Gewerbe 1: Sparte will Chancen im vergrößerten Europa nutzen

Exportquote derzeit rund 5 Prozent - Maßnahmen bei Unternehmenssteuern und am Arbeitsmarkt gefordert

Wien (PWK211) - Knapp ein Monat vor der EU-Erweiterung am 1. Mai 2004 präsentierte heute, Dienstag, die Bundessparte Gewerbe und Handwerk eine Standortbestimmung dieses rund 63.000 Betriebe und 570.000 Arbeitsplätze umfassenden Wirtschaftszweiges. Aus dem Jahresbericht 2003 der Sparte seien eine Reihe an wesentlichen Kennzahlen ersichtlich. "Erfreulich" sei, dass die Sparte in den vergangenen 10 Jahren den Exportanteil auf aktuell fünf Prozent zumindest gesteigert habe, betonte der Obmann der Sparte, Georg Toifl. Dieses Exportvolumen sichere 30.000 Jahresarbeitsplätze. Es gelte aber, die Exportmöglichkeiten zu verstärken. Unterschiedliche Quoten gebe es dabei in der Aufgliederung nach Bundesländern: Während Vorarlberg bei einer Exportquote von 15 Prozent hält, liegen die von der Erweiterung am meisten betroffenen Bundesländer Niederösterreich, Wien, die Steiermark und das Burgenland bei drei bzw. zwei Prozent.

Im Hinblick auf die Situation der Unternehmensbesteuerung betonte Toifl, dass die steuerliche Gleichstellung der verschiedenen Rechtsformen der Unternehmen anzustreben sei. Die Lücken in der Unternehmensbesteuerung bzw. die unterschiedlichen Regelungen in Europa würden es großen, international tätigen Unternehmen ermöglichen, ihre Erträge steuerschonend zu verschieben, während vielfach die arbeitsintensiven Kleinbetriebe dafür zahlen müssen. Und das, obwohl KMU (Gewerbe und Handwerk) 70 Prozent der Einkommens- und Verbrauchssteuern erbringen.

Angesichts der 7-jährigen Übergangsfristen (Regelung 2-3-2) am Arbeitsmarkt unterstrich der Obmann des Gewerbes, dass sich die Sparte aufgrund des sich verschärfenden Facharbeitermangels für eine differenzierte Vorgangsweise nach Branchen bei der Aufhebung dieser Fristen stark machen werde. "Nach den ersten 2 Jahren werden wir uns die Entwicklung sehr genau ansehen und scharf nachdenken in welchen Branchen diese Regelung 2007 noch nötig sein wird", unterstrich auch der Geschäftsführer der Sparte, Helmut Heindl. Aktuell ortete Toifl generell Ausbildungsdefizite: Während im Akademikerbereich, etwa bei Wirtschaftsabsolventen, Überschüsse bestehen, gebe es teilweise massive Nachfrage in allen Berufen des Metallbereichs, wie etwa Anlagenbauer.

Bei den Übergangsfristen im Dienstleistungsbereich betonte der Leiter der KMU-Forschung Austria, Walter Bornett, dass es seiner Einschätzung nach generell keine Gewinner oder Verlierer nach Branchen sondern nach Betrieben geben werde. "Gewinnen werden jene, die aufgrund ihres hohen Produktionsniveaus, ihres Know-hows, der Termintreue und ausreichender Ressourcen gerade auch bei den Mitarbeitern, punkten können Dazu gehören auch die Kleinstbetriebe. Betriebe, die nur über den Preis argumentieren, werden verlieren und werden mit oder ohne Übergangsfrist unter Druck kommen", so Bornett. Vielmehr rechne er damit, dass die Pfuscher und Schwarzarbeiter angesichts des niedrigeren Lohnniveaus in den Erweiterungsländern unter Druck kommen werden.

Kritik äußerte Toifl an den Neuerungen am Strommarkt: "Der Liberalisierungsgedanke ist zum Stillstand gekommen o0der dreht sich bereits wieder." So habe ein großer Energieversorger in einem Brief seinen Kunden mitgeteilt, dass innerhalb eines Jahres (1.1.2004-1.1.2005) das Preisniveau um 25,9 Prozent angehoben werde. Die Ängste seien vor dem Hintergrund dieser Vorgänge berechtigt, dass das zarte Konjunkturpflänzchen arg in Mitleidenschaft gezogen werde. (Forts.) (us)

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