"Es zwickt und zwackt an allen Enden" von Leo Himmelbauer

Wirtschaftsblatt Kommentar

Wien (OTS) - Wirtschaftskammer und Industrie rechneten gestern
vor, dass die Belastung aus der Verwendung von Energie heuer um 17 Prozent, nächstes Jahr um nochmals 15 Prozent steigen werde. Für ein Drittel der Zusatzkosten, rund 100 Millionen Euro, mögen Bund und Länder einspringen. Der Finanzminister wies diese Forderung prompt zurück.

Schliesslich muss er sparen beziehungsweise Geld eintreiben, wozu er ja eine Steueramnestie erfunden hat. Ebenfalls gestern legte die KMU Forschung Austria ihren Jahresbericht 2003 vor. Er ist wenig erbaulich. Im Durchschnitt haben 42 Prozent der Gewerbe- und Handwerksbetriebe rote Zahlen geschrieben und 39 Prozent ohne Eigenkapital gearbeitet bei einem praktisch stagnierenden Gesamtumsatz von 44,8 Milliarden Euro.

Kleinbetriebe mit weniger als einer halben Million Euro Umsatz waren am schlechtesten dran. Mehr als jeder zweite baute Verluste, ebenso viele waren überschuldet. Dazu passt die aktuelle Statistik der Gebietskrankenkassen. Ihre Aussenstände sind neuerlich gestiegen. Zum Stichtag 31. Dezember betrugen sie knapp 900 Millionen Euro. Das entspricht 3,4 Prozent ihrer Gesamteinnahmen. So viel etwa brauchen sie für die Abdeckung ihrer eigenen Kosten. Anders als der Finanzminister können die Kassen keine Amnestie ausrufen. Sie müssen die schwierige Balance finden zwischen der berechtigten Hoffnung auf Nachzahlung und dem rechtzeitigen Ziehen der Reissleine. Insolvenzexperten neigen zur Ansicht, dass ein Konkursantrag der Kassen helfen könnte, grösseren Schaden zu verhindern.

Der Trend, dass Firmen Beiträge an die Kassen zu spät abliefern, deckt sich übrigens mit den Studien des KSV über die Zahlungsmoral. Die wird immer schlechter. Im Vorjahr stieg die durchschnittliche Zahlungsdauer um vier auf 46 Tage. Tendenz steigend. Aussenstände, die von Unternehmen eingemahnt oder an Inkassobüros weiter gereicht werden, betragen bereits 38 Milliarden Euro. Wachsende Belastungen auf der einen Seite, zu geringe Liquidität auf der anderen Seite, dazu noch Banken, die mit ihrem Kreditrisiko bewusster umgehen da ist es kein Wunder, wenn es Unternehmen zwickt und zwackt. Aushalten können sie den doppelten Druck nur, wenn Ertragskraft und Eigenkapital-Ausstattung ausreichend sind. Niemand wünscht sich Pleiten und Entlassungen. Deshalb braucht die Wirtschaft Entlastungen.

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