Nephrologen lehnen vierte Dialyse-Schicht im Sinne der Patienten auf Dauer ab

Wien (OTS) - Die aktuelle Diskussion über die Situation an den Wiener Dialysestationen veranlasst die Österreichische Gesellschaft für Nephrologie (ÖGN) sowie die Wiener Primarärzte für Nephrologie, darauf hinzuweisen, dass sie bereits seit Jahren auf die drohende und nun eingetretene Engpasssituation in der Versorgung terminal niereninsuffizienter Patienten wiederholt aufmerksam gemacht haben. Tatsache ist, dass heute an zwei von sieben Wiener Dialysezentren Hämodialysepatienten in der sogenannten vierten Schicht behandelt werden. Unter vierter Schicht wird eine Nachtdialyse mit Beginn rund um Mitternacht und Ende in den frühen Morgenstunden verstanden.

Ablehnung der vierten Schicht als Dauerlösung

Ohne den entsprechenden und zeitgerechten Ausbau der Ressourcen war die heutige Situation, in der Patienten in der sogenannten vierten Schicht dialysiert werden, nicht zu verhindern. Die Nephrologen weisen darauf hin, dass diese vierte Schicht international nicht üblich ist. Daher wird sie von den behandelnden Ärzten - im Sinne und zum Wohle der Patienten - aufgrund der Beeinträchtigung des Biorhythmus, des sozialen Umfeldes sowie der Lebensqualität auf Dauer abgelehnt.

Dialysesituation in Wien in Zahlen

Heute können in Wien bei 100%iger Auslastung mit den korrekt systemisierten Ressourcen - exklusive Kinderklinik im AKH - 572 Dialysepatienten behandelt werden. Im AKH können 144 Patienten dialysiert werden, im SMZ-Süd 36, im Krankenhaus Lainz 48, in der Rudolfsstiftung 96, im SMZ-Ost 48, im Wilhelminenspital 120 sowie im Hanusch-Krankenhaus 80.

Per 1. Januar 2004 wurden in Wien allerdings 635 Patienten hämodialysiert, was bedeutet, dass 63 Patienten auf nicht systemisierten Hämodialyseplätzen - als Notlösung - behandelt wurden. Bei den nicht systemisierten Dialyseplätzen handelt es sich um Akutdialyseplätze sowie um die sogenannte vierte Schicht.
"Die Zuwachsrate an Dialysepatienten in Wien liegt seit Jahren konstant bei 6 Prozent", erklärt der Präsident der ÖGN, Univ.-Prof. Dr. Josef Kovarik und weist auf den weiterhin wachsenden Bedarf an Dialyseplätzen hin. Die Nephrologen betonen aber auch, dass die Dialysebehandlung auf höchstem, internationalen Standard und ohne Zugangsbeschränkung erfolgt.

Lösungsvorschlag der Nephrologen

Die Nephrologen sind sich einig, dass zur Lösung der heutigen Situation im Sinne der Patienten die maximale Kraftanstrengung aller am Gesundheitssystem Beteiligten notwendig ist. Konkret schlagen die ÖGN und die Wiener Primarärzte für Nephrologie folgendes vor:

Als Akutlösung wird eine rasche Eröffnung von vorhandenen Zusatzkapazitäten im Hanusch-Krankenhaus (40 Patienten) sowie eine Inbetriebnahme der sechs freien Hämodialyseplätze im SMZ-Süd (36 Patienten) vorgeschlagen. Damit könnten akut 76 Patienten in einen systemisierten Schichtbetrieb übernommen werden. Durch diese Vorgangsweise könnte die vierte Schicht in Wien beendet und ein Großteil der Akutdialyseeinrichtungen entlastet werden.

Ein Stufenplan zur Lösung der Wiener Dialysesituation bis zum Jahr 2010 wird in Abstimmung mit dem Büro der Stadträtin für Gesundheit, dem KAV, den Planungsökonomen des Gesundheitsministeriums, dem Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen, den Sozialversicherungsträgern sowie der Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie und den Wiener Primarärzten für Nephrologie innerhalb des zweiten Quartals 2004 formuliert und danach umgehend bekannt gegeben.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichische Gesellschaft für Nephrologie &
Wiener Primarärzte für Nephrologie,
Univ.-Prof. Dr. Josef Kovarik,
Tel.: 01/49150-2321

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