Schwaches Jahr 2003 für die Papierindustrie

Hohe Kostenbelastung für Branche

Wien (PWK215) - Die internationale Papierindustrie erlebte 2003
eine gedämpfte Entwicklung mit einem Verbrauchswachstum von unter einem Prozent in Europa, aber etwas kräftigeren Zuwächsen in anderen Regionen. Vorläufige Zahlen für Europa zeigen eine Jahresproduktion der CEPI-Länder von 92,0 Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe, das bedeutet eine Produktionssteigerung von 2,2 Prozent. Die Kapazitäten wuchsen stärker, aber konjunkturbedingt waren vermehrte Maschinenstillstände notwendig. Die Fusionsaktivitäten waren 2003 international merklich geringer als noch zu Ende der neunziger Jahre.

Auch in Österreich hatte die Papier erzeugende Industrie mit einem wirtschaftlich schwachen Jahr zu kämpfen. Sie produzierte im Jahr 2003 rund 4,6 Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe, das entspricht einer Steigerung von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwei Drittel dieses Zuwachses von 145.000 Tonnen sind auf die zu Jahresmitte 2002 in Betrieb genommene neue Papiermaschine in Laakirchen zurückzuführen.

Die Kapazitätsauslastung war im Jahr 2003 in vielen Sortenbereichen neuerlich nicht zufriedenstellend. Infolge der ungünstigen Marktlage mussten immer wieder Abstellungen vorgenommen werden. Einige Sortengruppen, wie zum Beispiel Zeitungsdruckpapier, Wellpapperohpapier und Spezialpapier, zeigten eine mengenmäßig überdurchschnittliche Produktionsentwicklung, zum Teil im Vergleich zu einem schwächeren Vorjahr. Die zusätzlichen Mengen wurden fast ausschließlich im Ausland abgesetzt. Das erhöhte die Exportquote von 84,1 im Vorjahr auf 84,5 Prozent. Während die Lieferungen in das Hauptabsatzgebiet EU unverändert blieben, nach Deutschland sogar rückläufig waren, stiegen die Exporte in alle vier östlichen Nachbarländer mit zweistelligen Prozentzahlen, so auch die Lieferungen nach Übersee, jedoch häufig zu niedrigeren Erlösen. Der Import von Papier wuchs um 4,6 Prozent auf 1,3 Millionen Tonnen, der errechnete Verbrauch um 3,1 Prozent auf 2,0 Millionen Tonnen.

Die schwache Marktlage zeigte sich nicht zuletzt in den kontinuierlich sinkenden Durchschnittserlösen für Papier, Karton und Pappe, die im Jahresverlauf um weitere 6,5 Prozent zurückgingen. Deshalb konnte die Papierindustrie trotz gestiegener Liefermengen weder den bisherigen Umsatzrekord des Jahres 2000 noch den Umsatz des Vorjahres erreichen. Der Umsatz 2003 betrug 3,3 Milliarden Euro, das ist 3,7 Prozent weniger als 2002 und 6,3 Prozent weniger als im Jahr 2000.

In den ersten Monaten des Jahres 2004 sieht die Papierindustrie keine Anzeichen für eine rasche Belebung. Realistische Hoffnungen richten sich allerdings auf den prognostizierten allgemeinen Konjunkturaufschwung, der in der Regel eine unmittelbare Belebung des Papiergeschäfts nach sich zieht. Gleichzeitig ist die Papierindustrie jedoch mit noch höheren Kosten konfrontiert. Seit Jahresbeginn müssen die Unternehmer ein im Vergleich zu den Nachbarstaaten sehr teures Road Pricing finanzieren und auch im Bereich der Energie- und Klimapolitik sind 2004 neue Belastungen zu befürchten.

Verbitterung herrscht in der Papierindustrie über den derzeitigen Stand der Zertifikatszuteilung. Auf Branchenebene werden uns etwa 10 Prozent des Bedarfs im ersten Handelszeitraum 2005-2007 verweigert -10 Prozent, das sind ca. 250.000 Tonnen pro Jahr, in drei Jahren also 750.000 Tonnen, und das sind bei angenommenen Zertifikatspreisen von bis zu 20 Euro 15 Millionen Euro für die Branche für die ersten drei Jahre. Der Emissionshandel ist aber kein Stand-alone-Instrument, die Kostenbelastung kommt zu den bereits enormen Beträgen für die Ökostrom-Förderung (aus der die Papierindustrie ja ausgeschlossen ist), zur erhöhten Energiesteuer und zum teuren Road Pricing dazu!

Mit dieser Zuteilung riskiert der Umweltminister den geschäftlichen Erfolg einer Branche, die es auch bereits unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht leicht hat, ihre Position im internationalen Standortwettbewerb weiterzuentwickeln. Wenn jetzt Wachstum derart teuer bestraft wird, andererseits die Betriebe aber kaum mehr Emissionen einsparen können, bedeutet das zwangsläufig, dass Geld zum Ankauf der fehlenden Zertifikate ins Ausland abfließt.

Auch durch Ökostrom und Energiesteuer wird mit einer Kostenbelastung gerechnet, sodass das Auftürmen von weiteren Belastungen wie dem Road-Pricing und nun auch dem Emissionshandel ohne entsprechende integrierte Sichtweise dazu führen wird, dass Österreich als Standort für international agierende Unternehmen immer unattraktiver wird, und dass seitens der Politik im Sinne einer Standortsicherungsinitiative hier rasch gegengesteuert werden muss. (us)

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