EU-Erweiterung als Tourismusmotor

Arbeitsmarkt bereitet Sorgen - Schenner fordert wesentlich kürzere Übergangsfristen - Bilaterale Beschäftigungsabkommen und Grenzgängerabkommen als kurzfristige Hilfen

St. Anton (PWK251) - Als Folge der EU-Erweiterung wird eine
weitere Intensivierung der Tourismusströme zwischen den Staaten Europas prognostiziert. Der Überschuss in der österreichischen Reiseverkehrsbilanz wird sich laut WIFO infolge der Erweiterung leicht erhöhen. Aus den Nachbarstaaten und neuen EU-Mitgliedern Slowenien, Ungarn, Slowakei und Tschechien sowie auch aus Polen werden Zuwachsraten von zehn bis 15 Prozent pro Jahr erwartet. Unter dem Strich rechnet die Branche mit 300.000 bis 400.000 zusätzlichen Nächtigungen pro Jahr, erklärte der Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich, Johann Schenner, Mittwoch Abend bei einem Tourismus-Journalistenseminar in St. Anton am Arlberg.

Diese optimistische Einschätzung stützt sich, so Schenner, auf die prognostizierte dynamische Kaufkraftentwicklung in den betreffenden Herkunftsmärkten. Mit dem Beitritt zur EU erhalten die neuen Mitgliedsstaaten Transferzahlungen aus den EU-Finanztöpfen. Experten erwarten ein zusätzliches BIP-Wachstum der mittelosteuropäischen Länder (MOEL) und Wachstumsraten, die im Durchschnitt um zwei bis vier Prozent über jenen der 15er-EU liegen. Die steigende Kaufkraft der Verbraucher lässt eine verstärkte Nachfrage nach Auslandsreisen erwarten.

Bereits jetzt verdankt Österreich seinen neuen EU-Nachbarn mehr als 800.000 Nächtigungen pro Jahr. Insbesondere die grenznahen Regionen konnten zuletzt beachtliche Zuwächse aus den Erweiterungsländern verbuchen. So ist beispielsweise die Zahl der Nächtigungen von Ungarn im Burgenland im Vorjahr um mehr als 35 Prozent gestiegen. Aber auch der Westen Österreichs profitiert von einer verstärkten Orientierung nach Osten, wie das Beispiel des Innsbrucker Flughafens zeigt.

Als zunehmend schwieriger erweist sich nach den Worten Schenners die Versorgung des Arbeitsmarktes mit qualifizierten Arbeitskräften, aber auch mit Hilfskräften. Deshalb erwartet sich die österreichische Tourismuswirtschaft auch durch die EU-Erweiterungsländer längerfristig substantielle Verbesserungen. Damit dieser Effekt zum Tragen kommen kann, besteht Schenner auf der Forderung nach wesentlich kürzeren Übergangsfristen auf dem Arbeitsmarkt. Außerdem müssten möglichst rasch bilaterale Beschäftigungsabkommen geschlossen werden. Weiters setzt sich der Tourismus für Grenzgängerabkommen ein. Ein solches begrenztes Abkommen gibt es bereits mit Ungarn (es betrifft 1.800 Personen p.a.). Weitere derartige Grenzgängerabkommen sollen jetzt auch mit Tschechien und der Slowakei realisiert werden. (hp)

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