• 31.03.2004, 12:04:57
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FESTAKT ZUR ERSTVERGABE VON DOHNAL-TEILSTIPENDIEN IM PARLAMENT Stipendiatinnen: Michaela Kathan, Barbara Asen, Veronika Stefanov

Wien (PK) - Der Zweite Präsident des Nationalrats Heinz Fischer
und die Vorsitzende des Gleichbehandlungsausschusses Barbara
Prammer luden heute anlässlich der Erstvergabe von Johanna-
Dohnal-Teilstipendien zu einem Festakt ins Parlament. Vergeben
werden die Stipendien an Dissertantinnen und Diplomandinnen, die
entweder ein technisches Studium absolvieren oder über
frauenspezifische Themen arbeiten. Die ersten Stipendiatinnen
sind Michaela Kathan, Barbara Asen und Veronika Stefanov, sie
erhalten die Studiengebühren für ein Studienjahr erstattet.

Fischer wertete bei der Begrüßung die Vergabe von Dohnal-
Stipendien als logischen Akt einer Philosophie, die darauf
abziele, Chancengleichheit und Gleichberechtigung nicht nur auf
dem Papier zu haben, sondern in die Lebenswirklichkeit
umzusetzen. Gerade in einer Zeit, in der die Gefahr bestehe, dass
in der Frauenpolitik ein "Rückwärtsgang" eingelegt werde und
bereits erreichte Errungenschaften rückgängig gemacht würden, sei
es besonders wichtig, ein Zeichen zu setzen, bekräftigte er. Die
Idee der Stipendienvergabe hängt Fischer zufolge mit dem runden
Geburtstag Dohnals zusammen, diese solle aber nicht ein
einmaliger Akt bleiben, sondern eine Dauereinrichtung werden.

Johanna Dohnal wies in ihrer Rede darauf hin, dass Frauen
"jahrtausendelang" Bildung vorenthalten worden und ihnen die
Mitwirkung an gesellschaftlichen Organisationen und deren
Mitgestaltung verwehrt geblieben sei. Angefangen vom Recht über
die Wissenschaft bis zur Religion habe man "Mythen kreiert", um
die männliche Vormachtstellung und weibliche Benachteiligungen
als Norm darzustellen. Sie hält Förderung von Frauen notwendig,
um diesen Kreislauf zu durchbrechen.

Was die aktuelle Situation von Frauen betrifft, zeichnete Dohnal
ein nicht sehr optimistisches Bild. Einerseits sei es in den
letzten 30 Jahren tatsächlich gelungen, vieles zu bewirken,
meinte sie und gab unter anderem zu bedenken, dass das Bekenntnis
zur Gleichstellung heute offizielle Doktrin der EU sei. Ebenso
wurde Frauenförderung in der österreichischen Verfassung
verankert. Andererseits habe sich aber vieles nicht verändert,
unterstrich Dohnal, nach wie vor gebe es sexistische Strukturen
in der Gesellschaft.

Auch in der Technologiepolitik und in der Technologieentwicklung
spielten Frauen noch immer eine marginale Rolle, skizzierte
Dohnal. Sie forderte daher, Ausbildungsinhalte,
Ausbildungsmethoden und Ausbildungsklima stärker an den
Bedürfnissen und Erfahrungen von Frauen auszurichten. Allgemein
hielt die frühere Frauenministerin fest, die Vision des
Feminismus sei nicht die weibliche Zukunft, sondern die
menschliche Zukunft.

Auch die Nationalratsabgeordnete und Vorsitzende des
Gleichbehandlungsausschusses Barbara Prammer unterstrich die
Bedeutung des Instruments der Bildung in der Frage der
Gleichstellung von Frauen. Obwohl es mittlerweile an den
Universitäten mehr weibliche als männliche Studierende gibt, habe
sich in vielen anderen Bereichen leider noch wenig verändert,
bedauerte sie. So ergreifen z.B. noch immer sehr wenige Frauen in
Österreich technische Berufe; der Anteil liegt bei nur 7 %. Auf
politischer Ebene müsse daher ihrer Ansicht nach sehr viel getan
werden, damit die Frauen entsprechende Rahmenbedingungen
vorfinden und nicht wieder aus dem Berufsleben gedrängt werden.

Mit Johanna Dohnal konnte keine berufenere Namensstifterin für
diese Stipendien gefunden werden, meinte die ehemalige
Abgeordnete der Grünen, Freda Meissner-Blau. In der
feministischen Forschung sollte aus ihrer Sicht auch immer auf
die Umsetzbarkeit und den internationalen Fokus geachtet werden.
Außerdem forderte sie die Stipendiatinnen auf, unparteiisch zu
sein, wenn es um unterprivilegierte Frauen geht. In Zeiten wie
diesen sei es besonders wichtig, das Frau-Sein nicht zum Programm
zu machen und sich gegen biologische Zuschreibungen zu wehren,
gab sie den Preisträgerinnen mit auf dem Weg. Nur dann könne
nämlich ein Schritt in Richtung einer emanzipatorischen und
frauenspezifischen Zukunft gesetzt werden.

DIE STIPENDIATINNEN

"Mädchen können mehr!" lautet der Titel der Diplomarbeit von
Michaela Kathan, die Politikwissenschaft und Publizistik in Wien
studiert hat. Die 1975 in Vorarlberg geborene Stipendiatin
analysierte die arbeitsmarktpolitischen Fördermaßnahmen zur
Erhöhung des Frauenanteils in nichttraditionellen Lehrberufen von
1978 bis 2002. Kathan kam dabei zum Schluss, dass die Maßnahmen
insofern als Erfolg angesehen werden können, als sie Ansätze zur
Bewusstseinsveränderung in Bezug auf die Relevanz der
Erwerbstätigkeit von Mädchen und Frauen bieten. Außerdem habe
dadurch auch die Konzentration auf traditionelle Lehrberufe im
Untersuchungszeitraum abgenommen, konstatierte die Autorin.

Die Salzburgerin Barbara Asen (geb. 1981) studierte Geschichte
und Germanistik (Lehramt) und verfasste eine Diplomarbeit zum
Thema "Zur Konstitution von Weiblichkeit und Männlichkeit im
österreichischen Kabarett ab den 1950er Jahren". Asen begründete
ihre Themenwahl damit, dass die Flexibilität der Kunstgattung
Kabarett, und zwar was das Aufgreifen aktuell in der Gesellschaft
diskutierten Fragen angeht, von anderen historischen Quellen kaum
zu überbieten sei. Im Sinne der Geschlechtergeschichte sollen in
der Arbeit Männlichkeits- und Weiblichkeitsbilder sowie
Geschlechterstereotype, die sich in den Kabaretttexten, aber auch
im historisch-gesellschaftlichen Wirken der Künstlerinnen
nachweisen lassen, aufgezeigt werden.

Veronika Stefanov wurde 1980 in Wien geboren und begann 1999 mit
dem Studium der Wirtschaftsinformatik. In ihrer Diplomarbeit
befasste sie sich mit der Analyse und Verbesserung von
Softwareentwicklungsprozessen ("Software Process Performance
Measurement"). Anhand eines Beispielprozesses entwickelte sie ein
flexibles System, das jederzeit erweitert werden kann. Neben
ihrem Studium ist Stefanov noch als Tutorin für
Programmierlehrveranstaltungen an der Universität Wien und der
Technischen Universität Wien tätig. (Schluss)

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OTS0138    2004-03-31/12:04

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