"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Verhinderer schlüpft in die Rolle des Aufklärers" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 03.04.2004

Graz (OTS) - Wenn er denn gehe, dann "erhobenen Hauptes". Nach
der ersten Anhörung durch den Estag-Untersuchungsausschuss machte Herbert Paierl den Eindruck, als wolle er erhobenen Hauptes auf der Regierungsbank sitzen bleiben. Mit den Fragestellern hatte er auch leichtes Spiel. So unbeholfen stellten sie sich an. In Kenntnis der handelnden Personen ist auszuschließen, dass es sich um ein taktisches Manöver handelte, um die Politiker in Sicherheit zu wiegen, ehe sie in die Enge getrieben werden.

Worauf warteten die Mitglieder des Untersuchungsausschusses? Dass sie den Landesrat einer verbotenen oder gar strafbaren Handlung überführen können? Dass ihnen Gerhard Hirschmann auf dem Silbertablett das Messer serviert, mit dem sie zustechen können? Dass einer der mit Millionen abgefertigten Ex-Vorstände von Reue übermannt wird und ein Schuldbekenntnis ablegt?

Der Ausschuss kann nicht alles und jedes untersuchen. Er soll sich auf die Frage beschränken, warum es der Eigentümer zugelassen hat, dass der zerstrittene Vorstand handlungsunfähig wurde und das Unternehmen in die Krise stürzte.

Der Eigentümervertreter heißt seit 2001 Paierl. Es stimmt, dass Hirschmann vor seinem Wechsel in die Energieholding davon schwärmte, die Estag zur Eventfirma im Tourismus zu machen und sich anfangs im "Palazzo Prozzo" auch wohl fühlte, doch ist ebenso richtig, dass er nach wenigen Wochen auf Missstände und Unvereinbarkeiten aufmerksam machte.

Paierl, der vor seinem Einstieg in die Politik selbst im Konzern tätig war, hat alles gewusst. Auch davon, dass Hirschmann von einer Mehrheit des Aufsichtsrates im Zusammenspiel mit seinen beiden Vorstandskollegen handstreichartig entfernt hätte werden sollen. Schon im Sommer 2003 und nicht erst Anfang 2004, als die Konsequenzen gezogen wurden, kam es zur Lähmung des dreiköpfigen Estag-Vorstandes.

Ein Eigentümer, der anderes im Sinn gehabt hätte als Hirschmann anrennen und scheitern zu lassen, hätte rechtzeitig eingegriffen. Paierl spielte jedoch weiter heile Welt, pries die Super-Performance und träumte vom Börsegang. Da der Rechnungshof die Vorwürfe bestätigt hat und die Bilanz für 2003 schlecht ausfallen wird, schlüpft der Verhinderer nun in die Rolle des Hintergangenen, der erstaunt Aufklärung verlangt, was in der Estag passiert ist.

Mit Paierl wird Waltraud Klasnic der versprochene "Neustart" in der Estag nicht glaubhaft gelingen. ****

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