• 29.03.2004, 12:37:32
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EU-Erweiterung: Wlodkowski rechnet mit Chancen für Markenprodukte

Produkte wie Getreide werden unter Druck kommen

Graz (AIZ) - "Die EU-Erweiterung bringt für die heimische
Landwirtschaft sowohl Chancen als auch Risken. Wir erwarten einen
besseren Marktzugang für heimische Markenprodukte wie beispielsweise
für den 'frisch-steirisch-Apfel', für Spezialkäse oder für Zuchtvieh.
No-name-Produkte oder Durchschnittsqualitäten beispielsweise bei
Getreide werden unter Druck kommen. Damit für die heimische
Landwirtschaft die EU-Erweiterung bewältigbar ist, müssen die
Vermarktungs- und Verarbeitungsbetriebe rasch auf die neuen Märkte
reagieren", fordert der steirische Landwirtschaftskammerpräsident
Gerhard Wlodkowski.

Einen wichtigen Schritt dazu haben Landwirtschaftsministerium,
Wirtschaftskammer und AMA bereits gesetzt. In den Hauptstädten der
Erweiterungsländer finden seit Monaten Kontaktgespräche heimischer
Lebensmittelverarbeiter mit Importeuren statt. Die bisherigen
Gespräche liefen sehr Erfolg versprechend. Mehr als 100
österreichische Präsentationsteilnehmer waren jeweils bei den
bisherigen Hauptstadtbesuchen dabei - der jüngste fand Ende
vergangener Woche in Bulgarien statt. Jedes Unternehmen hat
durchschnittlich zehn bis 15 Wirtschaftskontakte geknüpft. In den
nächsten Monaten finden weitere Gespräche mit Rumänien, Polen und der
Slowakei statt.

Kompromisslos bei Standards

"Die EU-Erweiterung bedeutet für die Beitrittsländer, dass sie
dieselben Rechtsvorschriften und somit auch dieselben Produktions-,
Lebensmittel- und Qualitätssicherungsstandards einhalten müssen.
Lebensmittel, die die gemeinsamen Standards nicht erfüllen, dürfen
nicht über die Grenze. In dieser Frage sind wir kompromisslos",
stellte der Präsident fest.

Schweinemarkt: Kurzfristig könnte Österreich profitieren

Die Schweinehaltung ist in den Beitrittsländern einer der
zentralen Betriebszweige der Landwirtschaft, vor allem in Polen und
Ungarn. Allerdings sind viele Betriebe klein, die Vermarktung ist
vielfach noch unprofessionell. Große Probleme gibt es in den neu
hinzukommenden Ländern bei der Qualität und Hygiene. "Kurzfristig
könnte der österreichische Schweinemarkt von der Erweiterung
profitieren, da Polen und Ungarn ihr Potenzial noch nicht nützen. Aus
der Sicht der steirischen Landwirtschaft müssen
Vermarktungskooperationen mit den Beitrittländern rasch aufgebaut
werden, um langfristig diese Märkte beliefern zu können", so
Wlodkowski.

Chancen ergeben sich seiner Meinung nach zusätzlich beim Export
hochwertiger steirischer Genetik und von Qualitäts-Schweinefleisch.
Positiv sei ferner, dass die Exporterschwernisse an den Grenzen
wegfallen. "Gebraucht werden in den neuen Ländern auch
Qualitätsferkel sowie Know-how für den Stallbau, für die
Schweinehaltung, für die richtige Fütterung und für das
Betriebsmanagement. Profitieren könnten die steirischen
Schweinebauern auch vom Import günstigerer Futtermittel", erläuterte
der Präsident. Allerdings bestehe die Gefahr, dass durch vermehrten
Tierverkehr auch Krankheiten eingeschleppt werden. Mittelfristig
könnte Fleisch mittlerer Qualitäten aus den Überschussländern Polen
und Ungarn auf heimische Märkte drängen. Ernsthafte Mitbewerber seien
bereits Kapitalgruppen nach westlichem Vorbild, die bereits in Polen
anzutreffen sind.

Geflügelwirtschaft: Beitrittsländer könnten Marktanteile erobern

"Der Geflügel- und Eiermarkt ist bereits liberalisiert. Daher sind
ausländische Investitionen in den Beitrittsländern derzeit schon sehr
bedeutend. Eine Folge davon ist, dass die Geflügelhaltung in den
neuen Ländern ansteigt. Die Geflügelwirtschaft ist Ungarns stärkste
Branche. Der Export von Puten- und Geflügelfleisch nach Österreich
ist jetzt schon sehr hoch", berichtete Wlodkowski.

Tendenziell zeige sich, dass Österreich vom insgesamt steigenden
Geflügelverbrauch wenig profitieren dürfte und die in der
Geflügelproduktion starken Beitrittsländer den größer werdenden Markt
möglicherweise erobern könnten. Der österreichische
Selbstversorgungsgrad liege mittlerweile nur mehr bei 76%. Für
Österreich werde es folglich immer schwerer, die dynamische
Entwicklung beim Geflügelfleischverbrauch zu nutzen. Wegen der immer
wieder auftretenden Tierseuchen seien die Hygienestandards in der
Haltung entscheidend. Hier könne sich Österreich mit einem
gesteigerten Hygiene- und Qualitätsbewusstsein Vorteile bei
heimischen Konsumenten verschaffen.

Der heimische Eiermarkt werde primär von Importen aus EU-Ländern
dominiert. Osteuropa spielt hier - noch - eine deutlich
untergeordnete Rolle. "Bedeutsam für die heimischen Eierproduzenten
wird das bundesweite Tierschutzgesetz sein, etwaige strengere Regeln
bei der Legehennenhaltung könnten diese Sparte wirtschaftlich
ruinieren. Umstiegshilfen für die heimischen Bauern sind daher
notwendig", unterstrich der Präsident.

Rindfleischmarkt

Durch die EU-Erweiterung werde sich die Rinderhaltung um 11%
ausweiten. Die ausverhandelten Produktionsquoten der Beitrittsländer
seien gering. Das vielfach größere Polen habe beispielsweise weniger
Mutterkuhquoten als Österreich. Die GAP-Reform werde zusätzlich die
Rindfleischproduktion im gesamten Europa reduzieren. Mit der
Erweiterung eröffneten sich für österreichisches Zuchtvieh, für
Rindfleischmarken und für Convenience-Produkte neue Chancen. Zu
verstärkter Konkurrenz für österreichische Rinderexporte könnte es
auf den traditionellen italienischen Märkten kommen.

Milchproduktion: Größere Turbulenzen auf den Märkten vorerst nicht
erwartet

"Die Quotensicherheit sowie die nicht üppigen Quotenzuteilungen
für die Beitrittsländer verhindern größere Turbulenzen auf den
Märkten, die Sparte bleibt allerdings sehr marktordnungsabhängig. Die
Bauernmilchpreise in Ungarn und Slowenien haben teilweise unser
Niveau erreicht. Die heimischen Molkereien sind bereits in Slowenien,
Ungarn, Tschechien und der Slowakei vertreten und verstärken ihre
Anstrengungen in den Beitrittsländern. Allerdings ist die Konkurrenz
von westeuropäischen Großmolkereien sehr groß. Die größten
Möglichkeiten ergeben sich für unsere Molkereien im hochpreisigen
Käsesegment. Allerdings fällt die EU-Erweiterung mit der GAP-Reform
und damit der Senkung der Interventionspreise zusammen", fasste
Wlodkowski das Szenario zusammen.

Getreidebau: Auf erneuerbare Energien umlenken

Im Getreidesektor werde die größte Konkurrenz erwartet. Die
niedrigen Durchschnittserträge der Erweiterungsländer würden bald der
Vergangenheit angehören. Daher könne nur durch Umlenkung der
Produktion in Richtung nachwachsende Rohstoffe oder vermehrte
Stilllegung der Produktionsausweitung Einhalt geboten werden.
"Künftig werden für Österreich entsprechende Getreidepreise nur durch
Qualitätsgetreide mit entsprechender Herkunfts- und
Qualitätssicherung oder Gentechnikfreiheit erreichbar sein", sagte
der Präsident.

Obst-, Gemüse- und Weinbau: Mehr Qualitäts- und Preisdifferenzierung

Eine starke Qualitäts- und Preisdifferenzierung erwartet
Wlodkowski in den Bereichen Obst-, Gemüse- und Weinbau. Wesentlich im
Gemüsebau werde die Herkunftskennzeichnung etwa beim Steirischen
Kürbiskernöl sein, um die Konsumenten auf die heimischen Produkte
aufmerksam zu machen, da für diese Sparten stärkere Konkurrenz drohe.
Der steirische Obstbau werde durch seine Markenstrategie auch in
kaufkräftigen Ballungsräumen der Erweiterungsländer von Beginn an
punkten können, die Fruchtsaftproduktion werde sich allerdings noch
deutlicher nach Osten hin orientieren. Der Steirische Wein werde
durch den hohen Direktvermarktungsanteil seinen Erfolgsweg
fortzusetzen wissen und neue Marktsegmente nutzen können.
(Schluss)

Rückfragehinweis:
AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst

Tel: 01/533-18-43,   mailto:[email protected]
   http://www.aiz.info
   FAX: (01) 535-04-38
OTS0137    2004-03-29/12:37

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AIZ

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