Erich-Neuberg-Preis an Ulrich Seidl vergeben

Donnerstagabend für seinen Dokumentarfilm "Jesus, Du weißt" ausgezeichnet

Wien (OTS) - Ulrich Seidl ist der Erich-Neuberg-Preisträger 2003. Die jährlich vom ORF vergebene Auszeichnung für herausragende Regieleistungen des vorangegangenen Programmjahres wurde gestern, Donnerstagabend, im ORF-Zentrum von ORF-Programmdirektor Dr. Reinhard Scolik im Beisein von ORF-Generaldirektorin Dr. Monika Lindner an den Wiener Drehbuchautor und Regisseur für seinen Dokumentarfilm "Jesus, Du weißt" überreicht. Das bisher bereits mehrfach preisgekrönte ungewöhnliche Porträt von Menschen und ihrer ganz persönlichen Beziehung zu Jesus Christus war im September 2003 im ORF zu sehen und startet am 2. April 2004 in den heimischen Kinos. Der Erich-Neuberg-Preis ist mit 7.000 Euro dotiert.

ORF-Generaldirektorin Dr. Monika Lindner: "Der Erich-Neuberg-Preis hat nicht nur einen materiellen, sondern viel mehr noch einen ideellen Wert. Es freut mich besonders, dass Ulrich Seidl mit diesem Preis ausgezeichnet wurde, ein Mann, der den Geist des Namensgebers dieser Auszeichnung hochhält und all das glaubwürdig vertritt, was für den Fernsehfilm wichtig ist."

ORF-Programmdirektor Dr. Scolik: "Solche Menschen wie Seidl braucht das Fernsehen"

In seiner Laudatio sagte ORF-Programmdirektor Dr. Reinhard Scolik:
"Wir sind stolz darauf, einen Preis verleihen zu können, der an Erich Neuberg erinnert. An einen Mann, der viel für das Fernsehen getan hat. Er hat Dinge gesucht und versucht, ohne sich dabei zu verlieren. Solche Menschen braucht das Fernsehen. Und in Ulrich Seidl haben wir einen solchen gefunden, den wir zu Recht und mit Freude mit dem Neubergpreis auszeichnen wollen."

Die Jury: "Unverwechselbare Handschrift, formale Präzision der Bilder"

In der Begründung der diesjährigen Erich-Neuberg-Preisjury, bestehend aus den Preisträgern der Jahre 2001 und 2002 - Michael Kreihsl und Wolfgang Murnberger - sowie ORF-Fernsehfilmchef Dr. Heinrich Mis, heißt es: "An Ulrich Seidl als Regisseur besticht zunächst seine unverwechselbare Handschrift. Der formalen Präzision der Bilder entspricht jene Geradlinigkeit, mit der der Regisseur in 'Jesus, Du weißt' auf sein Thema zugeht. Diese Geradlinigkeit kennt weder das vordergründig Kritische noch das hinterhältig Lächerliche. Die Protagonisten wirken niemals verlegen oder beschämt. Sie sind bereit, vieles preiszugeben. Seidl belohnt dieses Vertrauen, indem er seine Darsteller niemals verrät."

Zur Person Ulrich Seidl

Der 1952 in Wien geborene und auch hier lebende Filmemacher Ulrich Seidl studierte Publizistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte. Sein Studium finanzierte er mit Jobs als Nachtwächter, Lagerarbeiter und als Medikamenten-Versuchskaninchen. Erst mit 26 Jahren entschloss er sich, die Filmakademie zu besuchen, die er nach seinem Debüt "Einsvierzig" (1980) und dem umstrittenen Film "Der Ball" (1982) frühzeitig wieder verließ. Dennoch machte er sich einen Namen als Filmemacher: Bekannt wurde Seidl 1990 durch "Good News", einen Film über die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Wiener Zeitungskolporteuren. Es folgten "Mit Verlust ist zu rechnen" (1992), ein Film über österreichisch-tschechische Grenzbegegnungen, sowie "Die letzten Männer" (1994), in dem er sich mit der Vorliebe österreichischer Männer für asiatische Ehefrauen auseinander setzt. 1995 entstand "Tierische Liebe", eine umstrittene satirische Dokumentarstudie über die Tierleidenschaft vieler Österreicher. "Busenfreund" hieß das Porträt eines ungewöhnlichen Mathematiklehrers aus dem Jahr 1997. Mit der Semidokumentation "Models" (1998) über Licht- und Schattenwelt des Modeldaseins wagte Seidl erstmals den Schritt in eine neue Richtung, weg vom reinen Dokumentarfilm hin zum Spielfilm. "Hundstage" markierte eine bedeutende Weiterführung dieser Idee und kam zu internationalen Ehren: Mit "Hundstage" gewann Seidl 2001 den Großen Preis der Jury bei den 58. Filmfestspielen in Venedig. Mit "Jesus, Du weißt" feierte Ulrich Seidl ebenfalls zahlreiche Erfolge: So wurde der Streifen in Karlovy Vary, bei der Viennale und in Montreal ausgezeichnet und lief u. a. auf Festivals in Toronto, Chicago, New York, London, Amsterdam und Gent.

Die bisherigen Erich-Neuberg-Preisträger

Im Gedenken an den Fernsehpionier Erich Neuberg vergibt der ORF die Auszeichnung jährlich für besondere und beachtenswerte filmische Werke, die aus dem Fernsehalltag herausragen. Von Peter Patzak bis Harald Sicheritz, von Fritz Lehner bis Xaver Schwarzenberger, von Karin Brandauer bis Götz Spielmann: Ingesamt 21 österreichische Filmemacher haben seit 1980 den Erich-Neuberg-Preis für herausragende Regieleistungen erhalten. Der niederösterreichische Filmemacher Wolfgang Murnberger bekam die Auszeichnung als einziger bereits zwei Mal (1996 und 2002). Die bisherigen Erich-Neuberg-Preisträger und ihre Filme im Überblick sind:

1980 Fritz Lehner für "Das Dorf an der Grenze" 1981 Dieter Berner für "Alpensaga" 1982 Heide Pils für "Familienrat" 1983 Susanne Zanke für "Was Flügel hat, fliegt" 1984 Käthe Kratz für "Lebenslinien" 1985 Peter Patzak für "Försterbuben" 1986 Lukas Stepanik für "Beschloss ich Politiker zu werden" 1987 Karin Brandauer für "Erdsegen" 1988 Margareta Heinrich für "Durch dick und dünn" 1990 Xaver Schwarzenberger für "Souterrain" 1991 Gernot Friedel für "Das Ende eines langen Winters" 1992 Kurt Ockermüller für "Hansi Vrba, Inländerfreund" 1993 Wolfram Paulus für " Fahrt in die Hauptstadt" 1994 Götz Spielmann für "Dieses naive Verlangen" 1995 Nikolaus Leytner für "Ein Anfang von Etwas" 1996 Wolfgang Murnberger für "Auf Teufel komm raus" 1997 Julian Pölsler für "Die Fernsehsaga" 1998 Johannes Fabrick für "Bernhardiner & Katz" 1999 Harald Sicheritz für "Qualtingers Wien" 2000 Stefan Ruzowitzky für "Die Siebtelbauern" 2001 Michael Kreihsl für "Probieren Sie's mit einem Jüngeren" 2002 Wolfgang Murnberger für "Brüder" 2003 Ulrich Seidl für "Jesus, Du weißt"

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