AKNÖ stellt fest: Die Zahl der Mängel im Baugewerbe steigt dramatisch

Beim Hausbau ist Zeit oft Mangelware - Schlamperei ist die Folge Wien (AKNÖ) - Im letzten Jahr wurden von der AKNÖ 279 Fälle von Gewährleistungsforderungen im Baugewerbe zur Beurteilung herangezogen. Dabei zeigte sich: In den meisten Fällen ist nicht etwa das Material schuld an Baumängeln, sondern eine entsprechende Unkenntnis der baulichen Zusammenhänge oder eine schlampige Ausführung.

Nicht erst seit dem Film "Hinterholz 8" wissen Herr und Frau Österreicher, wie schnell sich der Traum vom Hausbau in einen Alptraum verwandeln kann. Eine Untersuchung der Niederösterreichischen Arbeiterkammer zeigt, dass die Mängel bei baulichen Werkleistungen ständig zunehmen: Vom Jahr 2002 auf 2003 stieg die Zahl derer, die in der Konsumentenschutzabteilung der AK Niederösterreich Rat und Hilfe suchten, um 11 Prozent.
Von den zur Studie herangezogenen 279 Gewährleistungsforderungen, die die AKNÖ im letzten Jahr bearbeitet hat, waren 118 Fälle direkt dem Bauhauptgewerbe und 161 dem so genannten Baunebengewerbe (Fliesenleger, Zimmerer, Dachdecker) zuzuordnen.

Drei Viertel aller Mängelrügen berechtigt

Die AKNÖ unterzog die von den Konsumenten beanstandeten Mängel einer fachkundigen Überprüfung, und dabei hat sich in drei von vier Fällen die Mangelhaftigkeit bestätigt. Bei einem Drittel all dieser nachgewiesenen Mängel handelte es sich um so genannte gebrauchshindernde Mängel, die unverzüglich zu beheben sind, um schwerwiegende Folgeschäden zu verhindern. Dazu zählen unter anderem mangelhafte oder fehlende Feuchtigkeitsisolierungen bei Kellerwänden oder sich lösende Wandverputze. "In einem Fall mussten wir sogar eine statische Unterdimensionierung eines tragenden Bauteils feststellen", berichtet Ing. Helmut Schafrath, Bauexperte der AKNÖ.

Zeitmangel durch Wettbewerbsdruck

Insgesamt sei zwar die Zahl der Mängel gestiegen, allerdings habe deren Schwere abgenommen, freut sich Schafrath: "In den meisten Fällen haben wir es mit Schlamperei durch Zeitdruck zu tun." Denn bei rund 70 Prozent der begründeten Gewährleistungsforderungen spielt nämlich der Zeitfaktor eine wesentliche Rolle: "Oft wird der vereinbarte Beginn der Bauarbeiten nicht eingehalten", meint Schafrath. Solche Verzögerungen seien aber nicht etwa auf die Witterungsverhältnisse zurückzuführen, sondern auf den enormen Zeitdruck, der im Baugewerbe allgegenwärtig ist: Die Firmen unterbieten sich gegenseitig nicht nur finanziell, sondern auch in der veranschlagten Arbeitsdauer, um ihre Aufträge zu erhalten.

Fachkräfte ausbilden statt Hilfspersonal anlernen!

Durch den daraus gestiegenen Arbeits- und Leistungsdruck würden einzelne Bauarbeiter oder auch ganze Arbeitspartien dann oft sehr kurzfristig von Baustelle zu Baustelle umgeschichtet bzw. es wird überhaupt nur Hilfspersonal angelernt. "Angelernte Hilfsarbeiter verfügen nur über oberflächliche Kenntnisse, wenn es aber darauf ankommt, fehlt das nötige Fachwissen", so der Experte.
Auch AKNÖ-Präsident Josef Staudinger kritisiert die derzeitige Situation: "Wenn niemand mehr bereit ist, Lehrlinge auszubilden, um sie zu echten Fachkräften zu machen, wird die Zahl der Mängel im Baugewerbe so schnell nicht abnehmen."

Die Konsumentenschützer der AKNÖ raten im Falle festgestellter Mängel zu einer "Mängelrüge": Dabei wird der Auftragnehmer in einem eingeschriebenen Brief auf die Mängel aufmerksam gemacht und ihm wird eine Frist von etwa zwei bis drei Wochen zur Behebung gesetzt. Ab dem Zeitpunkt dieser Fristsetzung kann der Auftraggeber den Rechnungsbetrag - oder eben jenen Teil davon, den die Verbesserungskosten ausmachen - einbehalten.

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AKNÖ Konsumentenberatung, Ing. Helmut Schafrath
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