3. Offener Brief von Bernd Schilcher an Heinz Fischer

Wien, 15. April 2004 (ÖVP-PD) Univ.-Prof. Dr. Bernd Schilcher wendet sich heute, Donnerstag, in einem Offenen Brief an den Präsidentschaftskandidaten Dr. Heinz Fischer. ****

Betreff: Kann sich ein 66-jähriger noch ändern?

Sehr geehrter Herr Dr. Fischer,

Sie werden sich vermutlich nicht mehr erinnern. Es war im Jahr 1963, als ich Sie zum ersten Mal sah. Sie waren gerade SPÖ-Klubsekretär im Hohen Haus am Ring geworden und frisch promoviert. Bei uns Studenten in der Grazer Hochschülerschaft (ÖH) hatten Sie bereits damals den Ruf einer grauen Eminenz. Man munkelte, dass Sie am ersten österreichischen Studienbeihilfegesetz "maßgeblich mitgearbeitet" hätten. Da wir in der ÖH das Gesetz praktisch durchführen mussten, pilgerte ich zu Ihnen in die Hauptstadt und bat um Aufklärung über eine Reihe von kryptischen Passagen dieses Stipendien-Jungfernwerks der rot-schwarzen Koalition.

Das war ziemlich naiv von mir. Sie wussten offenbar, dass ich nicht aus Ihrem politischen Stall kam und speisten mich mit ein paar allgemeinen Bemerkungen ab. Informiert haben Sie dann Ihren "Verband sozialistischer Studenten" in Graz.

Und so sind Sie geblieben über die Jahre hin. Ein penibler Unterscheider zwischen hüben und drüben. Und bereit, alles für hüben zu tun - und für Ihre Karriere. Ich hätte kein gutes Gefühl, wenn Sie Bundespräsident würden. Schon wenn ich höre, dass Sie dann der "Hüter der Verfassung" sein wollen. Mit Verlaub: Dafür haben wir den Verfassungsgerichtshof, der kann es besser. Und als "Wahrer der Objektivität" kann ich Sie mir schwer vorstellen. So stark verändern wir uns nicht mehr, Herr Dr. Fischer, nicht in unserem Alter. Oder sind Sie vom Gegenteil überzeugt?

Besonders mutig waren Sie auch nie. Da brauchen wir nur Herrn Dr. Androsch zu fragen oder bei Herrn Prof. Norbert Leser nachzuschlagen, in seinem aufschlussreichen Büchlein "... auf halben Wege zu halber Tat ..." So heißt es dort beispielsweise: "Fischer ist nicht der über den Dingen stehende Staatsmann, in dessen Pose er sich gerne wirft. Er bleibt stets der Parteimann und bricht, wenn es um wesentliche Dinge geht, alle Stäbe für die Partei" (S. 184). Sie betonen zwar immer Ihre Unabhängigkeit als zweiter Nationalratspräsident. Warum haben Sie dann Ihre Parteivorsitzendenstellvertreterfunktion nicht bereits zurückgelegt, als Sie erster Nationalratspräsident wurden?

Und Leser schreibt weiters: "Kreisky hat Fischer nicht zuletzt wegen dieser Haltung (nämlich im Fall Androsch auf Tauchstation zu gehen) mir gegenüber, aber auch vielen anderen, die als Ohrenzeugen fungieren können, als 'jämmerlich feig' qualifiziert." (S. 182)

Tut mir leid, Herr Dr. Fischer, aber man muss es jetzt sagen, wie Sie 40 Jahre lang stromlinienförmig durchgetaucht sind durch die österreichische Politik, sozusagen als "Mann ohne Eigenschaften". Denn nach der Wahl wäre es zu spät.

Univ.-Prof. Dr. Bernd Schilcher

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