"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die träge Konjunktur wird vor allem von Angsthasen gebremst" (von Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 06.04.2004

Graz (OTS) - Zuerst wollte der Winter nicht enden. Jetzt wehen endlich laue Lüfte. Aber von einem "Konjunkturfrühling" ist nichts zu spüren und auch nichts zu hören. Statt dessen strapazieren Wirtschaftsforscher wenig lustvolle Bilder, wenn sie die wirtschaftlichen Aussichten für die allernächste Zeit umschreiben:
Es gäbe nur "Fastenspeise statt Osterkuchen". Auf gut Deutsch:
Schmalhans bleibt Küchenmeister der Nationalökonomie.

Die Hoffnungen auf den in den letzten Monaten so häufig beschworenen Aufschwung sind wieder ziemlich verblasst. Je nach Temperament nennen die professionellen Beobachter das aktuelle Wirtschaftsgeschehen eine "Wachstumspause" oder eine leichte Erholung, die sich wieder verlangsamt habe und hoffentlich nicht komplett abbrechen wird.

Das Erstaunliche an dieser konjunkturellen Lustlosigkeit in ganz Europa sind die aktuellen Rahmenbedingungen: Selten waren die weltwirtschaftlichen Voraussetzungen für kräftigeres Wachstum der EU so günstig wie jetzt: In den USA deutet heuer alles auf ein Wirtschaftsplus von 4,5 Prozent hin. Und der Welthandel dürfte sogar um stolze 7,5 Prozent zulegen. Dieses Szenario drängt die Frage auf:
Wann, bitteschön, soll unsere Wirtschaft überhaupt noch durchstarten,
kräftig wachsen, wenn nicht jetzt?

Offensichtlich sitzt unsere Konjunkturbremse hauptsächlich in den Köpfen. Es fehlt schlicht und einfach der Wille zum Wachstum. Wenn alle pesimistisch sind - Manager wie Konsumenten -, dann wird weniger produziert, wird gespart und geknausert. Dann verknappt sich der Treibstoff für die Wirtschaft, wird deren Betriebsklima immer schlechter, droht schließlich die Stagnation. Werbesprüche, die suggerieren, Sparen sei die höchste Tugend, liegen eher daneben.

Hier soll nicht dem Konsumwahn oder einem Massenleichtsinn beim Geldausgeben das Wort geredet werden. Aber eine ordentliche Portion Skepsis gegenüber allerlei medial hochgespielten, konfusen Krisenszenarien und widersürpchlichen wie absichtsvollen Prognosen ist angebracht. Wir sollten uns auch nicht vom miserablen Klima beim vor allem aus innen- wie parteipolitischen Gründen gestrauchelten früheren Exprotweltmeister Deutschland anstecken lassen.

Unsere Abhängigkeit vom Ex-Haupthandelspartner Deutschland, der bloß noch ein Drittel unserer Exporte kauft, ist gering geworden. Er kann unser Wachstum gerade noch um drei Zehntelprozentpunkte beeinflussen. Ob Österreichs Wirtschaft mehr oder weniger floriert, ist großteils hausgemacht. ****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001