WK-Direktor Hofer: Wiener GKK soll sich endlich an OÖ. GKK ein Beispiel nehmen

Spargesinnung ohne Leistungsverlust für Patienten und Versicherte - Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens erfordert Reform- und Spargesinnung auch in Wien

Linz (OTS) - Völlig zu Recht wurde diese Woche der zwischen der Wiener Ärztekammer und der Wiener Gebietskrankenkasse ausverhandelte Kassenvertrag durch den Hauptverband der Sozialversicherungsträger gekippt, ist WKOÖ-Direktor Dr. Christian Hofer in seiner Eigenschaft als Arbeitgebervertreter und Obmann des Kontrollausschusses der OÖ. Gebietskrankenkasse überzeugt. Der vorgeschlagene Tarifabschluss reihe sich nahtlos an den jahrelangen Defizitkurs der Wr. GKK und lasse jedwede Spargesinnung und Effizienzsteigerung vermissen. Oberösterreichs GKK habe im Gegensatz zu Wien in den letzten Jahren bewiesen, wie erfolgreich ein Umdenken in der Kassenpolitik und ein effizienter Sparkurs eingeschlagen werden könne - bei gleich hohem Niveau der Gesundheitsversorgung der Versicherten und Patienten. Es bedürfe daher auch keiner zusätzlichen Interpretation, dass die Kosten pro Versicherten für ärztliche Hilfe in Wien um sage und schreibe 32 % über jenem Wert in Oberösterreich liege. An dieser Kritik ändert auch das per Verfassungsgerichtshof-Urteil vereitelte Zwangsdarlehen für die Wr. GKK, bei dem einmal mehr die OÖGKK und damit die oö. Arbeitgeber und Arbeitnehmer und dem fragwürdigen Titel "Solidarität" schwer zur Kasse gebeten worden wäre, nichts.

WK-Direktor Hofer versteht auch keineswegs die Empörung von Sozialminister Herbert Haupt, Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck, der Oppositionsparteien oder des ÖGB, die offensichtlich mit ihrem JA zum Wiener Kassendeal eine Fortsetzung des schwer defizitären Gesundheitssystems auf Kosten anderer akzeptiert hätten. Er kritisiert auch die Anhänger des von der
Wr. Ärztekammer und der Wr. GKK beabsichtigen Weges, die verantwortungslos an keiner Reform des Gesundheitssystems, bei der selbstverständlich auch die dauerhafte Finanzierbarkeit eine wesentliche Rolle zu spielen hat, interessiert sein dürften. Vor allen in der Wr. Gebietskrankenkasse gaukle man der Bevölkerung vor, nur mit horrenden Kosten, allenfalls sogar mit Beitragserhöhungen das Gesundheitssystem aufrecht erhalten zu können. "Ein Blick nach Oberösterreich beweist, dass es auch anders geht," argumentiert WK-Direktor Hofer und ist sich dabei mit Dr. Manfred Kerle als Obmann-Stv. Der OÖ. GKK völlig einig. Der Verwaltungsrat habe daher völlig richtig die Kostenbremse gezogen und damit ein eindeutigen Signal für ein effizienteres, sparsameres Gesundheitswesen auch in Wien votiert.

OÖ. GKK beweist Effizienz und Sparsamkeit

Dass effektives und effizientes Wirtschaften überhaupt nicht zu Lasten des Patienten gehen muss, zeigt sich etwa darin, dass Oberösterreich beim Krankengeldbezug das gesetzlich mögliche Höchstmaß von 78 Wochen ausgeschöpft hat, während viele andere Kassen - wie auch die Wiener GKK - nur 52 Monate Höchstbezugsdauer in ihrem Leistungskatalog haben. Überdurchschnittliche Leistungen bietet die OÖGKK ihren Versicherten und deren Angehörigen auch bei der medizinischen Rehabilitation an, wobei die Ausgaben je Versicherten deutlich über dem allgemeinen GKK-Durchschnitt liegen. Oder ein anderes Beispiel: Während die meisten anderen GKKs von den Patienten eine Zuzahlung von 50 % für den abnehmbaren Zahnersatz verlangen, liegt diese bei der OÖGKK beim gesetzlichen Minimum von 25 %. Auch im Bereich der Heilbehelfe ist die OÖGKK "Spitze". Oberösterreich hat bei Heilbehelfen und Heilhilfsmitteln mit Abstand die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben aller Gebietskrankenkassen. Dies heißt, dass in allen Bereichen die gesetzlich möglichen Höchstbeiträge zur Anwendung kommen.

Oberösterreich - Wien: kein Vergleich

Ein vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger ermittelter Effizienzvergleich beweist anschaulich, wie effizient die OÖGKK und wie ineffizient die Wiener GKK wirtschaftet: So liegt OÖ zB beim Heilmittelaufwand 9 % unter dem diesbezüglichen Kannwert, während die Wiener GKK um 11 % über demselben liegt.

Aber auch im Bereich des Heilmittelaufwandes wirtschaftet die OÖ GKK viel effizienter, ohne dass die Versorgungsqualität darunter leiden würde: So beträgt der Heilmittelaufwand je Anspruchsberechtigten in OÖ 228 Euro, in Wien hingegen 320 Euro.

Wien hat im Vergleich zu OÖ Kurswechsel verschlafen

Im Gegensatz zur Wiener Gebietskrankenkasse hat man in der OÖ GKK Strukturen und Finanzen schon längst in Ordnung gebracht: So ist es -in Kooperation mit der OÖ Ärztekammer - gelungen, durch mehr Effizienz die Versorgungsqualität sogar noch zu steigern. Aus den Fallzahlen pro Arzt ergibt sich auch, dass die oberösterreichischen Vertragsärzte mehr als ihre Kollegen in Wien arbeiten. Die höhere Ärztedichte in Wien ist teurer, was gleichzeitig keineswegs bedeutet, dass die Ärzte für ihre Patientinnen und Patienten mehr Zeit haben bzw ihnen länger zur Verfügung stehen. Außerdem müssen in OÖ - anders als in Wien - die Mediziner in der Ordination mindestens 20 Stunden pro Woche zur Verfügung stehen. Dass die vergleichsweise geringere Zahl an Vertragsärzten keineswegs zu Lasten der Gesundheit der oö. Bevölkerung geht, zeigt ein aktuelle spectra-Umfrage, wonach 85 % der oö Bevölkerung mit der Qualität der Betreuung durch ihren Allgemeinmediziner sehr zufrieden sind oder zufrieden waren.

Geringere Mittel - bessere Ergebnisse

"Solange man - wie Oberösterreich beweist - mit einem geringeren Mitteleinsatz bessere Ergebnisse erzielt, wäre es unverantwortlich, die exorbitant höheren Ausgaben der Wiener Gebietskrankenkasse und die damit verbundene Verschuldung derselben zu akzeptieren. Vor allem auch deswegen nicht, weil die Mehrleistungen, die sich die Wiener genehmigen wollen, von den anderen Bundesländern zu bezahlen sind. Die enormen Abgänge, die die Wiener GKK Jahr für Jahr zu verzeichnen hat, sind aber auch nicht auf die immer wieder strapazierten angeblichen Strukturnachteile zurückzuführen: So ist der Pensionistenanteil im Jahr 2003 in Wien nur geringfügig höher als in Oberösterreich gewesen. Hinsichtlich des viel entscheidenderen Anteils an kostenlos mitversicherten Angehörigen liegt Oberösterreich mit 29,26 % der Versicherten sogar weit vor Wien (24,82 %).

Pleitegeier schwebt über Wiener GKK

Die Wiener Gebietskrankenkasse hätte 2003 - hätte es die Leistungen aus dem Ausgleichsfonds nicht gegeben - ein Defizit von Euro 245 Mio. zu verzeichnen gehabt. Für 2004 wäre, da durch die höchstgerichtliche Rechtsprechung die Zahlungen aus dem Ausgleichfonds größtenteils wegfallen, ein ähnliches Defizit zu erwarten. Eine Zustimmung zu dem zwischen der Wiener Ärztekammer und Wiener Gebietskrankenkasse ausverhandelten Kassenvertrag wäre deshalb völlig unverantwortlich gewesen.

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