingungen und hohen Zusatzkosten möglich

Wien (PWK252) - Mit der ab 18. April 2004 vorgeschriebenen Kennzeichnung für Futtermittel mit einem Anteil gentechnisch veränderter Organismen ab einem Schwellenwert von über 0,9 Prozent ergeben sich veränderte Rahmenbedingungen für die Mischfutterwirtschaft. Die österreichische Futtermittelwirtschaft hat ihre Lieferanten sämtlicher Rohstoffe zur Information betreffend Kennzeichnung aufgefordert. Österreichische Futtermittel mit möglichen GVO-Rohstoffen - insbesondere Sojaschrot - werden mit einem Stern (*) markiert und dem Hinweis "* hergestellt aus gentechnisch veränderten Organismen (GVO)" versehen. Auch die Mischfutterunternehmen in den anderen EU-Staaten werden auf Empfehlung ihrer nationalen Verbände diese Kennzeichnung verwenden. Somit ergibt sich obige Kennzeichnung für folgende Produktgruppen:

  • Sojaschrot (enthält mit Ausnahme relativ geringer Mengen für ausgewählte Markenprogramme GVO);
  • Fettsäuren und Sojaöl;
  • Enzyme (nach derzeitiger deutscher behördlicher Auffassung);
  • Lecithin.

Bei Aminosäuren, Aromastoffen sowie Vitaminen ist die Situation noch unübersichtlich. Manche internationale Konzerne bieten GVO- freie Produkte an, andere wiederum nicht.

Mais ist derzeit nicht zu kennzeichnen, sofern es sich um österreichische Ware aus GVO- freiem Saatgut handelt bzw. wenn für ausländische Ware GVO- Freiheit bestätigt wird. In der Landwirtschaft ist vor dem Anbau des neuen Maissaatgutes ab- bzw. aufzuklären, dass nur in Österreich zugelassene Saatgutsorten gentechnikfrei sind. Die Futtermittelwirtschaft wird vom landwirtschaftlichen Maislieferanten der künftigen Ernte diesbezügliche Bestätigungen verlangen.

Auch sonstiges Getreide, Eiweißfuttermittel u.a. auch österreichische Sojabohnen, sowie auch eingesetzte Nebenerzeugnisse der österreichischen Lebensmittelproduktion und sämtliche Mineralstoffe müssen infolge GVO- Freiheit nicht gekennzeichnet werden.

Spezifisch für die österreichische Situation ist die Tatsache, dass die Einhaltung des Schwellenwertes von 0,9 % nur zu erschwerten Bedingungen und damit verbundenen sehr hohen Zusatzkosten möglich ist (s. gemeinsames Forschungsprojekt des Lebensministeriums, der Bundesministerien für Wirtschaft und Arbeit sowie für Gesundheit und Frauen). Die Ursache hierfür liegt in unbeabsichtigten Verschleppungen in gemischt produzierenden Mischfutterwerken, wie dies in Österreich aufgrund der Größenstruktur der Fall ist. Eine technische Umrüstung der Werke, welche den gesetzlichen Schwellenwert von 0,9 % bei Just-in-Time-Produktion ermöglicht, ist derzeitig wirtschaftlich nicht umsetzbar.

Die österreichischen Mischfutterbetriebe können eine GVO- Freiheit für diverse Marketingprogramme zur Zeit nicht garantieren. Möglich wäre dies nur, wenn in einem Mischfutterwerk ausschließlich GVO-freie Rohstoffe für die Produktion eingesetzt werden. Zudem müssten für jede geografische Großregion, z.B. Österreich-Süd, Mindestabnahmemengen gewährleistet sein, da ein österreichweiter Transport von Mischfutter aus Kostengründen nicht denkbar ist.

Bei einer - theoretisch möglichen - GVO- freien Veredelungsproduktion und der damit verbundenen Verteuerung ist mit einer Verlagerung GVO-verwendender Produktionsstätten ins Ausland zu rechnen. Dies kann weder im Interesse der österreichischen Lebensmittelwirtschaft, von der die Mischfutterwirtschaft ein Teil ist, noch im Interesse der österreichischen Landwirtschaft gelegen sein. Im Biosegment, wo gesetzliche Vorschriften die gentechnikfreie Produktion ohnehin vorsehen, werden die Mehrkosten abgegolten. Ob daher eine dritte GVO-freie konventionelle Veredelungsproduktion neben der Bioschiene sowie der konventionellen Schiene vom Verbraucher gewünscht bzw. akzeptiert wird, entscheidet dieser letztlich durch sein künftiges Kaufverhalten. (us)

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