Bartgeier und Steinadler fliegen wieder

Steinadler derzeit nicht mehr vom Aussterben bedroht / Bereits mehr als 100 junge Bartgeier in den Alpen ausgesetzt

Salzburg (OTS) Steinadler sind heutzutage in den Alpen nicht mehr aktuell bedroht, im Großen und Ganzen können die Bestände als gesichert und stabil gelten. Das ist eines der Ergebnisse der Artenschutz-Projekte "Steinadler in den Ostalpen" und "Wiederansiedlung der Bartgeier in den Alpen", die kürzlich bei den 16. Nationalparkwochen präsentiert wurden. Trotzdem wird der Steinadler als potenziell gefährdet angesehen, da Eingriffe des Menschen schnell wieder dazu führen können, dass sich der positive Trend umkehrt. Deshalb gehört der Steinadler zu den in den Europäischen Naturschutzrichtlinien (Natura 2000) besonders geschützten Vogelarten.
Kaum ein anderes Tier wird so sehr mit dem Lebensraum Alpen verbunden wie der Steinadler. Obwohl der Steinadler geradezu das Sinnbild für die Freiheit und Unberührtheit der Alpen geworden ist, war er auch hier nicht immer unumstrittener König der Lüfte. Übermäßige und unkontrollierte Jagd, aber auch Veränderungen des Lebensraumes haben bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in den Alpen so wie auch anderswo zu dramatischen Rückgängen der Adlerbestände geführt.
Das Gebiet der österreichisch-italienischen Alpen stellt einen bedeutenden europäischen
Lebensraum für Steinadler dar. Auf Initiative des Nationalparks Hohe Tauern wurde 2003 das Projekt "Aquilalp.net" ins Leben gerufen. "Aquilalp.net" hat sich zum Ziel gesetzt, in fünf flächenmäßig bedeutenden Schutzgebieten der Ostalpen den Bestand an Steinadlern zu erheben und nach einheitlichen Methoden zu dokumentieren. Im ersten Freilandjahr 2003 wurden insgesamt mehr als 230 Horstplätze und 58 Steinadlerbrutpaare dokumentiert. Das entspricht in etwa zehn Prozent des gesamten Steinadler-Bestandes in Österreich und Italien. Da Steinadler ihren Lebensraum sehr großflächig nutzen - ihre Territorien sind zwischen 30 und 100 Quadratkilometer groß -, können nur großräumige Schutzgebiete und übernational koordinierte Schutzstrategien das langfristige Überleben der Art sicherstellen. Die heuer erhobenen Zahlen verdeutlichen die Wichtigkeit der an diesem Projekt beteiligten Gebiete für den Schutz des Steinadlers in Europa. Die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Schutzgebiets-Verwaltungen bei diesem Projekt ist ein weiterer wichtiger Schritt zu einer überregional koordinierten Schutzstrategie für alpine Lebensräume.
Der Nationalpark Hohe Tauern umfasst insgesamt mehr als 1.800 Quadratkilometer, er bildet zusammen mit dem direkt angrenzenden Naturpark Rieserferner-Ahrn und dem ebenfalls angrenzenden Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen das größte zusammenhängende Schutzgebiet der Alpen. In den Hohen Tauern wurde die Erhebung des Steinadler-Bestandes durchgeführt. Insgesamt wurden 33 Steinadlerbrutpaare nachgewiesen, zwei weitere Brutpaare werden vermutet, konnten jedoch nicht definitiv bestätigt werden. Von 25 Paaren konnte der Verlauf der Brutsaison 2003 im Detail dokumentiert werden. Der Bruterfolg lag in den Hohen Tauern heuer bei 0,52 Jungvögeln pro Paar. Insgesamt wurden mehr als 150 Horste erfasst und dokumentiert. Damit beherbergt der Nationalpark Hohe Tauern zirka ein Zehntel des geschätzten österreichischen Gesamtbestandes an Steinadlern.
Dem Phantom der Alpen auf der Spur
Der Bartgeier galt alpenweit als ausgerottet. Der WWF Österreich (World Wide Fund For
Nature) und die Frankfurter Zoologische Gesellschaft betreiben seit 1977 ein Projekt zur Wiederansiedelung dieses größten heimischen Brutvogels. Bereits 1986 wurden die ersten Jungvögel im Krumltal bei Rauris ausgesetzt. Weit mehr als 100 Jungvögel konnten in der Zwischenzeit über die ganzen Alpen verteilt diesem Beispiel folgen. Ein Blick zurück auf das vergangene Jahr gibt Anlass zur Freude. 2003 feierte das Projekt zur Wiederansiedlung der Bartgeier große Erfolge:
Durch das Engagement der Mitarbeiter in Frankreich wurde gemeinsam mit dem Nationalpark Hohe Tauern ein EU-Life-Projekt verwirklicht. Bis 2007 hat die Europäische Union 60 Prozent der Projektkosten übernommen und mit diesem Schritt die europäische Bedeutung des Projekts unterstrichen. Am Life-Projekt beteiligen sich nun auch französische und italienische Nationalparks - ein wichtiger Schritt, um österreichische Bartgeier auf ihren Wanderungen quer durch die Alpen verfolgen zu können. Egal, wo sich ein Bartgeier in den Alpen aufhält, die Wahrscheinlichkeit, dass er von einem der rund 5.000 ehrenamtlichen Beobachter gesichtet und an den Nationalpark Hohe Tauern gemeldet wird, ist sehr hoch.
Diesem einzigartigen Beobachternetzwerk gelingen im Jahr rund 2.500 Beobachtungen. Viele der gesichteten Bartgeier können durch ihre Flügel-Markierungen identifiziert werden. In der Folge ist es heute möglich, die Population in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Vor einigen Wochen konnten nicht weniger als 82 unterschiedliche Individuen in den Alpen gezählt werden.
Aber nicht nur Greifvogelexperten ist es möglich, den Bartgeiern auf ihren Wanderungen im Alpenraum zu folgen. Seit kurzem können die Aufenthaltsorte der immer noch vom Aussterben bedrohten Art über das Internet abgefragt werden. Wo die Bartgeier stecken, erfährt man unter den Adressen www.bartgeier.ch/monitor und www.aquilalp.net.

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