Ärztekammer fordert mehr Geld für Forschung und Entwicklung

Nur 1,96 Prozent vom Bruttoinlandprodukt - Im OECD-Ranking weit abgeschlagen

Wien (OTS) - Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Österreich betrugen im letzten Jahr 1,96 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP). Damit liegt Österreich zwar vor Ländern wie Griechenland, Portugal und Spanien, aber weit hinter OECD-Ländern wie Schweden (3,8 Prozent), Finnland (3,3 Prozent), Japan (2,9 Prozent), den USA (2,8 Prozent) und der Schweiz (2,6 Prozent). Die Ärztekammer befürchtet nun einen massiven Wettbewerbsnachteil für Österreich.****

"Obwohl die Zielsetzung der österreichischen Regierung eine verstärkte Investition in Forschung und Entwicklung darstellt, konnte sie ihre eigenen Vorgaben (2 Prozent BIP-Anteil für 2003 und 2,5 Prozent bis 2006, Anm.) bis dato nicht erfüllen", kritisiert Thomas Szekeres, Forschungsreferent der Ärztekammer für Wien.

Ein besonderes Problem stelle die Struktur der Forschungsaufwendungen nach Finanzierungssektoren dar. "Wir haben in Österreich einen sehr hohen Anteil der öffentlichen Hand, die im Schnitt 40 Prozent der Forschungsausgaben finanziert. Der Beitrag des heimischen Unternehmenssektors ist hingegen mit ebenfalls 40 Prozent im internationalen Vergleich äußerst niedrig. Er liegt deutlich unter den entsprechenden Anteilen in forschungsintensiven Ländern wie Schweden, USA oder Finnland."

Die Grund dafür liegt laut Szekeres in der heimischen Wirtschaftsstruktur: "In Österreich haben wir nur wenige forschungsintensive und innovative Firmen und oft den Versuch, mit einfachen Produkten international zu punkten." Dies sei auch der Grund dafür, warum das hohe Lohnniveau in Österreich besonders schmerze. Szekeres: "Für Länder mit unserer wirtschaftlichen Struktur bedeuten Billiglohnländer eine viel größere Gefahr, als sie es beispielsweise für die Schweiz darstellen."

In der Schweiz seien Pharma- und Lebensmittelkonzerne wie Novartis, Roche oder Nestle wesentliche wirtschaftliche Faktoren. "Hier kommt es bei den Produkten viel mehr auf die innovative Entwicklung als auf die billige Produktion an." Voraussetzung dafür seien teure Entwicklungen, die dort auch finanziert würden.

Die Lehre für Österreich könne daher nur sein, verstärkt in Forschung zu investieren und die Vernetzung zwischen Universität und Industrie zu vereinfachen. Dadurch könnten beide Seiten profitieren. Szekeres: "Im Bereich der Pharmaforschung gibt es in Österreich kaum industrielle Forschung, was durch eine vereinfachte Zusammenarbeit mit den Universitäten, die während der vergangenen Jahre hohe Leistungsfähigkeiten bewiesen haben - man denke nur an die Steigerung des wissenschaftlichen Outputs am neuen AKH -, möglich gemacht werden sollte."

Die wirtschaftlichen Vorteile für Österreich lägen jedenfalls auf der Hand, "oder nimmt wirklich jemand an, in der Schweiz würde man in Forschung und Entwicklung investieren, ohne einen entsprechenden Gewinn davon zu haben?", so Szekeres abschließend. (hpp)

Rückfragen & Kontakt:

Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223 od. 0664/1014222
Fax: (++43-1) 51501/1289
hpp@aekwien.or.at
http://www.aekwien.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAW0001