Donna Leon über Bush, Terror und den SP-FP-Pakt

Wien (OTS) - Zum bevorstehenden Erscheinen ihres Brunetti-Romans "Verschwiegene Kanäle", der sich mit üblen Machenschaften des Militärs befasst, nimmt die amerikanisch-italienische Bestseller-Autorin Donna Leon in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe ausführlich zu politischen Themen Stellung.

Leon über den Irak-Krieg: "Wenn einer zynischerweise annimmt, das Ziel könnte gewesen sein, Ölreserven für westliche Firmen zu sichern -, so ist die USA möglicherweise nahe daran, wenigstens dieses Ziel zu erreichen. Aber da ich nicht weiß, warum es diesen Krieg überhaupt gibt, weiß ich auch nicht, ob irgendwelche Ziele erreicht wurden. Ich weiß nur, dass viele arme Menschen auf beiden Seiten getötet oder um ihre Gliedmaßen gebracht werden. Ich bin 61 und daher alt genug, die Großmutter dieser Kinder zu sein, die mit 18, 19, 20 einfach sterben. Jedes Mal, wenn ich über diese Kinder auf beiden Seiten lese, fällt mir ein, dass ihnen 50 Jahre ihres Lebens gestohlen wurden."

Über George Bush: "Ich glaube nicht, dass es fair ist, von George Bush logisches Denken im Hinblick auf Ursache und Wirkung zu verlangen. Das wäre zu viel verlangt. Ich habe gelesen, er bekommt nur eine bestimmte Menge Information, und die glaubt er bedingungslos. Diese beschränkte Information ist die Grundlage seines Handelns. Würde man neben ihm sitzen und ihm zuhören - wenn er denn überhaupt fähig wäre, darüber zu reden -, so könnte man den Mund vor Staunen wahrscheinlich gar nicht zubringen. Ich habe keine Hoffnung, dass er abgewählt wird. Wir in Europa haben ja üblicherweise Kontakt zu den Amerikanern, die etwas Bildung mitbekommen haben. Wir lesen maximal die Washington Post, die New York Times, den New Yorker. Was wir nicht lesen, sind die Provinzblätter in den Kaffs. Die Leute, mit denen wir nicht sprechen, sind diejenigen, die ehrlich meinen, Amerika sei anders und besser als andere Länder. Und dass die Amerikaner ehrlich dazu beitragen wollten, die Welt zu einem besseren Platz zu machen. Die Mehrheit der Amerikaner glaubt das. Und das sind genau die Leute, die Bush zum erstenmal wählen werden - denn beim letzten Mal ist er ja eigentlich nicht gewählt worden. "

Über den Terror gegen Europa: "Europa hatte seine Chance, aber einige europäische Länder wie Spanien, Italien und England entschieden sich für die Invasion der USA im Irak. Jetzt leben sie mit den Folgen. Es tut mir leid, dass sich unser aller Leben so geändert hat. Ich telefonierte gestern mit meiner Freund Peggy in New York. Sie hat in der U-Bahn zwei schwer bewaffnete Soldaten mit Maschinenpistolen gesehen. Das ist wohl die Art und Weise, in der wir jetzt leben werden. Nicht als Folge der Anschläge vom 11. September, sondern als Folge der US-Invasion im Irak. Europa hat sich dafür entschieden, angst zu haben, wenn ein Mann mit Bart in ein Flugzteug steigt. Ich persönlich würde es vorziehen, nicht so zu leben. Aber nochmals: Europa zahlt den Preis."

Über den rot-blauen Pakt in Kärnten: "Die Kommunisten in italien hatten fünf Jahre Zeit, sich um die Geschäfte zu kümmern, aber sie taten nicht viel. Sie waren zu beschäftigt damit, nett zu Berlusconi zu sein. Berlusconi kam wieder an die Spitze, weil die Leute ihn wollten. Und ich denke, dasselbe ist der Fall mit Haider. Niemand wird mit vorgehaltener Waffe zu einer Wahl gezwungen. Wie ich von meinen österreichischen Freunden - lauter Linke - weiß, achtet Haider auf seine Angelegenheiten und darauf, sie zu placieren, wo auch immer er das kann. Darauf reagieren die Leute."

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