Caritas: Skandal - Familie mit Kindern in Traiskirchen auf die Straße gestellt

Ab Montag werden AsylwerberInnen zum Innenministerium geschickt

Wien (OTS) - "Wir sind entsetzt, enttäuscht und zornig!", so Tanja Kraushofer, die Leiterin der AusländerInnenhilfe der Caritas der Erzdiözese Wien. In einem Mail an das Innenministerium stellt sie eine Fortsetzung der dramatischen Unterbringungssituation von AsylwerberInnen fest. "An dem Tag, an dem der Bürgermeister von Wien, auf Grund der Hilferufe von Caritas und Diakonie, ein zusätzliches Notquartier zusagt, werden in Traiskirchen bei Einbruch der Dunkelheit zwei Familien, mit zwei Kindern, darunter eines im Volksschulalter einfach auf die Straße gestellt. Beide Familien (eine aus Armenien, die andere aus Syrien stammend) sind im Zuge einer internen EU Rückschiebung (Dublin-Verfahren) in Schwechat gelandet, von der Polizei nach Traiskirchen gebracht worden und von den dort 'Amtshandelnden' auf die Straße gestellt worden. Die armenische Familie, mit einem nierenkranken zehnjährigen Buben, hat sich nach dieser - nur noch als unmenschlich zu bezeichnenden - Aktion nach Wien durchgeschlagen und ist am vergangenen Mittwoch um 23.30 Uhr total erschöpft im Flüchtlingshaus Robert Hamerlinggasse angekommen."

Wird Zusage von Bürgermeister Häupl zur Entlastung von Traiskirchen missbraucht?

Für die Caritasfrau zeigt sich die "Unmenschlichkeit" der verantwortlichen Personen aber noch an einem anderen Faktum. Sie berichtet, dass sich gestern Donnerstag im Asylzentrum der Caritas 29 Menschen um ein Quartier bemüht haben, die alle am Mittwoch oder Donnerstag in Traiskirchen auf die Straße gestellt worden sind. "Es scheint, als wolle man die Zusage des Bürgermeisters von Wien gleich für eine Verlegung von Flüchtlingen aus dem Lager Traiskirchen nützen," ist Kraushofer empört und verweist auf die bereits ohne diese 29 neuen obdachlosen Asylwerber "mehr als angespannte Situation".

Ab Montag werden AsylwerberInnen ins Innenministerium geschickt

"Ich fordere Sie auf, diese unglaublichen Vorgänge zu stoppen und nicht weiter Menschen auf die Straße zu stellen. Wir werden ab Montag, 5.4. 2004, die Vermittlung von Schlafplätzen durch das Asylzentrum einstellen und die AsylwerberInnen ins Innenministerium schicken."

Keine "Elendsverwaltung" mehr im Caritas-Asylzentrum Mariannengasse

Zusätzlich zu den 700 Menschen, die von der Caritas der Erzdiözese Wien täglich in den fünf Flüchtlingshäusern versorgt werden, war die Notschlafstelle der Caritas für viele der letzte mögliche Zufluchtsort. Zugewiesen in diese Notschlafstelle wurden sie vom Caritas-Asylzentrum in der Mariannengasse. "Hier haben wir in den vergangenen Wochen nur noch 'Elendsverwaltung' betreiben können. Dazu sind wir nicht mehr bereit!" so Kraushofer. "Wir setzen unseren Plan um und werden die Menschen dorthin schicken, wo die politische Entscheidung zu treffen ist - zum Innenminister!"

Anfang der Woche hatte die Caritas der Erzdiözese Wien bereits Alarm geschlagen und den Negativrekord von 1000 Nächtigungen in der Notschlafstelle für den Monat März gemeldet. Ausgelegt für rund 25 Menschen war die Situation im März derartig angespannt, dass sich bis zu 45 Menschen in den Räumen drängten, um die kalten Schnee- und Regennächte nicht auf der Straße verbringen zu müssen, das negative Rekordergebnis: 1000 Nächtigungen in der Notschlafstelle. Auch in den fünf Flüchtlingshäusern waren bereits Matratzenlager ausgelegt worden. So nächtigen etwa im Flüchtlingshaus Robert-Hamerlinggasse statt der "normalen" 150 Menschen, derzeit 180.

"Doch diese Situation ist nicht mehr zu verantworten", so Tanja Kraushofer, die Leiterin der Ausländerhilfe der Caritas in Wien schon Anfang der Woche warnend. "Wenn die politisch Verantwortlichen in Bund und Gemeinden nicht zusätzliche Quartiere bereitstellen, werden wir in den kommenden Tagen, sobald es wieder wärmer ist, einen Aufnahmestopp aussprechen müssen." Das heißt: Menschen, die vom Bundesasylamt auf die Straße gestellt werden, werden auch dort ihre Nächte verbringen müssen. Denn der Bund nimmt seine Verantwortung in Hinblick auf die Unterbringung von AsylwerberInnen weiterhin unzureichend wahr. Kraushofer: "Aber unsere Möglichkeiten, hier den politischen Versäumnissen etwas entgegenzusetzen, sind ausgeschöpft. Wir können nicht mehr tun!"

Jetzt setzt die Caritas der Erzdiözese Wien diese Ankündigung um. Kraushofer: "Wir können nur noch die obdachlosen AsylwerberInnen, Frauen, Männer, die sich teilweise auch mit Kindern hilfesuchend an die Caritas wenden, mit einem Stadtplan über den ca. 30 Minuten langen Fußweg zum Innenministerium informieren, dort sind die Verantwortlichen für diese humanitäre Misere!"

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Peter Wesely
Pressesprecher Caritas der Erzdiözese Wien
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