Heiße Diskussion: RIGIPS bezieht Stellung gegen Bau.Massiv-Kampagne

Wien (OTS) - Brandhäufigkeit, Brandschäden, Brandtote - mit erschreckenden Statistiken rund um dieses Thema zieht Bau.Massiv seit Jahren gegen die Leichtbauweise ins Feld. RIGIPS Austria hat sich die veröffentlichten Daten genauer angesehen und fordert jetzt ein Ende dieser Zündelei.

Mit der im Jänner 2004 präsentierten "Brandschutztechnischen Analyse von Massiv- und Holzbauweisen" von Univ. Prof. DDr. Ulrich Schneider, Vorstand des Instituts für Baustofflehre, Bauphysik und Brandschutz an der TU Wien, hat die Bau.Massiv-Kampagne eine neue Dimension erreicht. Darin wird der Schluss gezogen, dass bei verstärktem Einsatz der Leichtbauweise in Österreich zwangsläufig auch die Zahl der Brandopfer steigen würde. Für RIGIPS-Geschäftsführer Ing. Peter Leditznig ist man damit entschieden zu weit gegangen: "Uns liegen glaubwürdige Unterlagen und Stellungnahmen von renommierten Wissenschaftern und Technikern vor, die der brandschutztechnischen Analyse von Prof. Schneider aufs schärfste entgegentreten, sogar von Kardinalfehlern der Studie sprechen."

Bisher hat RIGIPS Austria als Mitglied der Fachgruppe der Stein-und keramischen Industrie in der WKO kammerintern versucht, ausgleichend auf die Bau.Massiv-Gruppe einzuwirken. Nun geht man in die Offensive. Leditznig. " Wir lehnen diese Kampagne aus zwei Gründen ab. Zum einen aus unternehmerischer Sicht, denn diese Initiative richtet sich auch gegen die Gipskartonplatte, die wir mit hohem Verantwortungsbewusstsein herstellen und vertreiben. In Österreich sind immer noch die Ö-Normen und die Landesbauordnungen der Richtwert, nicht Hypothesen, die weder bauphysikalisch noch bautechnisch begründet sind. Zum anderen lehnen wir die Kampagne auch aus gesellschaftspolitischen Gründen ab. In Österreich wird ein Drittel der Einfamilienhäuser in Leichtbauweise errichtet. Diese Familien werden durch das Aufbauschen der Brandgefahr permanent verunsichert. Ich finde es befremdlich, wie man hier mit der Angst der Menschen Geschäfte machen will. Bis dato war das in unserer Branche nicht üblich."

Brandschäden in Österreich im europäischen Vergleich

Tatsache ist, dass Österreich im europäischen Vergleich besonders wenige Brandschäden und Brandopfer zu verzeichnen hat. Für Ulrich Schneider ein logischer Schluss: wenig Holzbau - wenig Brandtote, mehr Holzbau - mehr Brandtote. Ein bisschen einfach und sehr verkürzt. Liest man bei internationalen Statistiken nämlich auch das Vorwort, wird man erfahren, dass sie bei Brandtoten nicht unterscheiden, ob diese Menschen im Straßenverkehr, bei Arbeitsunfällen oder in privaten Wohnhäusern ums Leben gekommen sind. Darüber hinaus lässt ein derartig simplifiziert hergestellter Zusammenhang viele andere wichtige Komponenten unberücksichtigt, zum Beispiel die Anzahl an Feuerwehren im Verhältnis zur Bevölkerung. Liest man hier wieder nur die Statistiken (world fire statistics 2003), liegt Österreich mit Ausgaben von 0,11% des BIP weit hinter Japan oder den meisten Ländern der EU zurück. Dass die Brandschäden aber trotzdem geringer sind, hat nicht zwingend mit der Bauweise zu tun, sondern ist auch in der Struktur der heimischen Feuerwehren begründet. In Österreich gibt es nur sechs Berufsfeuerwehren mit bezahlten Mitarbeitern. Daneben stehen aber rund 4550 Freiwillige Feuerwehren in rund 2530 Gemeinden mit einer Armada unbezahlter Feuerwehrmänner im Einsatz.

Internationaler Widerspruch zur Schneider-Studie

Teile der umstrittenen "Brandschutztechnischen Analyse von Massiv-und Holzbauweisen" erschienen schon 2002 im Deutschen Ingenieurblatt (unter dem Titel "Brandrisiko - Einfluss der Bauweisen und Bauarten", Mai 2002) und haben dort für einiges Aufsehen gesorgt. Besonders ausführlich haben sich DI Karsten Tichelmann von der Versuchsanstalt für Holz- und Trockenbau an der Technischen Universität Darmstadt und Prof. S. Winter von der TU München damit auseinandergesetzt. Sie gehen mit Schneider hart ins Gericht, wenn sie feststellen, dass "die Ausführungen der Autoren jeder erkennbaren wissenschaftlichen Grundlage entbehren. Aufgrund von unbewiesenen Annahmen werden anhand fachlich durchaus richtiger, mathematischer Beziehungen Gefahrenpotentiale für Gebäude in Holzbauweise errechnet, die dadurch den Anstrich der Wissenschaftlichkeit erhalten sollen."

Eine der falschen Grundannahmen ist, so Tichelmann, dass die Konstruktionsweise eines Gebäudes entscheidend sei für die Wahrscheinlichkeit der Brandausbreitung. "Holzbauten, wie Holzrahmenbau/Holztafelbau und die raumbildenden Bauteile im Holzskelettbau sind im Regelfall mit brandschutztechnisch wirksamen, nichtbrennbaren Beplankungen oder Bekleidungen versehen", so der Darmstädter Wissenschafter für Bauphysik und Leichtbau. "Die konstruktiv eingesetzten, nichtbrennbaren Baustoffe tragen damit zur Brandausbreitungswahrscheinlichkeit nach Brandentstehung, zum Beispiel durch ein implodierendes Fernsehgerät, nicht bei."
Damit sieht RIGIPS-Geschäftsführer Peter Leditznig die Argumente der Gipskartonindustrie von einem außenstehenden und unabhängigen Fachmann bestätigt: "Die Bewohner von Holzhäusern können sich genau so sicher fühlen wie die von Massivbauten."

Leditznig rät Österreichs Bauherren, auf die Bauordnung ihres Bundeslandes zu vertrauen: "Darin sind alle sicherheitstechnischen Vorgaben genau definiert. Gleich, ob ein Haus aus massiven Baustoffen oder in Leichtbauweise errichtet wird, am Ende müssen sie den gleichen Schutz bieten. Die Sicherheitskriterien sind für alle gleich!"

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