ibw-Studie: Jeder zweite Lehrbetrieb hat Schwierigkeiten geeignete Lehrlinge zu finden

Unternehmen sehen Defizite der Lehranfänger vor allem im schriftlichen und mündlichen Ausdruck sowie im Rechnen - Hohe Zufriedenheit mit EDV-Kenntnissen der Jugendlichen

Wien (PWK239) - Die Frage der Vorbildung und Eignung von Lehranfängern ist in der aktuellen Lehrstellendiskussion von zentraler Bedeutung. Dies zeigte sich bei der heute, Mittwoch, vom Präsidenten des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw), Michael P. Walter, und den beiden Bildungsforschern Arthur Schneeberger und Monika Thum-Kraft präsentierten Studie zu den "Eingangsqualifikationen von Lehranfängern".

"Auf der einen Seite sehen wir, dass die Situation am Lehrstellenmarkt weiterhin von einem Bewerberüberhang gekennzeichnet ist. Auf der anderen Seite aber gibt es eine große Zahl von Unternehmen, die keine geeigneten Lehrlinge finden", erklärt Walter. Die ibw-Studie leistet auf Basis empirischer Evidenz einen Beitrag zum besseren Verständnis dieser Situation. So zeigen die Ergebnisse, dass sich Betriebe von Jugendlichen, die sich um eine Lehrstelle bewerben, Basisqualifikationen schulischer Art (Rechnen, schriftliche und mündliche Ausdrucksfähigkeit) sowie Kompetenzen im sozialen Verhalten erwarten.

Die konkreten Anforderungen unterscheiden sich zwischen den Lehrberufen: Bei den technisch-gewerblichen Lehrberufen steht Mathematik an der Spitze der wichtigsten Vorkenntnisse. Allerdings sind diese für mehr als die Hälfte der Unternehmen nicht zufriedenstellend.
Bei den kaufmännischen Lehrberufen wird vor allem auf die schriftliche Ausdrucks- und Rechtschreibfähigkeit in Deutsch sowie EDV-Kenntnisse Wert gelegt.
"45 Prozent der Ausbildungsbetriebe sehen allerdings Mängel im mündlichen und schriftlichen Ausdruck bei Lehrlingen im Beruf Berufkaufmann/-frau. Das EDV-Wissen der Jugendlichen wird hingegen als gut bis sehr gut eingestuft", fasst Walter die Untersuchungsergebnisse zusammen. Bei den gewünschten bzw. vorausgesetzten "softskills" rangieren Benehmen/Umgangsformen, Pünktlichkeit, Lern- und Leistungsbereitschaft sowie Teamfähigkeit/Kooperationsbereitschaft an erster Stelle.

Die meisten Betriebe berücksichtigen die Schulnoten bei der Auswahl von Lehrlingen, doch knapp die Hälfte der Betriebe ist der Ansicht, dass "man sich nicht mehr richtig auf die Noten verlassen kann", ergibt die ibw-Studie. Daher vertrauen diese Unternehmen auch vermehrt Eignungsverfahren: 58 Prozent der befragten Unternehmen halten diese für wichtig. Diesem Umstand, so Präsident Walter im Anschluss an die Studien-Präsentation, trage das ibw mit dem eigens für kleine und mittlere Unternehmen entwickelten "ibw-online-Eignungsverfahren" Rechnung: "Mit diesem Instrument haben Unternehmen ein einfaches Instrument zur Hand mit dem den spezifischen Anforderungen entsprechend ein fundierter Test zur Auswahlhilfe generiert werden kann." Die Bearbeitung und Auswertung erfolgt standardisiert und EDV gestützt online. Die Ergebnisse stehen unmittelbar nach der Beendigung zur Verfügung.

Die Studie steht unter www.ibw.at zum download zur Verfügung:
Schneeberger, Arthur, Petanovitsch, Alexander:
Eingangsqualifikationen von Lehranfängern; Analysen und Schlussfolgerungen, Wien, 2004.
Ausgangspunkt für die Studie waren Befragungen von Lehrbetrieben und von Berufsschülern, die 2003 für das BMBWK durchgeführt wurden. Die Auswertung und Interpretation dieser Ergebnisse sowie deren Verknüpfung mit statistischen Hintergrunddaten und Ergebnissen anderer Erhebungen wurden von der WKÖ beauftragt.
Weitere Informationen zu den ibw-online-Eignungsverfahren erhalten Sie unter www.ibw.at bzw. unter 01 5451671-13. (Ne)

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