"Presse"-Kommentar: Echte Panzer statt falscher Truthähne (von Wieland Schneider)

Ausgabe vom 13.April 2004

Wien (OTS) - Eigentlich wollte der US-Präsident ein geruhsames Osterwochenende verbringen. Doch die unheilschwangere Zahlenkombination 9/11 und das böse V-Wort haben ihm die Feiertage gehörig vermiest. George W. Bush sieht einer der schwersten Krisen seiner Amtszeit entgegen. Jedes Dokument, das ans Licht kommt, erschüttert seine Glaubwürdigkeit in der Frage, ob sein Team wirklich alles unternommen hat, um die Anschläge vom 11. September zu verhindern. Kaum hatte er gehofft, seine smarte Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice habe für ihn die Kastanien aus dem Feuer geholt, scheint es, als könnte die sich an ihren jüngsten Aussagen noch die Finger verbrennen.

Und auch im Irak sind die Zeiten, da Bush Feiertage strahlend mit Plastik-Truthähnen und jubelnden Soldaten begehen konnte, längst vorbei.

Die Bilder, die die Amerikaner zum Osterfest in die Wohnzimmer serviert bekamen, zeigten Panzer und verwundete GIs _ und sie glichen gespenstisch jenen Aufnahmen, die in den Tages des Feldzuges gegen Saddam Hussein gemacht worden waren.
Dass von "Mission erfüllt!" keine Rede sein kann, wird nun auch in den USA immer klarer. Und das schlägt sich in den für Bush immer schlechteren Umfrageergebnissen nieder.
In Zeitungskommentaren und Angriffen des politischen Gegners taucht auch immer öfter das Schreckgespenst "Vietnam" auf.
Zwar haben die irakischen Rebellen nicht die gleiche Schlagkraft wie damals die Heerscharen von Ho Tschi-Minh. Und die Häuserzeilen von Falluja sind nicht der Dschungel von Indochina.
Doch auch im Irak macht sich nun etwas schmerzhaft bemerkbar, woran die USA schon in Vietnam gelitten haben: das völlige Fehlen einer politischen und militärischen Exit-Strategie.

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