"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Harmoniebedürftig" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 13.04.2004

Wien (OTS) - Der politische Osterfriede hat gut getan. Die Hände schüttelnden, Tiere streichelnden, Kinder küssenden, sich vor jede Fernsehkamera und jedes Mikrofon drängenden Präsidentschaftskandidaten sind wohl niemandem abgegangen.
Heute ist die Verschnaufpause zwar zu Ende, aber zum Glück ist das Ende absehbar: In zwei Wochen sind Wahlen, und danach ist der Spuk vorbei. Dann werden wir wieder über die Straße gehen können, ohne über verkehrs- und sichtbehindernde Dreieckständer zu stolpern, und niemand wird sich mehr fragen, ob das Verteilen von Mannerschnitten irgendeinem Fairnessabkommen widerspricht.
Hoffen wir, dass dann endlich die wirklich drängenden Fragen der österreichischen Innenpolitik angegangen werden, allen voran die Pensionsharmonisierung. Die Jungen haben einen Anspruch darauf, bald zu wissen, unter welchen Bedingungen sie einst in Pension gehen können. Je später die Entscheidung fällt, desto schneller wird die Umstellung passieren müssen.
Derzeit will die ÖVP die Beamten vor Einbußen bewahren und die SPÖ alle bisherigen Reformen ungeschehen machen. Die Grünen halten sich wie üblich bedeckt, und die FPÖ ist zu schwach, um die Harmonisierung rasch durchzudrücken. Also geschieht gar nichts.
Schade ist nur, dass die beiden Präsidentschaftskandidaten zu diesem Thema so wenig zu sagen haben. Wenn sie schon künftig die moralische Instanz in diesem Land verkörpern wollen, könnten sie mit ihren Worten zumindest Druck machen. Aber wer verscherzt es sich schon gerne mit Wählergruppen, deren Stimmen vielleicht über Sieg oder Niederlage entscheiden?

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